Ohne Stiftskirche kein Düsseldorf

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Dr. Ulrich Brzosa vor der Kirche St. Lambertus. Die Umwidmung der Pfarr- in eine Stiftsklirche gilt als Initialzündung der Stadtgründung Düsseldorfs. Foto: Siegel

Ende des 13. Jahrhunderts war Düsseldorf weit weniger als ein Dorf an der Düssel – ein kleiner, unbedeutendert Marktflecken, der im Schatten von Städten wie Neuss, Gerresheim oder Kaiserswerth stand. Wieso Graf Adolf von Berg Düsseldorf überhaupt die Stadtrechte verlieh, liegt im Dunkel der Geschichte.

In der Altstadt, nicht weit vom Burgplatz entfernt, steht die Kirche St. Lambertus. Die Stiftskirche steht im direktem Zusammenhang mit der Stadtgründung. „Bis zur Stadtgründung war die Kirche eine normale Pfarrkirche gewesen“, erläutert Dr. Ulrich Brzosa vom Caritasverband. Erst kürzlich referierte Brzosa im Rahmen der „Mittwochsgespräche“ über das Thema.

Stifter war Graf Adolf von Berg, der St. Lambertus 1288, nur wenige Monate nach der Schlacht von Worringen, in eine Stiftskirche umwidmen ließ und dem Dorf an der Düssel die Stadtrechte verlieh. „Warum“, fragt Brzosa, „hat Graf Adolf diesen kleinen Flecken zur Stadt erhoben? Für sein Seelenheil? Oder sehr kalkuliert, um den Ort wirtschaftlich anzukurbeln?“ Schriftliche Aufzeichnungen gibt es nicht. Historikern bleibt nur die Spekulation.

Auch ob die Stadterhebung ein Dank an die Düsseldorfer wegen ihrer möglichen Beteiligung an der Schlacht von Worringen gewesen sei, lässt sich nicht einwandfrei rekonstruieren. „Wir wissen über unsere eigene Geschichte wenig“, sagt Brzosa, der vermutet, dass die damalige Bevölkerung des Marktfleckens von ihrer eigenen Stadterhebung vollkommen überrascht gewesen sein muss.

Denn dem Dörfchen mangelte es 1288 an der notwendigen Infrastruktur, die Verkehrsanbindung war nicht ausreichend und die Ausdehnung der heutigen nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt beschränkte sich auf das Gebiet Krämerstraße, Altestadt, Liefergasse und Stiftsplatz. Weder Burgplkatz noch Ratinger Straße existierten damals.

Wirtschaftlich lohnte sich die Stadterhebung samt Stiftung in jedem Fall, denn in Düsseldorf florierte der religiöse Devotionalienhandel, entwickelte sich St. Lambertus in der folgenden Zeit zu einem Wallfahrtsort für Pilger, in dem zahlreiche Reliquien ausgestellt wurden, unter anderem die des Düsseldorfer Stadtpatrons Apolllinaris.

Doch das junge Düsseldorf machte nicht nur mit dem Glauben Geschäfte. „Die Schützen haben hier ihre Ursprünge“, erklärt Brzosa. „Auch das caritative- und das Gesundheitswesen.“ Institutionen wie der St. Sebastianus Schützenverein oder das Görresgymnasium gehen auf die Folgen der Stadtgründung und der zentralen Rolle, eelche die Stiftskirche St. Lambertus im frühen Düsseldorf spielte, zurück, Institutionen, die noch heute – 725 Jahre nach Gründung der Stadt – fester Bestandteil in Düsseldorf sind.
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 18.09.2013 | 11:06  
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