Mit dem Park auf Du und Du

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Auch regnerisches Wetter kann Interessierte nicht von den hochinteressanten Führungen des Gartenamtes abhalten. Claus Lange erklärt die Entstehung des Floraparks anhand historischer Baupläne und Fotos. Foto: Stefanie Siegel
„Auf ins Grüne!“ – unter diesem Motto lädt das Gartenamt der Stadt auch in diesem Jahr zu Ausflügen in das Stadtgrün. Zahlreiche Führungen durch Parks und Landschaft, Forst und Friedhöfe stehen zur Auswahl. Der pensionierte Gartenhistoriker der Stadt, Claus Lange, entführt die Interessierten in die botanische Historie der Stadt.

Düsseldorf-Bilk. Die Flora-Bar im Flora Park, Kronenstraße 65, ist Treffpunkt der Führung von Claus Lange. Und auch der feine, unangenehme Nieselregen kann die rund 20 Interessierten nicht davon abhalten, den einführenden Worten des pensionierten Denkmalpflegers der Stadt, Claus Lange, zu lauschen. Regenschirme und Hütchen schützen die aufmerksamen Zuhörer vor Feuchtigkeit.
Anhand von Grundrisszeichnungen und historischen Fotografien erklärt der 65-jährige Lange die Entstehung des rund drei Hektar großen Floraparks, der einst das Bürgerbedürfnis nach Freiraum stillen sollte. Denn gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Düsseldorf im Zuge der Industrialisierung zur Großstadt. Düsseldorf verfolgte im Rahmen seiner Expansion die Idee einer von Parkanlagen durchzogenen Stadt. Im Zuge der Umsetzung der Idee entstanden unter anderem der Ostpark, der Volksgarten und der Zoologische Garten. Auch der Florapark war in diesem Zeitraum angelegt worden, seine Anlage geht auf das Jahr 1876 zurück. Maßgeblich verantwortlich war dafür eine Aktiengesellschaft, die das Kapital zur Anlage des Parks unter Gartenbauarchitekt Heinrich Grube zur Verfügung gestellt hatte. Grube griff die damals aktuellen gesellschaftlichen Strömungen auf und legte den Park nach aktuellen geometrischen Gesichtspunkten an. Die Unterhaltung des Parks wurde in den ersten Jahrzehnten durch ein Eintrittsgeld, das Besucher am Eingang entrichten mussten, gewährleistet. Erst im Jahre 1902 übernahm die Stadt Düsseldorf selbst die Verantwortung für den Park und kaufte ihn auf, der Park wurde öffentlich zugänglich.

Landschaft im Miniaturformat

„Ähnlich wie der Zoo, so sollte auch der Florapark der Repräsentation der Stadt dienen und erhielt daher ein Festhaus und ein Palmenhaus, da exotische Tiere und Pflanzen seinerzeit das Renommee erheblich steigerten“, erklärt Claus Lange auf der Exkursion durch den Park. Die übrige Anlage des Parks folgte dem damals üblichen Muster: ein Weiher, ein großes Gartenrestaurant, ein öffentlicher Konzertplatz, Rasen- und Blumenflächen sowie alleenähnliche Spazierwege. „Eine stilisierte Landschaft im Miniaturformat“, sagt Lange.
Erstaunlich ist, mit welchen „gestalterischen Manövern“ es Gartenbauarchitekt Grube verstand, den 2,6 Hektar großen Park wesentlich größer erscheinen zu lassen, als er tatsächlich ist: durch verschlungene Wege und somit unterschiedliche Blickwinkel wird der umherschweifende Blick der Besucher stets in neue Richtungen gelenkt; ein Ermessen der tatsächlichen Größe von Weiher- oder Rasenflächen wird dem Betrachter erschwert.
Auch, wenn der Pfingststurm Ela dem alten Baumbestand nur wenig zugesetzt hatte – dem Sturm fielen lediglich drei Bäume zum Opfer – erlebte der Park in seiner 140-jährigen Geschichte einige gestalterische Veränderungen: das Konzerthaus mit Gartenrestaurant, Palmenhaus und Musikpavillon fielen einem Bombardement im zweiten Weltkrieg zum Opfer und wurden schließlich durch das Karl-Arnold-Haus, Palmenstraße 16, ersetzt. Das Gebäude wurde 1958 bis 1960 nach Plänen der Architekten Hans Schwippert und Friedrich Kohlmann erbaut. Bauherr war die Stiftung „Haus der Wissenschaften“. Das Gebäude wurde errichtet als Sitz der Arbeitsgemeinschaft für Forschung, heute „Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste“, und wurde nach ihrem Gründer, dem damaligen Ministerpräsidenten Karl Arnold, benannt. Mit Wegfall dieses Parkteils wurden einige Wege begradigt und im Zuge der Neugestaltung auch erst die heutige Fußgängerbrücke über den Weiher errichtet. Die ehemaligen Wege fielen aufgrund des großen Parkplatzes am Karl-Arnold-Haus weg.

Vom Tennisplatz zur Schaukel

Wesentlich früher, nämlich bereits mit Übernahme des Parks durch die Stadt im Jahre 1902, wurden die beiden Tennisplätze, die ursprünglich an der Bachstraße lagen, entfernt und durch Kinderspielplätze ersetzt. „Kinderspielplätze“, erklärt Claus Lange, „sind ein Barometer der Bürgerbedürfnisse. Auch diese werden regelmäßig Neuerungen unterstellt.“
Neben Auslichtungen und einer freieren Sicht durch weitläufige Rasenflächen ist der bis heute erhaltene historische Baumbestand mehr als sehenswert. Überdies interessant ist, dass nahezu alle Bäume ihre botanischen Bezeichnungen in Form kleiner Schilder tragen. So wird der Besuch des Floragartens neben einer kleinen Ruhephase für die Seele auch zu einer biologischen Wissensbereicherung. Besonders sehenswerter Baum ist sicherlich die Japanische Zelkove, die bereits 1875/1876 gepflanzt wurde. Sie stellt eines der mächtigsten Exemplare im Rheinland dar. Neben Historischem ist jedoch auch die botanische Zukunft im Park vertreten: Ungarische Hopfenbuchen sind sogenannte Zukunftsbäume. Sie werden mit den ansteigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels ganz besonders gut klar kommen.

Hintergrund:
> Das Gartenamt bietet nahezu ganzjährig Führungen durch die Düsseldorfer Grünanlagen an. Die Termine sind unter www.duesseldorf.de/stadtgruen/aktuell/fuehrungen1/ oder entsprechenden Broschüren, erhältlich im Gartenamt, einzusehen.
> Die Führungen finden bei jeder Witterung statt und dauern rund 2 Stunden. Sofern nicht anders ausgewiesen, wird eine Gebühr von 2,50 Euro pro Person erhoben. Für Kinder bis 14 Jahre ist die Teilnahme kostenfrei.
> Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine rechtzeitige Anmeldung für die Führungen beim Gartenamt unter Telefon 89-94800 erforderlich.
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Margot Klütsch aus Düsseldorf | 04.08.2015 | 19:36  
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