Big Mother is watching you

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Das Klingeln der Pausenklocke bedeutete für Frau Schefenhofer dass gleich die Hölle über sie herein brechen würde, genauer gesagt die Klasse 3a. Ursula Schefenhofer war eine sehr trübe und traurige Frau, da sie die Klasse 3a über die Jahre regelrecht in den Wahnsinn getrieben hatte. Beispielsweise litt sie unter Verfolgungswahn und hatte schon einige male versucht sich das Leben zu nhemen. Das hatte sie zwar nicht umgebracht, sie allerdings um eine Erfahrung reicher gemacht. Nämlich um die, dass wenn man sich auf die Hauptstraße legt man nicht überfahren aber von der Polizei verhaftet wird. Frau Schefenhofer saß noch einige Minuten nach dem Klingeln im Lehrerzimmer und trank Kaffee wobei sie hoffte das niemand,der anderen Lehrer, sie entdecken und fragen würde warum sie noch nicht bei ihren Schülern wäre. Genau das passierte auch und Ursula musste schweren Herzens in Richtung ihres Untergangs gehen. Als sie die Tür öffnete saßen ihre Schüler bereits im Klassenzimmer, wie sie dort hinein gekommen waren wollte sie gar nicht wissen. Sie legte ihre Tasche ab und setzte sich an das Lehrerpult. Eigentlich war es wie jeden Morgen, Paul schlug Tim, Nils Kopf war nass und mindestens drei Papierflieger segelten durch die Luft. Und wie jeden Tag hielt sie Unterricht für niemanden und versuchte dabei gegen eine Wand aus Lärm zu reden. Nach einer halben Stunde gab sie endgültig auf.Sie setzte sich an ihr Pult und holte einen Flachmann heraus aus dem sie einen kräftigen Schluck nahm. Es war noch ein guter Tag gewesen denn der letzte Dienstag hatte damit geendet das David einen Zahn verloren hatte und wegen einer schweren Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingewiesen werden musste. Die restliche Zeit verbrachte Frau Schefenhofer damit den Wetterbericht zu lesen und ab und zu einen Schluck aus ihrem Flachmann zu nehmen. Zwar erlöste sie das Klingeln der Pausenglocke jedoch stand der Elternabend an, in dem sie den noch anstehenden Ausflug in den Zoo besprechen mussten. Nach der fünfte und letzten Stunde, ihrer Lieblingsstunde, blieb sie noch im Klassenzimmer um auf die Eltern zu warten. Das war unüblich da sie eigentlich die erste war die immer aus dem Klassenzimmer stürmte, sogar noch vor den Schülern.


Sie musste eine Stunde warten bis die Eltern sich vor dem Klassenzimmer versammelt hatten und sie sie hereinlassen konnte. Als alle ihren Platz gefunden hatten stellte sie sich vorn hin und fing an zu sprechen. Zum allerersten Mal herrschte in ihrem Klassenzimmer Ruhe: ,,Also“,sagte sie ,,wie sie alle wissen steht ein Ausflug in den Zoo an.“ Kaum hatte sie das gesagt wurde sie schon unterbrochen. Eine Mann im Anzug in der Ecke fiel ihr ins Wort: ,,Ja, sind den Handys auf dem Ausflug erlaubt?“ ,,Nein sind sie,wie immer, nicht“ antwortete Frau Schefenhofer ,,Wozu sollten die Schüler die den brauchen?“ ,,Naja“ sagte eine Mutter ,,Was ist wenn etwas passiert?“ ,,Aber ich bin doch dabei.“ ,,Ja, aber sehen sie mal“ Sie holte ihr iPhone heraus ,,Hier sehen sie damit kann ich mein Kind jederzeit orten.“ Das musste Ursula erst mal verdauen. ,,Moment sie haben ihre Kinder gechipt“ fragte sie entsetzt. ,,Nein um Gottes willen“ kreischte eine andere Mutter ,,wir orten lediglich ihre Smartphones.“ ,,Okay, und was denken sie könnte passieren.“ ,,Naja was ist wenn sie in das Gorilla Gehege fallen oder, das habe ich zum Beispiel gehört, dass der Zoowärter ein Perverser ist.“ ,, Ja, nein ich bezweifel sehr stark das ihre Kinder von perversen Gorillas angefasst oder entführt werden. Aber wer ortet seine Kinder in dieser Klasse.“ Die Finger aller Eltern schossen in die Luft und Frau Schefenhofer war sich todsicher das die Eltern auch noch stolz darauf waren. ,,O.K ,“Sie setzte sich ,,Also an den Regeln kann ich nichts ändern, deshalb sind Handys nach wie vor nicht erlaubt.“ Die vor ihr sitzenden Eltern funkelten sie böse an und das erstaunlicherweise für den gesamten restlichen Abend, denn Frau Schefenhofer hatte noch nie erlebt wie eine Gruppe Menschen solange beleidigt sein konnte. Es wäre ihr letzten Endes lieber gewesen ihre unmögliche Klasse unterrichtet zu haben als weiterhin zu versuchen mit diesen sie offenbar hasserfüllten Eltern zu kommunizieren. Endlich war der Elternabend vorbei und sie ging mit schnellem Schritt zu ihrem Wagen. Als sie an den flüsternden Eltern vorbei zog hörte sie eine der Mütter: ,,Diese inkompetente Lehrerin“, zischen.

Am nächstem Tag ging es in den Zoo, Der Bus fuhr an und bevor die Kinder heraus stürmen konnten fing Frau Schefenhofer alle ab und kassierte die Handys ein worüber sich die Schüler natürlich aufregten. Jedoch merkte die Lehrerin, dass die Kinder erstaunlich entspannter waren als sie den Bus verließen. Im Großen und Ganzen war es ein guter Tag, Paul wollte ein Alpaka streicheln und wurde fasst gebissen Tim wurde von einem Lama angespuckt und David wurde vom Zoowärter eingeladen einen Geheimraum zu sehen was Frau Schefenhofer gerade noch rechtzeitig unterbinden konnte. Auf dem Rückweg bekamen alle ihre Handys wieder zurück, als eine der Schülerinnen zu ihrer Freundin sagte: ,,Endlich haben unsere Eltern einmal nicht gesehen wo wir sind“ Dieser einfache Satz reichte aus um ein Lächeln auf Frau Schefenhofers, sonst so trübes Gesicht zu zaubern.

Giorgos Carty, 13 Jahre
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Martina Janßen aus Hattingen | 07.11.2015 | 23:13  
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