Theateraufführung an diesem Mittwoch, 17.2.: Eintritt frei!

Anzeige
  Düsseldorf: Heinrich-Heine-Universität |

In Hamlets Psyche tobt der Wahnsinn!
„Sein oder Nicht-Sein – das ist hier die Frage!“ Die Theatergruppe „Die Chemiker“ zeigt ihre sechste Produktion – William Shakespeares „Hamlet“ in einer auch für Nicht-Shakespeare-Kenner verständlichen Fassung von Matthias Hahn. In der Inszenierung von Nina Lange tragen die Figuren Gothic- und Steampunk-Kostüme, Männer-Rollen werden von Frauen gespielt.

Wem ist es nicht schon einmal so ergangen, immer wieder denselben Fehler gemacht zu haben und infolgedessen an den gleichen Punkt zurückgekehrt zu sein. Den Figuren in Nina Langes Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“ widerfährt genau dies. Obwohl ihnen durchaus die Möglichkeit gegeben wäre, anders zu handeln, lassen sie sich von ihren Emotionen leiten und durchleben ihre Taten immer wieder. Handlungsort ist eine Art Fegefeuer, die Sphäre zwischen Leben und Tod, zwischen Himmel und Hölle, in der drei Engel als Moderatoren des Abends auftreten und das Drama beginnen lassen:
Hamlet, Prinz von Dänemark, will sich an seinem Onkel Claudius für die Ermordung seines Vaters, dem alten König Hamlet, rächen und spielt dafür den Wahnsinnigen. Sein zwielichtiger Studienfreund Güldenkranz (die Rollen von Rosenkranz und Güldenstern wurden zusammengelegt) wird von Claudius beauftragt, den Grund für Hamlets seltsames Verhalten herauszufinden. Claudius hat inzwischen nicht nur den Thron bestiegen, sondern auch des Königs raffsüchtige und durchtriebene Witwe Gertrude zur Frau genommen. Mit Hilfe eines Theaterstücks scheint es Hamlet zusammen mit seinem Freund Horatio zu gelingen, ihn als Mörder zu entlarven. Aufgrund einer Verwechslung tötet Hamlet jedoch den treuen Kanzler Polonius, was dessen Tochter und Hamlets naive Geliebte Ophelia zunächst in den Wahnsinn, dann in den Selbstmord (?) treibt. Ihr aufbrausender Bruder Laertes schwört auf Rache und fordert den Prinzen zu einem Fechtduell heraus.

Angst und Rache – das Stück ist ein Abbild von Hamlets Gefühlsleben

Viele namhafte Regisseure haben „Hamlet“ inszeniert, allen voran Johann Wolfgang von Goethe. Nach den Verbrechen des 2.Weltkrieges wird Hamlets Verhalten vor allem als eine Suche nach Wahrheit interpretiert. Für Regisseurin Nina Lange hingegen stehen Rachegefühle, Gier und Liebe als zentrale Motive im Vordergrund: „Wenn es eine Aussage gibt, dann die, dass sich die Ereignisse zu jeder Zeit an jedem Ort wiederholen können. Es sind weder politische noch sozialgesellschaftliche oder ökonomische Faktoren, welche die Charaktere in ihrem Handeln vorantreiben, sondern rein menschliche Motive.“
Dabei bleiben die Motive einer Rolle während des Stücks nicht gleich. „Am Anfang ist es wohl am meisten die Angst vor dem Geist seines Vaters, die Hamlet antreibt“, beurteilt Juliane Sattler ihre Rolle, „die Enttäuschungen, dass aus seiner Sicht weder Güldenkranz noch seine Mutter auf seiner Seite stehen, die Wut auf Claudius und der gespielte Wahnsinn lassen ihn aber immer mehr in dem Rachegedanken aufgehen.“ Hamlet wird vom Opfer zum Täter und legt psychopathische Züge an den Tag. Dabei bleibt unklar, ob Claudius tatsächlich der Mörder seines Vaters ist.
„Die Welt, die wir auf der Bühne erschaffen wollen, ist ein Spiegel von Hamlets Innerem“, erklärt Nina Lange, „die vorwiegend dunklen Töne der Kostüme und Requisiten zeugen von seinen negativen Gefühlen. Was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist die Welt in Hamlets Augen.“ Aufgrund dieser Perspektive auf das Stück dienten Elemente der Gothic- und
Steampunk-Szene als Inspiration für Andrea Freitag, Leiterin für Kostüm und Requisite, und Irene Malinowski, Leiterin fürs Make-up. Steampunk ist ein Kunstgenre, welches futuristische, technische Funktionen mit Materialien des viktorianischen Zeitalters im 19.Jahrhundert verbindet. Im Stück kennzeichnet der Stil zum Beispiel die fortschrittliche Denkweise der Kanzlerfamilie um Polonius, dessen Sohn Laertes sich im Original-Hamlet einer Truppe Revolutionäre anschließt, die den dänischen König stürzen wollen.
Und noch eine Besonderheit hat die Inszenierung zu bieten: Während in der Zeit von Shakespeare alle Rollen von Männern gespielt werden mussten, wurden in der Darbietung der Chemiker Hamlet, Horatio und Laertes mit Frauen besetzt.

Verständliche Sprache

Auf der sprachlichen Ebene ist das Stück der heutigen Zeit angepasst, was dazu führt, dass auch Nicht-Shakespeare-Kenner die Dialoge verstehen werden. Um jedoch die Poetik Shakespeares nicht außer Acht zu lassen, wurden manche Stellen aus dem Original übernommen. „Wir haben das Stück so aufbereitet, wie wir glauben, dass junge Leute es mögen“, so Juliane Sattler, „jetzt hoffen wir, dass der Spaß, den wir beim Spielen haben, sich auch auf die Zuschauer überträgt.“
Wer sich vom Stück überzeugen lassen will, hat dazu die LETZTE CHANCE an diesem Mittwoch, 17.2., um 19:30 Uhr in Hörsaal 3D, Gebäude 23.01 (siehe Wegbeschreibung unter Bilder). Der Eintritt ist frei.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.