Spurensuche: Das erste Düsseldorfer Stadtgefängnis

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Gedenkplakette für den Gefängnisgeistlichen "Pastor Jääsch".
Düsseldorf: Filmmuseum |

Wenn Besucher das Filmmuseum an der Schulstraße durch die Reste eines alten Tores betreten, dann stehen sie eigentlich schon mit einem Bein im Knast. Denn bei den Mauern handelt es sich um das ehemalige Gefängnistor des ersten Düsseldorfer Stadtgefängnisses.

Anlässlich des 120-jährigen Bestehens lud der Katholische Gefängnisverein Düsseldorf e.V. am 18. Oktober zu einem Pressetermin am ehemaligen Gefängnistor. Vom ehemaligen „Kriminalgefängnis“ sind nur die Torpfosten der Einfahrt stehen geblieben, die düsteren Mauern hat der Zweite Weltkrieg zerstört. Es gab dieses Gefängnis bereits um 1780. Der Bau ähnelte dem Hetjensmuseum, allerdings hatte das Haus weniger Fenster. „Das Wort Knast kommt aus dem Jiddischen und bedeutet Strafe“, erläutert mir Seelsorger Pfarrer Reiner Spiegel, 1. Geschäftsführer des Vereins. Und eine harte, unmenschliche Strafe war es beileibe, zur damaligen Zeit im Knast einzusitzen. 1820 war es noch üblich, Gefangene bis zu 50 Personen, Kinder, Frauen und Männer, in einen Raum zu sperren, ohne Beschäftigung. Im Gefängnis wimmelte es von Ratten. „Man kann sich vorstellen, dass jemand, der dort hinein kam, schnell krank wurde und den Ort nur tot wieder verließ“, sagt Spiegel.

Die Ursprünge des Gefängnisvereins gehen bis in diese Zeit zurück. Der katholische Anstaltsgeistliche Friedrich Eduard Gerst (bekannt als Düsseldorfer Original „Pastor Jääsch) und der evangelische Pfarrer Theodor Fliedner bildeten 1826 mit drei Staatsanwälten die interkonfessionelle „Rheinisch-Westfälische Gefängnisgesellschaft“. Auch ein Frauenverein „zur Hebung des Strafvollzugs unter den Weiblichen“ gründete sich. Ein erster Erfolg war die Trennung von Männern und Frauen im Gefängnis und die Einführung von Einzelzellen. Das gute ökumenische Miteinander in den ersten Jahrzehnten ließen den Gedanken an einen eigenen katholischen Hilfsverein gar nicht erst aufkommen. Der Kulturkampf nach 1870 führte dann 1893 mit der Eröffnung der Justizvollzuganstalt auf der „Ulmer Höh“ in Derendorf zur Gründung eines eigenen katholischen Vereins. Der Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA) öffnete 2012 an der Oberhausener Straße in Ratingen auf einem Grundstück direkt an der Stadtgrenze zu Düsseldorf.

Heute betreuen die Gefangenen zwei hauptamtliche Mitarbeiter und zwei Seelsorger, sowie weitere 60 ehrenamtliche Betreuer im Alter von 20 bis Anfang 80. Einige von ihnen machen das schon seit 15 Jahren. Sie sind eine willkommene Unterstützung für die Bewährungshelfer. Im Gefängnis selbst werden neben der seelsorgerischen und psycho-sozialen Betreuung verschiedene Gruppenveranstaltungen wie Kirchenchor, Theatergruppe, Schachgruppe oder Kochkurse angeboten. Seit 1975 wird das „Ulmer Echo“ als unzensierte Gefangenenzeitung herausgegeben. Über 1000 Leser außerhalb der Mauern hat das Magazin, das in der Regel vier Mal im Jahr erscheint. Herausgeber ist der Gefängnisseelsorger Dominikanerpater Wolfgang Sieffert. Zwei Gefangene werden als Redakteure von der Anstalt bezahlt. Auch eine eigene Internetseite unter www.ulmerecho.de mit Ratgeber-Broschüren gibt es. Hilfreiche Handreichungen sind die Broschüren „Informationen für Haftentlassene“ und „Informationen für Angehörige von Inhaftierten“. Der Verein hat einen eigenen Fonds, um Angehörige zu unterstützen, die selbst nicht die Fahrtkosten zur JVA aufbringen können. „Dennoch ist die Hemmschwelle, sich an uns zu wenden, sehr hoch“, sagt Spiegel. „Die Peinlichkeit, sich als bedürftig zu outen, ist groß.“ Geld- oder Sachspenden sind immer willkommen, helfen kann man auch durch Vermietung oder Beschaffung von Zimmern/Wohnungen oder durch die Vermittlung eines Arbeitsplatzes.

weitere Infos unter www.gefaengnisverein.de.
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