Paul Schneider von Esleben: Haniel-Garage und Rochuskirche in Düsseldorf

Anzeige
Haniel-Garage
 
Folie der stilisierten Haniel-Garage in der 21. Etage des Mannesmann-Hochhauses anlässlich der Ausstellung "Paul Schneider von Esleben".
Neue Aufgaben, neue Lösungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen auf die Architekten in Deutschland immense Aufgaben zu: Wohnungsbau, Erstellung von Infrastruktur und bald auch die Herausforderung duch den steigendem Autoverkehr. Dazu gab es sehr unterschiedliche Positionen, die in Düsseldorf im "Architektenstreit" eskalierten: Friedrich Tamms, der im Dritten Reich für Albert Speer gearbeitet hatte, wollte mit gleichgesinnten Kollegen seine in der damaligen Zeit entwickelten Vorstellungen von einer neuen Stadt realisieren. Architekten wie Bernhard Pfau warfen ihnen ihre NS-Vergangenheit vor und setzten darauf, gewachsene Strukturen wieder zu beleben.

Paul Schneider von Esleben (1915-2005)
beendete sein Studium 1947 und orientierte sich an der internationalen Architektur, wie sie sich während der Hitler-Zeit im Ausland entwickelt hatte. Mit seinen ersten großen Aufträgen avancierte PSE zu den führenden Architekten der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf und Deutschland. Sein Schaffen wurde jetzt anlässlich seines 100. Geburtstags in mehreren Ausstellungen gewürdigt. Bereits vor dem Mannesmann-Hochhaus (mehr dazu hier), dem ersten Stahlskelettbau in Deutschland, hatte er mit zwei Bauten international für Furore und zu Hause für Irritation gesorgt: Der Haniel-Garage (1952) auf der Grafenberger Allee 258 und der Rochuskirche in Pempelfort (1955).

Die Haniel-Garage
Was heute selbstverständlich ist, war zu Beginn der 1950er Jahre eine Sensation: Der Bau eines Parkhauses, dazu noch aus einem Betonkern, lediglich umgeben von einer gläsernen Hülle, so dass sich der Auftraggeber, der Industrielle Franz Haniel irritiert fragte, wie denn nun die Verkleidung aussehen solle. Schneider-Esleben schuf im Sinne Mies van der Rohes ein transparentes, klar gegliedertes Gebilde mit eleganten, fast schwebend wirkenden Rampen. Bei Beleuchtung sind die Strukturen besonders gut zu erkennen. An die Hochgarage war ein Hotel angegliedert. Selbst das amerikanische LIFE-Magazine berichtete damals über die Haniel-Garage.

Schicke Autos, schwere Motorräder
Seit 1985 steht die ehemalige Garage unter Denkmalschutz, aber Auto- und Motrorradfreaks kommen hier voll auf ihre Kosten. Aufgereiht wie Matchbox-Autos stehen die edlen Fahrzeuge und schweren Motorräder eines Münchner Autoherstellers auf mehreren Ebenen. Und statt des Hotels lädt nun eine allseits bekannte amerikanische Imbisskette zum Drive-in und Burgeressen ein.

Das sakrale Kontrastprogramm
Die neue Rochuskirche in Pempelfort ersetzte den im Krieg teilweise zerstörten neuromanischen Kirchenbau von 1897, von dem nur noch der Turm erhalten ist (mehr dazu hier). PSE griff die Vorstellungen des damaligen Pfarrers Dohr auf und schuf ein hervorragendes Beispiel moderner sakraler Architektur. Den eiförmigen Zentralbau aus drei paraboloiden Betonschalen nahmen viele Düsseldorfer jedoch mit Befremden und Unverständnis zur Kenntnis. Schnell war der populäre Spitzname "Halleluja-Gasometer" gefunden. Dabei greift St. Rochus in moderner Form christliche Symbolik auf: Die drei Schalen auf Dreipassgrundriss stehen für die Dreifaltigkeit, die Eiform für den Ursprung des Lebens und die zwölf Säulen des Innenraums, die die Kuppel tragen, symbolisieren die zwölf Apostel.

Nicht nur Architekt...
Anlässlich einer umfassenden Sanierung der Rochuskirche zu Beginn der 1990er Jahre ließ PSE zwischen dem erhaltenen neuromanischen Turm und dem Neubau sechs Stahlsäulenbündel aufstellen, die die von ihm ursprünglich geplante Verbindung zwischen alter und neuer Kirche unterstreichen. Außerdem entwarf er mehrere sakrale Ausstattungsstücke und die Glasfenster im Eingangsbereich. Eine Ausstellung in der Rochuskirche zum 100. Geburtstag präsentierte dazu Zeichnungen und Entwürfe.

Die Ausstellung "Paul Schneider von Esleben. Das Erbe der Nachkriegsmoderne". Eine Ausstellung des M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW ist noch bis zum 24. Februar 2016 in der Sparkasse Wuppertal, Islandufer 15, zu sehen.

Ausführlichere Infos gibt es bei den BIldunterschriften.

Quellen
Paul Schneider von Esleben. Das Erbe der Nachkriegsmoderne, Magazin und Flyer anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, Hrsg. M:AI Museum für Architektur und Ingenieuerkunst NRW, Bottrop 2015.
Werner Roemer: St. Rochus in Düsseldorf, Düsseldorf 2005.
2
2
3
3
5
2
3
1
1
2
2
5
3
5
4
4
3
3
2 3
3
14
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
11 Kommentare
5.899
Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 25.11.2015 | 19:45  
4.930
Helmut Krüßmann aus Düsseldorf | 25.11.2015 | 19:49  
25.095
Armin von Preetzmann aus Castrop-Rauxel | 25.11.2015 | 20:27  
50.481
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 26.11.2015 | 09:52  
2.008
Andrea Gruß-Wolters aus Duisburg | 26.11.2015 | 10:48  
8.112
Marlis Trapitz aus Düsseldorf | 26.11.2015 | 14:25  
14.063
Christoph Niersmann aus Hilden | 26.11.2015 | 18:14  
7.038
Margot Klütsch aus Düsseldorf | 26.11.2015 | 19:49  
14.593
Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 26.11.2015 | 21:48  
50.481
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 26.11.2015 | 23:49  
7.038
Margot Klütsch aus Düsseldorf | 27.11.2015 | 19:16  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.