Düsselhexen fordern Rehabilitation für zwei ermordete Frauen,"Hexen" aus Düsseldorf

Düsselhexe Andy engagiert sich für die Rehabilitierung der "Hexen"
 
Bürger und Touristen warten am 30.4. auf die Düsselhexen

Düsseldorf: Andreas Vogt | Antrag an den Stadtrat der Stadt Düsseldorf


Die mittelalterlichen "Hexenurteile" müssen zurück genommen werden

Antrag der Düsselhexen und Andreas Vogt, Holthausen

Bald ist wieder Walpurgisnacht - die Düsselhexen ziehen in den Harz, bitten aber vorab den Stadtrat Düsseldorf um Rehabilitierung von zwei in 1738 verbrannten "Hexen", bzw. unschuldigen Frauen, in D-dorf-Gerresheim

Bald ist wieder die Walpurgisnacht. Die Nacht vom 30.April auf den 1.Mai, wird vor allem in der Harzer Region ausgiebig gefeiert. Überall kostümieren sich kleine und große Menschen als Hexen, Teufel und andere Phantasie/Gruselgestalten, ziehen durch die Städte, tanzen um Feuer, auf den Brocken, in die kleine Ortschaft Schierke, zum dortigen Hexentanzplatz am Brocken, dem Blocksberg der Hexen.

So auch der Freundeskreis der Düsselhexen, welche seit den 90ern mit Groß und Klein die Stadt Wernigerode und den Brocken unsicher macht. Dabei fing wie alles einmal ganz klein an. Heute bringt es die Gruppe auf über 100 TeilnehmerInnen. Diese setzen sich aber auch aus Menschen aus ganz Deutschland zusammen, nicht nur aus Düsseldorf. "Nur einen Kölner haben wir noch nicht dabei. Das wundert uns, da diese doch auch gern jeck sind", so Andreas Vogt von den Düsselhexen.

Seit 2000 stürmt die bunte Schar am 30.4. um 13:30 Uhr das Rathaus von Wernigerode und läßt sich vom Oberbürgermeister begrüßen und milde stimmen. Schon Mittags warten Hunderte von Touristen auf die Ankunft der Düsselhexen.
"Im Vordergrund steht bei uns der Frohsinn, der Spaß am Verkleiden, Eigendynamik, Spontaneität ohne religiösen Hintergrund", sagt Andreas Vogt. "Irgendwie hat jeder seine Geschichte, wie er/sie in den Harz kam zum Walpurgisfeiern am Brocken".
Doch Spaß beiseite. Denn die Hexen können auch ernst sein. Sie sind geschichtsinteressiert und tragen Verantwortung.

Rüthens Stadtrat macht es am 31.03.2011 vor:

Auf Eingaben von Heimatforschern und Schülern des Friedrich Spee Gymnasiums rehabilitierte der Stadtrat der Stadt Rüthen einstimmig am 31.03.2011 die in Rüthen und Umgebung verurteilten, ermordeten Hexen. Eine sinnvolle, öffentliche Rehabilitierung im Sinne : Nicht Schuldig ! Ähnliche, öffentliche Aktionen fanden in anderen Städten in Hessen , zB.: Kelheim, statt.

Die Düsseldorfer Abordnung der Düsselhexen schaute nach Düsseldorf , bzw. nach ähnlichen Beispielen und siehe da, der letzte große Hexenprozess am Niederrhein, fand am 19.08. 1738 in Düsseldorf-Gerresheim , statt. Zwei Frauen wurden zu Unrecht auf bestialische Art und Weise ermordet. Bis heute gelten diese als schuldig. Der sog. "Hexenstein" in Düsseldorf Gerresheim, eingeweiht 1989, erinnert daran. Dabei waren es ja gar keine Hexen. Ihre offizielle Unschuld steht bis heute noch aus.

Helena Curtens ( damals 16 Jahre alt ) und Agnes Olmans wurden nach eineinhalbjähriger Haft, Folter, Verhören, am 19.8.1738 , in Düsseldorf-Gerresheim, verbrannt. Der letzte große Hexenprozess am Niederrhein fand in Düsseldorf statt.

