Schwarze Zunft im Bottich

Mit einer Gautsch-Feier wurden an der Albrecht-Dürer-Schule 86 Töchter und Söhne Gutenbergs losgesprochen.

„Packt an, Gesellen, laßt seynen Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefend beide Ballen.“ Mit diesen Worten beginnt der Gautsch-Spruch. Und mit ihm eine nasse Tradition: Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert rückverfolgbarer Brauch der Buchdrucker, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung vom Gautsch-Meister und seinen kräftigen Helfern, den Packern, auf einen nassen Schwamm, und anschließend im Rahmen einer Freisprechungszeremonie in einer Bütte untergetaucht wird. In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnet der Begriff Gautschen den ersten Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers.
„Wir haben diesen Brauch bereits vor 25 Jahren erneut an unserer Schule aufleben lassen“, erklärt Natascha Godry, Lehrerin des Berufskollegs auf dem Fürstenwall. Die Feier am vergangenen Freitag wurde dabei durch den Förderverein der Fachschule für Drucktechnik ausgerichtet und finanziell unterstützt.

Abkühlung garantiert

Ein Fest, bei dem es übrigens nicht nur für den Täufling äußerst nass werden kann. Auch Gautsch-Meister Klaus Budde, seine Packer und die umstehenden Zuschauer werden ordentlich durchweicht. Die Schreie vereinzelter Täuflinge, den sogenannten Cornuten, zeugen von der Kälte des Wassers und der unliebsamen Abkühlung. Mediengestalterin Anna Tabea Hönscheid nimmt es gelassen: „Nach dreijähriger Ausbildung freue ich mich sehr auf diese Zeremonie, die einfach dazugehört.“ Die Druck- und Medientechnikausbildung bildet neben anderen Abteilungen wie Hotellerie oder Systemgastronomie den Hauptbereich der Schule.
Neben insgesamt 86 Cornuten wurden in diesem Jahr auch drei Ehrengautschlinge als Jünger des Buchdruck-Erfinders Gutenberg getauft. So machte ein ehemaliger und ein aktiver Lehrer, sowie Claudia Ogurek, Ausbildungsprüferin der IHK Düsseldorf, Bekanntschaft mit dem unangenehm kühlen Nass. „Frau Ogurek betreut unsere Prüflinge der Mediengestaltung schon seit vielen Jahren. Da ist es nur folgerichtig, dass auch sie einmal das Gautschen kennenlernt“, lacht Natascha Godry.

Feiern bei Currywurst und Bier

Das feierliche Ende der Zeremonie auf dem Schulhof der Albrecht-Dürer-Schule markierte die Überreichung der Zeugnisse und der wertvollen Gautschbriefe, bevor es bei extra scharfer Currywurst und einem kalten Bier zum entspannten Teil des Nachmittages überging. Denn, so heißt es schon im Gautsch-Spruch aus dem Jahre 1550: „Der durstg’en Seele gebt ein Sturtzbad obendrauff, das ist dem Sohne Gutenbergs die allerbeste Tauf.“ Und dies darf man durchaus wörtlich nehmen.
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