Spurensuche mit Raymund Hinkel: Der alte Hafen

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Früher war die Schifffahrt auf die Windkraft angewiesen. Wenn der Wind ordentlich pustete, blähten sich die Segel und trieben das Schiff voran.

Der alte Hafen ist tatsächlich weder Hafen noch in dieser Form alt. Das Becken ohne Verbindung zum Rhein liegt an der Stelle des ehemaligen Sicherheitshafens zwischen Zitadelle und Stadtbefestigung. Bei Hochwasser oder Eisgang konnten hier die Schiffe sicher vor Anker gehen.

Der eigentliche Hafen lag am Rheinufer, der heutigen Rheinwerft. Hier landeten die Schiffe am Ufer an und wurden entladen. Da es damals noch keine Uferbefestigung gab, drängte der Rhein bei Hochwasser immer wieder in die Altstadt. An der Gaststätte „En de Canon“ können wir am Türrahmen alte Hochwasserstände ablesen. Den Sicherheitshafen ließ Kurfürst Jan Wellem anlegen. Als unter Napoleon ein neuer Sicherheitshafen an der Kunstakademie entstand, heute ist dort die Rampe der Oberkasseler Brücke, schüttete man das alte Hafenbecken 1831 zu und bebaute die Fläche. Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, machte man aus der Fläche in den 1960er-Jahren einen großen Parkplatz.

Anton Tripp sprang in die Baugrube

1985 entdeckte man bei Tiefbauarbeiten die alten Hafenmauern, Teile der Zitadelle und auch Teile des Berger Tores. Einen Teil der Hafen-Bastionsmauern hatte man da schon abgeräumt und als Untergrund für den Straßenbau zur Autobahn bei Hilden-Süd gefahren. Nur dem Stadthistoriker Anton Tripp ist es zu verdanken, dass die Bauarbeiten stoppten. Er sprang in die sechs Meter tiefe Baugrube und verlangte nach den Bauleitern und dem Unternehmer. Nach öffentlichen Protesten unterbrach man zunächst die Bauarbeiten und überdachte die Planungen.

So entstand nach dem alten Grundriss das alte Hafenbecken wieder neu. Direkt nebenan fängt hier (auf dem Foto links) "die längste Theke der Welt" an, die Düsseldorfer Altstadt. Auf der anderen Seite des Hafenbeckens stehen das Düsseldorfer Filmmuseum und das Hetjens-Museum. Unter dem Becken befindet sich die Tiefgarage Altstadt, die nur durch den Rheinufertunnel zu erreichen ist. Das Schiff ist ein 15 Meter langer Aalschokker, der 1996 als Dekoration im Hafenbecken „vor Anker ging“. In der frühen Schifffahrt setzt man noch nicht auf Dampfkraft, sondern war auf den Wind angewiesen. Flussauf spannte man das Segel auf, stakte oder treidelte. Beim „Treideln“ waren die Schiffe über Seile mit Pferden am Ufer verbunden, welche die Fracht rheinaufwärts zogen. Manchmal zogen Gespanne einen ganzen Schiffsverband. In Kaiserswerth steht am „Leinpfad“ (von Leine) noch ein altes Treidelhaus, das Haus Werth. Hier konnten die Treidelleute Rast machen und die Pferde wechseln.

Viel zu sehen ist vom ehemaligen Stadttor „Berger Tor“ ja nicht mehr. Genau genommen handelt es sich aber um zwei Tore. Die alte Pforte fiel bei der Verstärkung der Befestigung um das Jahr 1620. Als Ersatz errichtete man am anderen Ende der Citadellstraße ein neues Berger Tor. Weil dieses der Stadterweiterung im Wege stand, brach man es 1895 ab. Heute erinnern Markierungen im Pflaster vor dem Stadtmuseum an das niedergelegte Stadttor. Die Mauerreste am Alten Hafen weisen auf den Standort des älteren Tores hin.

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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 06.10.2013 | 18:13  
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