Ein Denkmal in Gerresheim, der Hexenstein, erinnert an sie und sonst ? "Das sollte im Sinne der Stadtgeschichte geändert werden", meint Düsselhexe Vogt und flugs schrieb er eine Eingabe an den 1. Bürger der Stadt, den Oberbürgermeister Dirk Elbers und die Bezirksvertretung 07 und ihren Vorsitzenden Hanno Bremer. Die Antwort jeweils steht noch aus, hat noch Zeit, wäre aber schön, wenn diese bis Walpurgis 2011 bei den Düsselhexen einträfe. Düsseldorf sollte der Stadt Rüthen folgen und eine offizielle Erklärung formulieren.

"Auch im Harz werden wir uns am 30.04.2011 um 13:30 Uhr vor dem Wernigeröder Rathaus für die zu Unrecht verurteilten und getöteten 49 Menschen, verdächtigt und "überführt" als "Hexen" und "Zauberer "in Wernigerode einsetzen. Eine Eingabe an die Stadt Wernigerode und ihren Oberbürgermeister Peter Gaffert wurde bereits gestellt, eine Hexendemo ist in Planung, sowie eine Schweige/Gedenkminute für die Opfer".

Vogt:"Wir sind gespannt, wie schnell die Landeshauptstadt Düsseldorf reagiert und wir am 30.04.2011 im Harz noch einen Grund mehr zum Feiern haben. Die beiden am 19.8.1738 durch den Scheiterhaufen, bestialisch ermordeten Frauen,Helene Mechthildis Curtes und Agnes Olman , sollten endlich offiziell rehabilitiert werden. Der "Hexenstein" übernimmt diese Funktion der offiziellen Verkündung der Unschuld nicht, das sollte schon der Stadtrat entscheiden. Schließlich war es ein Düsseldorfer Gericht, welches das Todesurteil beschloss, verkündete und am Gerresheimer Galgenberg vollstreckte.

Düsseldorf würde mit dieser Erklärung des Stadtrates ein Zeichen setzen gegen Gewalt gegen Frauen, Minderheiten, Andersdenkende und Denunzianten.

Die Bezirksvertretung 07 hat bereits reagiert und wird das Thema nach Ostern behandeln. In der Westfalenpost erschienen heute zwei große Artikel, u.a. zu den Eingaben in Düsseldorf und anderen Städten.

Zur Walpurgsinacht im Harz:

"Übrigens ist die Walpurgisnacht im schönen Harz, die Fahrt mit der dampfenden Schmalspurbahn zum Brocken, jedem Düsseldorfer zu empfehlen. Mit Kostüm macht es aber sechsmal so viel Spaß und dieses Jahr fällt die Nacht der Nächte auf ein Wochenende", freut sich Vogt. "Die Geschichte der 300 jährigen Hexenverfolgung ist bedrückend und interessant. Dennoch verbinden wir Frohsinn und Freude damit, denn die auf dem Besen reitende Hexe ist heute ein Symbol für den Harz. Umso positiver wäre es, wenn diese Symbolik offiziell unschuldig gesprochen wird", erklärt Vogt und rührt die Flugsalbe an.

Infos zu den Düsselhexen: www.die-duesselhexen.de

Infos zum Düsseldorfer Hexenprozess:
http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlic...

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5 Kommentare zum Beitrag
3.105
Stanley Vitte aus Düsseldorf am 29.06.2011 um 15:26 Uhr  
628
Andreas Vogt aus Düsseldorf am 29.06.2011 um 15:47 Uhr  
628
Andreas Vogt aus Düsseldorf am 01.07.2011 um 22:40 Uhr  
3.105
Stanley Vitte aus Düsseldorf am 03.07.2011 um 17:04 Uhr  
628
Andreas Vogt aus Düsseldorf am 03.07.2011 um 19:40 Uhr  
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