'M'r spreche die selbe Sproch' - Rhein-Bote tanzt mit Brings in den Mai

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Rock in purer Form: Brings live in Düsseldorf. Foto: Rafael Zimmer
 
"M'r spreche die selbe Sproch": Sänger und Komponist Peter Brings in der Mitsubishi-Electric-Halle in Düsseldorf. Foto: Rafael Zimmer
Die Stimmung in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle ist bereits sehr gut, als die Vorband "Kuhl un de Gäng" die Bühne verlässt. Mit Auftritt der Brings wird der Saal mit 3.000 Gästen dann zu einer Partyzone, die den handfesten Rock der Kölschen Band ausgiebig feiert.

"Wir haben uns sehr auf das Konzert in Düsseldorf gefreut", erzählt Bassist und Komponist Stephan Brings vor dem Konzert im Interview. Mit einem Kölsch hat er es sich hinter der Bühne gemütlich gemacht und sich Zeit für mich genommen. "Wir beneiden die Düsseldorfer sehr um diese Halle", sagt der 1965 in Köln geborene Bruder von Peter Brings, der in der Band den Hauptgesangspart übernimmt. "In Köln", so erzählt er weiter, "gibt es leider keine Halle, die sich derart für Konzerte dieser Größe eignet." Gemeint sind Konzerte, wie das heutige. Konzerte, die durchaus als große Konzerte gelten und dennoch eine gewisse Initimität zulassen. Konzerte, die auf einen Schlag 3.000 Menschen mit der schier atemberaubenden Spielfreude der fünf Kölner infizieren. Mit ungeheuerem Temperament, mit ausgeprägter Musikalität und großer Leidenschaft ziehen Brings ihr Publikum in ihren Bann und machen aus jedem Saal und jedem Konzert ein wahrhaft unvergessliches Erlebnis.

"Wir sind eine Rockband. Nicht mehr, nicht weniger."

"Wir sind eine Rockband. Nicht mehr, nicht weniger", sagt Stephan Brings und verweist auf die außerkarnevalistische Zeit des Jahres. Sicher, bekannt geworden sind sie mit Hits wie 'Superjeilezick', wer aber einmal ein Brings-Konzert außerhalb der Sessionen besucht hat, weiß, dass die Band für handfesten Rock mit außergewöhnlich politischen Texten steht. Musikalisch herausragend begeisterte Brings auch beim Tanz in den Mai mit Stücken wie 'Niemals im Leben' oder 'Was ist mit Dir?', Stücken, die neben hohem musikalischem Wert auch sehr direkte Texte besitzen.
Stephan Brings ist sich der Tatsache bewusst, dass das Singen 'op Kölsch' durchaus Verständigungsprobleme birgt, verweist jedoch auf die unzähligen Mundartbands zum Beispiel im Bundesland Bayern. "Haindling", so sagt Brings, "ist in der restlichen Republik nicht mehr sonderlich bekannt, füllt in Bayern jedoch ständig jede Halle." Spätestens nachdem Bands wie Bap auch das Kölsche als feste Größe in der bundesweiten Rockmusik etablieren konnten, steht der Beweis, dass auch Texte in Mundart funktionieren können. "Unser Vater fragte uns nach Gründung unserer Band vor 25 Jahren, warum wir englische Texte schreiben", erzählt Peter Brings und lacht. "Schreibt doch einfach in der Sprache, in der ihr träumt", lautete der Ratschlag des Vaters, dem sie erfolgreich folgten. Seither erzählen sie ihre Geschichten op Platt - das Publikum dankt es ihnen sichtbar, alle singen - auch bei Tanz in den Mai in Düsseldorf - textsicher mit.

Der Karneval hat sich verändert

"Der Karneval hat sich verändert", stellt Stephan Brings nach gut 25 Jahren im Geschäft fest. Mittlerweile erreichen wir gerade in Köln wieder viele junge Leute, die wir für die Tradition des Karnevalfeierns gewinnen können. Sicherlich tragen auch Bands wie Brings dazu bei, dass sich immer mehr junge Menschen alternativ für die fünfte Jahreszeit begeistern können. "Das, was die Bläck Fööss in den 1970er-Jahren für den Karneval getan haben, erreichten wir in den 2000ern", sagt Brings und verweist auf den Generationenwandel im Karneval, der aktuell auch wieder den Kölner Kneipenkarneval etabliert. "Über den Karneval erreichen wir heute zum Beispiel Menschen, die sich eigentlich nicht für Politik interessieren", sagt Brings und verweist auf ihre politischen Texte. Aber auch Berthold Brechts 'Ballade des toten Soldaten' darf und soll mitunter einen Platz in den Konzerten der Brings erhalten. "Auch das ist Politik", sagt Brings.

M'r spreche die selbe Sproch

Von dem spaßhaften Konflikt zwischen Kölnern und Düsseldorfern merkt Brings wenig. "Gerade die junge Generation weiß gar nichts mehr davon", erzählt er mit Blick auf seinen Sohn. Im Gegenteil: "M'r spreche die selbe Sproch", so Stephan Brings, "Rheinisch eben". Dass er sehr gerne in Düsseldorf sei, sagt der Musiker, der privat übrigens Musik von Stoppok und Sting, aber auch von Whitesnake, Duran Duran oder Spandau Ballet höre. Da er keinen Führerschein besitze, komme er häufig mit dem Fahrrad hierher, berichtet Brings. In Düsseldorf besucht er dann den in Unterbilk lebenden Toningenieur der Band, Georg Gansser, der bei Live-Konzerten für den ordentlichen und druckvollen Sound zuständig ist. Und dass der Sound einmal mehr ordentlich und druckvoll war, davon Konten sich die begeisterten Brings-Fans bei Tanz in den Mai in der Mitsubishi Electric Halle 2015 mehr als überzeugen.
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