Stolpersteine mahnen still

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Düsseldorf. 70 Jahre ist es her, dass das Konzentrationslager Ausschwitz befreit wurde. Landesweit finden Mahn- und Gedenkveranstaltungen gegen das Vergessen statt.
Eine stille Form der Erinnerung stellen die unter anderem in Düsseldorf verlegten „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig dar. Diese erinnern an Männer, Frauen und Kinder, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort nennen Messingtafeln im Gehsteig den Namen, den Geburtsjahrgang, den Todesort und das Todesdatum der jeweiligen Person.
Mittlerweile liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.
Am 27. Mai 2003 wurden die ersten Stolpersteine in Düsseldorf verlegt. Ein Initiativkreis im Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte plante und realisierte bis März 2010 die Verlegung von insgesamt 230 Stolpersteinen im gesamten Stadtgebiet. 2012 bis 2014 wurden weitere Steine verlegt, 2015 folgen weitere. Die Stolpersteinsteine wurden von Bürgern gestiftet, die nur in wenigen Fällen eine persönliche Beziehung zu den vormaligen Bewohnern ihres Hauses oder ihrer Straße hatten.

Stolpersteine verzeichnen individuelle Lebensgeschichte

Hinter den kurzen Daten der Stolpersteine verbergen sich individuelle Lebensgeschichten, die von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf für alle in Düsseldorf, Erkrath, Langenfeld, Mettmann, Monheim und Ratingen verlegten Stolpersteine in aufwändiger Weise recherchiert wurden.
Seit August 2014 bietet die Mahn- und Gedenkstätte Führungen zu ausgewählten „Stolpersteinen“ in Düsseldorf an, die in einem etwa 90-minütigen Rundgang gut zu erreichen sind. Diese Führungen werden auch in Zukunft regelmäßig stattfinden.
Die Teilnahme an den Führungen ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist auf maximal 20 Personen begrenzt. Die Rundgänge finden jeweils sonntags statt, weitere Informationen und Anmeldungen sind unter Telefon 89 96205 oder per E-Mail an nicole.merten@duesseldorf.de möglich.
Noch bis zum 6. März ist überdies die Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ über kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus in der Wandelhalle des Landtags NRW zu sehen.

Zwangssterilisationen und Massenmord

Kranke und behinderte Menschen galten im Nationalsozialismus als „Belastung“ für die deutsche „Volksgemeinschaft“. Bis zu 400 000 Menschen wurden ab 1934 gegen ihren Willen sterilisiert, mehr als 200 000 Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten ermordet. Dies geschah inmitten der deutschen Gesellschaft, verantwortet von Psychiatern, Neurologen, Kinder- und anderen Fachärzten, von Verwaltungsfachleuten und Pflegekräften. Die Ausstellung erzählt die Geschichte von Ausgrenzung, Zwangssterilisationen und Massenmord, beschäftigt sich mit Opfern, Tätern, Tatbeteiligten und Opponenten und fragt schließlich nach der Auseinandersetzung mit den Geschehnissen von 1945 bis heute.
Zugänglich ist die Ausstellung für Einzelbesucher bis zum 6. März 2015, von montags bis freitags, 9 bis 18 Uhr, nach Voranmeldung unter Telefon 884 2129 oder per E-Mail an veranstaltungen@landtag.nrw.de.
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