Neuer Wagenbauleiter: Bei Torsten Langer zu Besuch

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Ein Wagen, der schon fast fertig ist, ist der der KG Jrön Wisse Jonges. Foto: Siegel
 
Torsten Langer in der Kantine, wo Anika Gerlach und David Salomo die Portraits von fünf verdienstvollen Persönlichkeiten des Düsseldorfer Karnevals an die Wand gemalt haben. Zu sehen sind: Jürgen Rieck, Günther Pagalies, Wolfgang Becker, Hermann Schmitz und Jacques Tilly. Foto: Stefanie Siegel

Fotos zu machen ist unerwünscht. Rauchen auch. So steht es auf Schildern. Ausnahmen bestätigen die Regel. Heißt es. Und gilt auch in der Wagenbauhalle an der Merowinger Straße. Seit seiner Wahl zum Wagenbauleiter im Mai 2015 hat hier Torsten Langer das Sagen.



Sein Büro ist direkt neben dem Eingang. Mit Blick auf die ganze Halle. Und mit seinem Computer. „Von dort gehe ich auch noch meiner regulären Arbeit nach“, sagt er. Wagenbauleiter zu sein, ist ein Ehrenamt. Wie die anderen Vorstandsämter des Comitee Düsseldorfer Carneval auch. So möchte Torsten Langer auch anfangs nicht so recht rausrücken, wie viel Zeit er in der Halle direkt gegenüber des neuen Ballethauses verbringt. „Na, so 40 Stunden werden es sein“, sagt er dann doch mit zuckenden Schultern. Möglich sei dies nur, weil er selbstständig ist.

Möchte zurück nach Düsseldorf


Mit seinem Elektrounternehmen, mit Sitz in Ratingen. Dort wohnt er auch. Vielleicht nicht mehr lange. „Meine Frau und ich überlegen wieder nach Düsseldorf zu ziehen“, sagt er. Zum einen wegen seines Postens, zum anderen aber auch, weil es ihm und seiner Frau - „meine seelische und private Unterstützung“ - in Ratingen zu ruhig ist.
Torsten Langer ist niemand, dem das Karnevalsgen in die Wiege gelegt wurde. Geboren ist er in Sachsen-Anhalt. 1993 zog er nach Köln. „Da bin ich vor dem Karneval geflüchtet“, gibt er zu. 2000 lernte er seine Frau und Düsseldorf kennen. Für die Reisholzer Quatschköppe machte er Fotos für die Vereins-Homepage, bei deren Aufbau er half. „Da habe ich Blut geleckt“, so Langer. Ein Jahr später saß er dort im Elferrat. Vor sechs Jahren wurde er Mitglied bei den Uzbrödern, wurde Präsident. „Da bleibe ich bis zu meinem Lebensende“, sagt der 42-Jährige. Als Präsident der Uzbröder war er am Wagenbau seines Vereins beteiligt. Und die Idee im CC aktiv zu werden fand er gut. „Die kleinen Vereine sind im Vorstand nicht so gut vertreten“, sagt er. Lange und redlich überlegt habe er, als Wahlen anstanden. Und sich dann aufstellen lassen. Er ist gewählt worden. Aber er sagt auch: „Ohne Wolfgang Becker, der 13 Jahre lang Wagenbauleiter war, geht es nicht. Er ist jetzt im Beirat und unterstützt mich gerne.“

"Karneval ist Tradition"


Sein Engagement bei den Uzbrödern wie auch im CC erklärt er so: „Wenn man so etwas macht, muss man nicht den Karneval im Blut haben, sondern man möchte Traditionen am Leben erhalten.“ Für eine Stadt wie Düsseldorf wäre es eine Schande, wenn die Tradition Karneval nicht weiterleben würde.
In vier Wochen und fünf Tagen ist Rosenmontag. Einige Wagen sind schon fertig. Anderen fehlt die Farbe. Und wenige stehen noch ganz nackt herum. Es ist relativ früh am Morgen. Die Arbeiten starten erst. Dort wird gepinselt. An anderer Stelle geplant. Torsten Langer geht durch die Reihen und erzählt einiges. Dass die KG Jrön Wisse Jonges ihren Wagen selbst entworfen und gebaut haben, dass der Prinzenwagen auf keinen Fall fotografiert werden darf, dass am Dienstag nach Rosenmontag alles zerstört und in Müllcontainern abtransportiert wird.
Die Stimmung ist gut. Jeder grüßt. Manche scherzen. „Ich bin verantwortlich dafür, dass die Halle instand gehalten wird“, berichtet Torsten Langer von seiner Arbeit. Eine neue Schließanlage wurde gerade erst eingebaut, eine neue Heizung vor dem Winter. Die Elektroanlage wird komplett überarbeitet, einen Teil könne er selbst machen. „Und in diesem Jahr kommt noch ein neues Dach. Das wird Zeit“, sagt er mit Blick in die Höhe. Und wenn die Wagen, die in Reih und Glied in der riesigen Halle stehen, fertig sind, überprüft er, ob sie den technischen Standards entsprechen und die Maße stimmen.

Zwölf Meter lang darf ein Wagen sein



Zwölf Meter lang und 3,95 Meter hoch darf einer höchstens sein. Wichtig auch die Brüstungshöhe, die nach einem Unfall in Wermelskirchen in diesem Jahr um zehn Zentimeter auf 1,10 hochgesetzt wurde. Mit Zollstock und einer vier Meter langen Holzlatte geht er dann ans Werk. Damit eben alles läuft an Rosenmontag. Gut zehn Monate wurde an den wagen gearbeitet. „Und dann ist nach fünf Stunden alles vorbei“, so Langer.
Kein Muss, aber eine kleine Herzensangelegenheit hat sich Langer in der Kantine erfüllt. Dort hat er von Anika Gerlach und David Salomo, zwei Künstler aus Jacques Tillys Team, ein Bild malen lassen. „Zum Wohlfühlen“: Angelehnt an Mount Rushmore sind hier Portraits von verdienstvollen Persönlichkeiten des Düsseldorfer Karnevals zu sehen.
Langer mag sein Ehrenamt. Die Arbeit im Vorstand des CC sei harmonisch, man sei ein Team, das neue Ideen schnell umsetze. „Wir sind alle Workoholics. Wir können nicht still sitzen“, sagt er. Das sei für einen guten Vorstand wichtig. „Es macht einfach richtig Spaß“, sagt er.
Dann geht der Rundgang durch die Wagenbauhalle weiter. Fotos sind mit Erlaubnis gemacht. Und auch die Zigarette, die plötzlich aufglimmt, stört hier niemanden.
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