Siemens zeigte die Zukunft

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Vorstellung des Thameslink-Zuges im Siemens-Werk Krefeld-Uerdingen.
 
Jochen Eickholt, CEO der Sparte Mobility. (Foto: Siemens AG)

Bei Siemens wird die Zukunft neu geschrieben. Siemens-Vorstand Jochen Eickholt und Sandra Gott-Karlbauer, verantwortlich für Business und Urban Transport, umrissen am 20. April auf einer Pressekonferenz im Werk Krefeld-Uerdingen Stand und Zukunft der Mobility-Sparte.

Über 50 Medienvertreter aus Deutschland, England, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und anderen Ländern informierte Siemens darüber, wie die Mobility-Sparte weltweit für Bewegung sorgt. Am Standort Krefeld beschäftigt Siemens rund 2600 Mitarbeiter, weltweit arbeiten 26 000 Siemens-Beschäftigte für die Mobility-Sparte. Noch vor einem Jahr hatte Siemens-Konzernchef Joe Kaeser der französischen Alstom-Gruppe die Übertragung der Siemens-Bahnsparte unter der Führung der Franzosen vorgeschlagen. Die Mitarbeiter in Krefeld bangten damals um ihre Jobs. Das Geschäft platzte und nun will Siemens im Bahngeschäft richtig Gas geben.

In Krefeld werden nicht nur Hochgeschwindigkeitszüge für die Deutsche Bahn und die Türkei, sondern auch Regionalzüge für Großbritannien sowie für Österreich gebaut. Siemens gewährte bei einem Werksrundgang einen exklusiven Blick auf die Produktion des Desiro City Class 700, der 2016 auf der »Thameslink« in London fahren soll. Der erste komplette Desiro-Zug für England wird derzeit im Siemens-Prüfcenter in Wildenrath getestet. 82 Elektrotriebzüge vom Typ Desiro HC sollen ab 2018 als Rhein-Ruhr-Express (RRX) mit völlig neu konzipierten Fahrzeugen den Bahnverkehr in der Metropolregion an Rhein und Ruhr verbessern.

Digitalisierung im Fern- und Nahverkehr

Weltweit erlebt die Eisenbahn eine Renaissance. Von der Magnetbahntechnik hat Siemens sich mittlerweile verabschiedet. Hierfür halte man derzeit keine Ressourcen vor, erklärte Eickholt. Transport ist das Thema Nummer Eins für Bürgermeister auf der ganzen Welt, so Eickholt. Automatisierung und Digitalisierung bieten noch viele Chancen zur Kapazitätsausweitung und Verfügbarkeit von Verkehrssystemen im öffentlichen Schienennahverkehr. Siemens sieht sich als Vorreiter dieses Trends und hat die Digitalisierung neben der Automatisierung und Elektrifizierung in den Mittelpunkt seiner Geschäftsstrategie gestellt. Der öffentliche Nahverkehr muss immer mehr Fahrgäste befördern. Dies ist nur möglich, wenn der Durchsatz erhöht und die Zugfolgezeiten verkürzt werden.

Fahrerlose Metrozüge oder People-Mover wie zum Beispiel der Skytrain am Flughafen Düsseldorf werden von einer Leitzentrale gesteuert. Bei der automatischen Zugsteuerung tauschen Fahrzeug und Leitzentrale ständig Daten aus. Der Fahrdienstleiter erhält bei Verspätungen vom System automatisch Lösungsvorschläge, kann aber auch jederzeit in das System eingreifen. Die nächste Generation der Stellwerke wird bereits internetfähig sein. Auch die Instandhaltung kann über Ferndiagnose anhand der Datenauswertung berechnet werden. Unregelmäßigkeiten und Verschleiß werden frühzeitig erkannt, die Wartung kann so vorausschauend eingeplant werden. Siemens übernimmt für immer mehr Kunden die Instandhaltung der Fahrzeuge gleich mit. Bei Service und Instandhaltung sei Siemens Marktführer in Großbritannien, sagte Eickholt.

Auch im Fernverkehr sind nicht nur schnelle Züge, sondern absolute Zuverlässigkeit gefragt. In Spanien ist beispielsweise eine Velaro-E-Flotte von 26 Zügen im Einsatz. Siemens wartet hier über ein Joint-Venture die Züge über einen Zeitraum von 14 Jahren. Der Kunde, die spanische Bahngesellschaft RENFE, kann sich auf eine Verfügbarkeit von über 99 Prozent verlassen. Technisch bedingte Verspätungen über zehn Minuten treten beim Hochgeschwindigkeitszug Velaro E rein rechnerisch nur alle 1,5 Millionen Kilometer auf.

Automatisierte Bezahlsysteme, das so genannte ETicketing, machen darüber hinaus das Umsteigen einfacher: Ein Fahrschein, über einen Chip oder eine Smartphone-App bezahlt, sorgt für vernetzte Mobilität. Auch Carsharing-Anbieter können in dieses System eingebunden werden.

E-Busse und Elektrifizierung

Ferner hat Siemens für die Elektrifizierung neue Konzepte entwickelt. Viele Städte ersticken im Verkehr und Abgasen. Um die Klimaschutzziele einzuhalten, müssen sie den Ausstoß von Feinstaub und Emissionen deutlich senken. Bürgermeister können durch die Förderung eines umweltbewussten Verkehrs das Image einer Stadt für nachhaltiges Handeln deutlich schärfen. Elektrische Energie bietet hier neue Möglichkeiten.

Für Doha (Katar) entwickelte Siemens eine oberleitungslose Straßenbahn. Die Batterien und Kondensatoren der Fahrzeuge vom Typ Avenio werden an den Haltestellen über einen Stromabnehmer aufgeladen. Der erste Avenio für Doha wird derzeit im Prüf- und Validationscenter in Wildenrath getestet und voraussichtlich im Juni 2015 nach erfolgreicher Testphase in Doha eintreffen.

Auch für E-Busse hat Siemens Schnellladesysteme entwickelt. Die Busse werden entlang der Buslinie aufgeladen. Die Verlegung einer Oberleitung entfällt. Die Ladestationen können an der Strecke, an Knotenpunkten oder an Endstationen installiert werden. Seit Herbst 2012 ist in Wien die erste Buslinie mit reinen Batteriefahrzeugen im Einsatz. Die Batterien werden an den Endstellen über einen Stromabnehmer auf dem Busdach an der Oberleitung der Straßenbahn aufgeladen. In Hamburg wird auf der Innovationslinie 109 ebenfalls diese innovative Antriebstechnik im Linienverkehr getestet. Die Batterien werden hier über Ladestationen an den Endhaltestellen aufgeladen. Dabei senkt sich für den Ladevorgang ein Stromabnehmer aus der Ladestation herab, zwei Stromschienen auf dem Dach des Busses nehmen den Ladestrom auf. Der Ladevorgang ist absolut sicher, der Fahrer muss das Fahrzeug dabei nicht verlassen.

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Peter Gerber aus Menden (Sauerland) | 24.04.2015 | 09:47  
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 24.04.2015 | 09:48  
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Peter Gerber aus Menden (Sauerland) | 24.04.2015 | 13:20  
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