Düsseldorfer Komponist Leonhard: Sounds aus dem Untergrund

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Verbringt seine freie Zeit am Rhein oder im Volksgarten und bezieht die Inspiration für seine elektronischen und tiefenentspannten Klänge häufig aus der Natur: Lars Leonhard mit seinem aktuellen Album „Passenger at night“ am Zeitfeld. Foto: Ingo Lammert
Inspiration findet der Düsseldorfer Musiker und Komponist Lars Leonhard überwiegend in der Natur. Aber auch Alltagsklänge können den Elektronikmusiker zur Komposition neuer Stücke bewegen. Seine aktuelle Platte befasst sich mit dem Reisen in Nachtzügen.

Es ist sein nunmehr drittes Langspielalbum, das in diesen Tagen mit dem Titel „Passenger at night“ bei BineMusic erschien, und der Titel nimmt vorweg, woher der Düsseldorfer Musiker und Komponist Lars Leonhard seine Idee für dieses Album nahm: „Ich war damals mit dem Nachtzug auf dem Weg nach Bozen“, erklärt der 41-Jährige, „und die Klänge in diesem nächtlichen Zug haben mich sehr fasziniert.“
Überhaupt ist Leonhard häufig von Klängen fasziniert, Klänge, die andere vielleicht nicht einmal wahrnehmen würden. So schwärmt er zum Beispiel vom Schließgeräusch der Aufzugtüren des Lifts aus den 1970ern, der ihn täglich in seine Wohnung trägt, von den Naturgeräuschen um ihn herum erst recht.
Hauptberuflich arbeitet Leonhard im botanischen Garten der Universität Düsseldorf, dort ist er für die Vegetation des großen Kuppelgewächshauses zuständig. „Die Natur“, erzählt der Elektronikmusiker, „ist für mich immer wieder die Inspirationsquelle Nummer eins“. Unzählige Stunden verbringt er daher am Rheinbogen in Volmerswerth, aber auch im Volksgarten, beobachtet die Vegetation und die Tierwelt.

Fieldrecordings als Basis der Kompositionen

Ob in der freien Natur oder in Nachtzügen auf dem Weg in den Urlaub – seit einigen Jahren beschäftigt sich Leonhard mit „Fieldrecordings“, mit der Aufnahme der ihn umgebenen Klänge und Geräusche, die ihn stets zu neuen Kompositionen anregen. Häufig trägt er daher sein digitales Aufnahmegerät mit sich, zeichnet alle Sounds auf, die ihn ansprechen und faszinieren.
Der eigentlliche Kompositionsprozess an Rechner und Synthesizern geschieht intuitiv: „Ich höre mir die digitalisierten Aufzeichnungen an, probiere dann die Klänge mit eigenen Melodien und Rhythmen zu kombinieren“, erklärt der Komponist seine musikalischen Kreationen.
Gleichzeitig versuche er mit seinen selbst erzeugten Klängen auch immer Verstärker der Natursounds zu sein. „So werden die natürlichen Klänge einerseits in meine Musik integriert, andererseits zudem herausgehoben und ganz besonders betont.“

Nachfahrten und intime musikalische Momente

Seine Musik lädt zum Zurücklehnen ein, zum Augenschließen, zum Entspannen. Die sanfte, ausgeklügelte und doch treibende Rhythmik sowie die warmen Klangflächen und wohltuende Harmonie vieler Tracks seiner aktuellen Platte ist bestens geeignet für Nachtfahrten und für intime musikalische Momente mit Kopfhörer im heimischen Sessel.
Dass Leonhard mittlerweile eine große Fangemeinde weltweit hat, ist nicht zuletzt einer geheimnisvollen E-Mail aus den USA zu verdanken: Hin und wieder stellte Leonhard eigen produzierte Videos, die mit seiner entspannten und harmonischen Musik unterlegt waren, ins Internet. Bis er eines Abends die E-Mail eines gewissen Scott erhielt. Dieser fragte an, ob er die Musik des Düsseldorfers für weitere Videoprojekte verwenden dürfe. Scott, so stellte sich heraus, ist Mitarbeiter der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, und diese ist von der Musik des Düsseldorfers derart begeistert, dass sie mittlerweile die sechste Komposition bei ihm in Auftrag gegeben hat.

Videos erreichen millionenfache Klicks

Die Filme über Sonnenerruptionen und weit entfernte Galaxien erreichen nun im Internet auf der Homepage der NASA und auf anderen Videoplattformen millionenfache Klickzahlen. Dennoch: Leonhard weiß, dass er Musik nicht für den großen Markt, sondern eher für Liebhaber schreibt. „Ich gebe mir große Mühe, ein Undergroundmusiker zu bleiben“, schmunzelt der Düsseldorfer mit Blick auf die Verkaufszahlen des Pop- und Rockgenre. Dass es ihm nicht um die großen Verkaufszahlen, sondern um die Liebe zur Musik geht, wird deutlich, wenn er über seinen Kompositionsansatz spricht: „Ich lebe stets im Rhythmus der Natur, erlebe das Kommen und Gehen der verschiedenen Jahreszeiten und Beobachte stets den Wandel, der mich umgibt. Daraus schöpfe ich meine Ideen, die zu neuen Platten werden.“ Einem Veröffentlichungsdruck unterliegt Leonhard dabei nicht – „Hauptsache, die der Platte zugrunde liegende Idee kommt beim Hören rüber“, sagt Leonhard. Dann ist es auch egal, ob einen die Musik ins Orbit trägt oder in einen Nachtzug nach Italien.
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