Lesen gefährdet die Dummheit

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Kultur statt Kippe - Ausgediente Zigarettenautomaten als Literaturspender
Rauchen gefährdet die Gesundheit. Wer aber glaubt, dass Zigarettenautomaten ausschließlich gesundheitsgefährdende Waren ausspucken irrt, denn seit nunmehr fünf Jahren kann man an ausgedienten Zigarettenautomaten in und um Düsseldorf Literatur erstehen – zigarettenschachtelgroß und garantiert nicht krebserregend.

Besucher des Kulturzentrums zakk werden schnell fündig, wenn sie ihren Blick auf der Suche nach einem Zigarettenautomaten im Foyer umherschweifen lassen. Gleich am Eingang hängt ein Automat um die Sucht zu befriedigen. Erst beim zweiten Blick wird klar, dass der angegebene Preis pro Packung nicht stimmen kann. Sind Raucher mittlerweile bereit, für ihre Zigaretten fünf Euro zu bezahlen, so kommen sie an diesem Automaten mit nur zwei Euro pro Schachtel günstig davon.
Bereits im Jahr 2006 entwickelte die Autorin und PoetrySlam-Veranstalterin Pamela Granderath gemeinsam mit Christine Brinkmann, Veranstaltungsleiterin des zakk, das Konzept des Literaturautomaten. Das Ziel ist, jungen und noch unbekannten Autoren eine Plattform zur Verbreitung ihrer Texte zu bieten. Ob Lyrik oder Prosa, Aphorismus oder Wortspiel, hauptsache kurz muss es sein. Denn eine Schachtel des Literaturautomat beinhaltet jeweils fünf Texte und eine Biografie eines Autors im Visitenkartenformat. Gerade für Lyriker sind die Automaten somit eine innovative Möglichkeit zur Selbstvermarktung. Der Leser, der einmal Feuer gefangen hat, kann neben den Texten über die beigefügte Kurzvita mehr über den jeweiligen Autor und seine Veröffentlichungen erfahren.
Was vor fünf Jahren mit nur einem Automat und einer Handvoll ausgewählter Dichter begann, ist mittlerweile beachtlich gewachsen. Rund zweihundert Autoren bewerben sich Jahr für Jahr, um mit ihren Texten in einer von Grafikerin Justyna Tuha gestalteten Schachtel des Literaturautomat vertreten zu sein. Im zakk, im Jungen Schauspielhaus und an der Heinrich Heine Universität - mittlerweile hängen allein in Düsseldorf sechs Automaten, die alle acht Wochen mit neuen Texten befüllt werden. Und auch über die Stadtgrenzen hinaus sind sie zu finden: in Wuppertal, Essen, Remscheid, Münster und Stuttgart, sogar in Venlo und im österreichischen Dornbirn findet die junge deutsche Literatur reißenden Absatz. Bei jeder Neubefüllung steht auch eine „Überraschungsbox“ zur Auswahl. Diese enthielten bisher Daumenkinos, Buttons oder Kühlschrankmagnete.
Neben literarischen Neulingen haben sich auch etablierte Poeten wie Stan Lafleur und Adrian Kasnitz hin und wieder mit ihren Texte eingebracht. Zum fünfjährigen Jubiläum der Literaturautomaten, die vom Düsseldorfer Kulturzentrum zakk in Zusammenarbeit mit ArtConnection betrieben werden, gab sich sogar der ehemalige Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn mit fünf Texten die Ehre. Lassen doch auch Sie sich einmal überraschen von der Vielfalt, die deutschsprachige Literatur im Hosentaschenformat zu bieten hat. Anders als Zigaretten sind die Literaturkärtchen garantiert nicht gesundheitsschädlich – ein gewisses Suchtpotential hingegen kann nicht ausgeschlossen werden.
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Heiko Müller aus Dortmund-City | 24.03.2012 | 12:56  
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