Mit Eisermann auf den Spuren eines Verlorenen

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"Ich hatte etwas Mühe, das goldene, glitzernde Bonbon auszuwickeln..." Neben dem Programmheft, auf jedem Platz ein "echtes" Karamelbonbon: Goethe.Werther.Eisermann im Düsseldorfer Capitol. Foto: Sven-André Dreyer
Düsseldorf. Eines vorweg: Man muss kein Goethe-Fan sein, um diesen Abend großartig zu finden. Und auch der bedingungslose, germanistisch-akademische Zugang zu klassischer Literatur ist nicht Voraussetzung, um „Goethe.Werther.Eisermann – Eine spoken word performance“ in vollen Zügen genießen zu können. Im Gegenteil: Das, was uns die Deutschlehrer gründlich vermiest haben, rückt Schauspieler André Eisermann, musikalisch begleitet von Pianist Jakob Vinje, wieder zurecht. „Der Roman altert nicht“, sagt André Eisermann, und bezieht sich damit auf den bis heute aktuellen Stoff Goethes. Mit dem Titel „Die Leiden des jungen Werther“, Johann Wolgang von Goethe hatte den Briefroman bereits im Jahre 1774 zur Leipziger Buchmesse vorgelegt und sogleich einen Bestseller gelandet, präsentiert der Schauspieler auf seiner derzeitigen Tour durch Deutschland einen heute rund 240 Jahre alten Text, der es in sich hat. Der Briefroman ließ Goethe im selben Jahr gleichsam über Nacht in Deutschland berühmt werden und gehört bis heute zu den erfolgreichsten Romanen der Literaturgeschichte.

Die Präsentation Eisermanns ist ergreifend

Die Präsentation des Romans durch Eisermann ist ergreifend, berührend, mitunter erschütternd. Auch wenn der Schauspieler während der Show sitzt, Eisermann rezitiert Werther nicht bloß, er schlüpft in Werthers Haut. Eine sparsame Gestik reicht aus, um den Protagonisten lebendig werden zu lassen, dem Roman eine lebendige Plastik zu verleihen, einen Tanz als Tanz verspüren zu können. Eisermanns geniale Mimik tut ihr Übriges. Er erzählt nicht bloß von Werthers Liebesleiden, er verkörpert sie. Eisermann parliert, schreit, flüstert und weint. Er tobt, säuselt und fährt einem jeden Zuschauer tief in die Glieder. Eisermann gibt den Zuschauern die Gelegenheit, die fortschreitende Veränderung des Protagonisten zu spüren, mit ihm zu leiden, mit Werther den Weg bis zum Schluss zu gehen, den Roman völlig neu zu erleben.

Nominiert für den Golden Globe

Der Schauspieler, der unter anderem durch Rollen in Joseph Vilsmaiers Verfilmung des Robert Schneider-Romans Schlafes Bruder, und in der Rolle des Kaspar Hauser in dem gleichnamigen Film von Peter Sehr bekannt wurde, nahm sich dem Stoff bereits vor vielen Jahren an. „Der Inhalt fasziniert mich sehr und ich entdecke den Roman durch die Reaktionen des Publikums ständig neu“, erklärt Eisermann. Für das Projekt wurde durch Jakob Vinje Musik komponiert, Lichteffekte unterstützen zusätzlich die Stimmung des Vortrages.
„Ich bin beim Spielen des Textes stets aufs Neue ergriffen“, betont Eisermann, „erfinde nichts hinzu sondern lebe den Text Abend für Abend, verkörpere Werther ganz und gar.“
Im Gegensatz zum Film – Schlafes Bruder erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde für den Golden Globe nominiert – schätzt Eisermann die Chronologie des Theaters und die Unmittelbarkeit der Bühne. „Auf der Bühne kann ich, gerade mit dieser großartigen Vorlage Goethes, alle Register ziehen und die Spannweite einer Figur ausreizen“, beschreibt Eisermann seinen Zugang zum Stoff. „Werther verguckt sich, statt zu gucken“, beschreibt der Schauspieler den tragischen Roman, der in der Selbsttötung des Protagonisten Werther endet. Damals wie heute sei der Inhalt aktuell und faszinierend, so Eisermann weiter, und habe nichts von seiner Modernität verloren.

Wann immer Sie die Gelegenheit haben, André Eisermann und Jakob Vinje mit „Goethe.Werther.Eisermann“ zu erleben: Gehen Sie - um Himmelswillen - hin!!
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1 Kommentar
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 15.04.2015 | 17:43  
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