Keine Angst vor weißem Papier

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Die Sitzbänke sind bordeauxrot, die Holzvertäfelung ist dunkel und auf den gelb lackierten Türen steht „Sortie“: Autorin und Übersetzerin Sina Klein im Gespräch mit Redakteur Sven-André Dreyer. Foto: Stefanie Siegel
 
Eine feste Größe in der deutschsprachigen Lyrik: die Düsseldorfer Autorin Sina Klein. Im Herbst 2014 erschien ihr Debüt „Narkotische Kirschen“ im Klever Verlag. Foto: Stefanie Siegel
Dass in der Stadt Düsseldorf eine lebendige Literaturszene existiert, bezweifeln viele. Dass hier dennoch moderne und zeitgemäße Lyrik entsteht, beweist die 1983 in Düsseldorf geborene Autorin und Übersetzerin Sina Klein.

Die Sitzbänke sind bordeauxrot, die Holzvertäfelung ist dunkel und auf den gelb lackierten Türen steht „Sortie“. Das Oberbilker Café, in dem die Autorin und Übersetzerin Sina Klein sitzt, ist so etwas wie ein zeitloser Rückzugsort. Es gibt Croissants und Milchkaffee aus französischen Tassen, Bols genannt, die Musik ist herrlich unaufgeregt. Ein Ort, zudem irgendwie auch Lyrik passt.
Die 1983 in Düsseldorf geborene Sina Klein besuchte das Goethe-Gymnasium in Flingern und die Lore-Lorentz-Schule in Eller, bevor sie die Fächer Französisch und Literaturübersetzen an der Philosophische Fakultät der Heinrich Heine Universität studierte. Die Liebe zur französischen Sprache erwuchs aus Urlauben in Südfrankreich, die sie dort als Kind mit ihren Eltern verbrachte. Schon damals war es der Klang der Sprache, der Klein faszinierte. Der Wunsch, französische Literatur ins Deutsche übersetzen zu wollen, lag nah. Dennoch bemerkte die Übersetzerin schon bald, dass sie das Übersetzen allein nicht ausfüllt. Zu sehr stand ihr eigener literarischer Stil im Vordergrund, zu sehr der Wunsch, nicht nur nach Vorlagen schreiben zu wollen.

Ernsthafte Arbeit mit lyrischer Sprache

In den Jahren 2005 und 2006 entwickelte Sina Klein erste eigene Texte, entdeckte den Zugang zu eigenständig geschaffener Literatur. Während sie zunächst an Poetry Slams teilnahm, jedoch schnell feststellte, dass ihre Texte nicht recht in das Format passen wollten, arbeitete sie erstmals ernsthaft mit lyrischer Sprache, als sie einen Workshop von Dozent Alexander Nitzberg an der Uni besuchte. Dort erlernte sie den theoretischen Überbau der Sprache, erhielt erste Einblicke in die Prinzipien des Schreibens, in Versformen und sprachliche Komposition. „Das“, so erklärt die Autorin, „war echte Förderung. Nitzberg kritisierte die entstandenen Texte knallhart, die Autoren setzen sich echter Kritik aus.“

Gedichte sind auf organische Weise zugänglich

Erste Veröffentlichungen ihrer Gedichte konnte Sina Klein im Internet und Literaturzeitschriften publizieren, war 2012 sogar Finalistin beim „Münchener Lyrikpreis“ und nahm 2013 am „Literarischen März“ teil. Die herausragende Qualität ihrer kunstvollen Sprache wurde im Jahr 2013 schließlich auch mit einem Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW honoriert – eine Zeit, in der sie bereits an ihrem jüngst veröffentlichten Lyrikband mit dem Titel „Narkotische Kirschen“ arbeitete. Die Debütpublikation, an der Klein schließlich insgesamt fünf Jahre gearbeitet hat, erschien im Klever Verlag und versammelt Gedichte, die auf eine organische Weise zugänglich werden und weniger durch rationale Verstehensprozesse in Kontakt treten wollen, als durch unmittelbare Sinnlichkeit, so der Verlag. Und auch, wenn einige Düsseldorfer bezweifeln, dass in der Landeshauptstadt eine umtriebige Literaturszene existiert, Sina Klein beweist das Gegenteil. Längst stellt sie eine feste Größe auf nationaler Ebene in der deutschsprachigen Lyrik dar, ist überdies redaktionelle Mitarbeiterin der seit 2010 von Sascha Lück herausgegebenen Zeitschrift „Proto“ und kommt gerade von der Leipziger Buchmesse zurück.
Angst vor dem leeren Blatt, dem weißen Stück Papier, kennt die Dichterin übrigens nicht. Aktuell arbeitet Sina Klein an neuen Gedichten für ein Nachfolgewerk der narkotischen Kirschen.

Hintergrund:
- Das nächste Mal wird Sina Klein am 26. April, 16 Uhr, auf einer Lesung im Rahmen der Reihe „Aufgegabelt: Literarische Sahnestücke“ im Verein Damen und Herren, Oberbilker Allee 35, zu erleben sein. Der Eintritt zur Lesung ist frei.
- Ihr Buch „Narkotische Kirschen“, 96 Seiten, erschien im September 2014 im Klever Verlag, ISBN 978-3902665812.
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 27.03.2015 | 20:48  
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