Bildung geht alle etwas an: Sönke Wortmann über seine neue Komödie „Frau Müller muss weg" und seine Wahlheimat Düsseldorf

Anzeige
Kurz vor der Premiere seiner neuen Komödie „Frau Müller muss weg“ (Kinostart: 15. Januar) sprach Regisseur Sönke Wortmann mit Rhein-Bote Redakteurin Kirstin Engelbracht im CineStar – Filmpalast Düsseldorf in Oberkassel. (Foto: Maria Wedel)
 
(Foto: Maria Wedel)
Düsseldorf: CineStar Filmpalast Düsseldorf |

„Kleine Haie“, „Das Wunder von Bern“, „Der bewegte Mann“, „Deutschland – ein Sommermärchen“ oder „Die Päbstin“: Diese und viele andere Filmklassiker zählen zu Sönke Wortmanns größten Publikumserfolgen und lockten Millionen Zuschauer in die Kinos. Und ob Komödie, Dokumentation, Theaterinszenierung, Historiendrama oder Werbespot – der Regisseur und Produzent aus Düsseldorf liebt die Vielfalt.

Am Donnerstag feierte nun Sönke Wortmanns Schulkomödie „Frau Müller muss weg“ Premiere in deutschen Kinosälen. Bei einem Elternabend, er aus dem Ruder gerät, dreht es sich um Burn-out, ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), taffe Karrierefrauen, Mobbing und die Tücken des Schulsystems. Zudem hält Wortmann den so genannten „Helikoper-Eltern“, die ihre Sprösslinge schon in frühester Kindheit mit einem Übermaß an Fürsorge gepaart mit Leistungsdruck aussetzen, einen Spiegel vor.

Unmittelbar vor der Premiere im CineStar – Filmpalast Düsseldorf in Oberkassel hatte der Rhein-Bote die Möglichkeit, mit Sönke Wortmann persönlich zu sprechen.

Rhein-Bote: Herr Wortmann, Sie selbst sind dreifacher Familienvater. Haben Sie selbst „schräge“ Erfahrungen auf Elternabenden gesammelt?

Sönke Wortmann:Wir können von Glück reden, dass unsere Kinder an einer Schule mit sehr vernünftigen Eltern untergebracht sind. Neben Schulausflügen und Essen gibt es nicht viel Aufregendes zu diskutieren. Soweit es zeitlich passt, gehen meine Frau und ich gemeinsam zu den Elternabenden. (Er lacht). Ich drücke mich nicht. Die Schauspieler in ,Frau Müller muss weg' verkörpern hingegen wirklich schreckliche Eltern, die viel Druck an der Schule machen. Generell sollten Erziehungsberechtigte lernen, etwas ,cooler' und lockerer zu sein.

Wie sehen Sie unser Bildungssystem generell – können Kinder heutzutage überhaupt noch Kind sein?

Das Thema ist ein abendfüllendes Programm. Aber soviel: Meiner Meinung nach war es keine gute Idee, an deutschen Schulen die G8-Reform umzusetzen und die Schulzeit am Gymnasium von neun auf acht Jahre zu verkürzen. Darunter leiden nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer, weil zu viel Lernstoff in zu kurzer Zeit eingetrichtert wird. Zudem sollte die Allgemeinbildung stärker in den Fokus gerückt werden.

Bereits 2012 haben Sie ,Frau Müller muss weg' für das Berliner Grips-Theater inszeniert. Warum haben Sie sich entschlossen, das Stück nun auch ins Kino zu bringen?

Die Themen Bildung und Schule gehen jeden etwas an. Und nach den Aufführungen des bitterbösen Kammerspiels in der Hauptstadt lag es quasi auf der Hand, das Stück auch auf die Leinwand zu bringen, denn im Film erreicht man natürlich viel mehr Leute. Mit der Besetzung, unter sind Anke Engelke, Ken Duken oder Gabriela Maria Schmeide als Frau Müller zu sehen, bin ich äußerst zufrieden – sie verkörpern ihre Rolle perfekt.

Sie sind in Marl geboren und wohnen bereits seit vielen Jahren in Düsseldorf. Was hat Sie in die Landeshauptstadt verschlagen?

Die Liebe. Meine Frau ist hier geboren. Es fiel mir auch überhaupt nicht schwer, hierhin zu ziehen, denn ich mochte Düsseldorf schon immer gerne. Die Stadt ist schön und hat alles, was ich brauche – Kultur, einen Fluss, einen Flughafen, von dem ich schnell von A nach B komme, und einen Fußballverein, zu dem ich gerne gehe.

Wo trifft man Sie in der Stadt?

Alles verrate ich natürlich nicht – aber des Öfteren trifft man mich im Schauspielhaus oder im Kino.

Nach dem Abitur wollten Sie ursprünglich Fußballprofi werden. Wie kamen sie zu Ihrem heutigen Beruf?

Fußballer werden wollen viele Jungs im Alter zwischen sechs und 16 Jahren. Aber über die dritthöchste Spielklasse bin ich nie hinausgekommen und habe meine Grenzen gesehen. Ich habe meine Sportkarriere letztendlich zu Gunsten eines Regiestudiums in München beendet. Seitdem bin ich auf einer guten Spur und hatte beruflich viel Glück. Ich mache meinen Job wirklich gerne.

Sie haben viel erreicht und wurden mehrfach ausgezeichnet – unter anderem zweimalig mit dem Bambi, dem Adolf-Grimme-Preis oder dem Deutschen Filmpreis. Was wollen Sie noch erreichen?

Natürlich wünsche ich mir, dass ,Frau Müller muss weg' auch im Kino erfolgreich wird und ich auch in Zukunft Filme machen kann – und diese auch finanziert bekomme. Mal lustig, mal dramatisch: Die Vielfalt und die diversen Genres reizen mich und gefallen mir besonders an meinem Beruf.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hintergrund:


- Sönke Wortmann wurde 1959 in Marl geboren.
- Der dreifache Familienvater ist mit der ehemaligen Schauspielerin Cecilia Kunz verheiratet und wohnt bereits viele Jahre in Düsseldorf.
- Er ist deutscher Regisseur, Produzent und Ex-Fußballspieler.
- „Kleine Haie“, „Das Wunder von Bern“, „Der bewegte Mann“, „Deutschland – ein Sommermärchen“ oder „Die Päbstin“ zählen zu seinen größten Publikumserfolgen
und lockten Millionen Zuschauer in die Kinos.
- Ob Komödie, Dokumentation, Theaterinszenierung, Historiendrama oder Werbespot – Wortmann liebt die Vielfalt.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.