Ei wie hirnrissig: 1 Million Klicks

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Foto: Marjana Kriznik
Eine Million Klicks bringen Ruhm und/oder Bares. Im günstigsten Fall. Im nicht so günstigen - wie bei einer neuen "Eier-App" - bringt stumpfsinniges Power-Klicken ein virtuelles Ei zum Platzen. Wenn man über's Klicken nicht stumpfsinnig geworden ist. Und aufgegeben hat.

Von dieser neuen, sinnbefreiten App haben die meisten der "Generation Internet" Kenntnis. Können nicht mehr davon lassen. "Ketsch Ahnung" * werden aber vermutlich eben so viele Schüler antworten, wenn man sie fragt, wer oder was ein Pogrom ist. Jedenfalls spätestens seit G8. Seitdem Schüler in NRW weniger Geschichte lernen, wie der Landesverband der Geschichtslehrer mahnt.

Es ist echt nicht zu glauben, was die App-Industrie hier Bescheuertes unter die Leute gebracht hat: Eine App, bei der es darum geht, sinnlos auf einem virtuellen Ei auf dem Handy-Bildschirm herum zu klicken. Hinter Kolumbus' Ei verbarg sich immerhin ein kluger Gedanke, aber bei diesem hirnrissigen Zeitvertreib muss man einfach nur klicken "wie blöd", bis sich erste "Risse" in der Schale des Display-Eies bilden. In manchen Versionen des sinnlosen "Spiels" müssen's gar an die eine Million Klicks sein, bis die Eierschale "tutto kompletto" zerbröselt. Und dem User eine "tolle Überraschung" verheißt, wie die Produktentwickler in Aussicht stellen. Bei dieser handelt es sich im übrigen meistens um einen Link zu einem YouTube-Video oder anderen Dingen. Toll: Dafür haben User dann sinnlose Stunden ihres Lebens mit Rumklicken zugebracht.
Dies ist nicht die erste Eier-App. Es gibt bereits eine, mithilfe derer User die Zubereitung eines perfekten, gekochten Eies gelingt. Diese hat immerhin noch einen gewissen Sinn...


Geschichtslehrer laufen Sturm

Um nochmals auf den Begriff "Pogrom" zurückzukommen, der sicherlich zum "Basis-Geschichts-Vokabular" für Schüler gehört: Führt man sich vor Augen, dass der Landesverband der Geschichtslehrer Sturm lief, weil Schüler angeblich zu wenig Geschichte lernen, auf dem Gymnasium seit der Einführung von G8 mit einem Affenzahn durch die Epochen galoppiert würde, und vor dem Hintergrund der jüngsten, großen Weltkriegs-Erinnerungsdebatte, mutet dies alles reichlich abstrus und bedenklich an.

Aber was soll's: Die "Generation Internet" interessiert "das alles" ja auch gar nicht. An einem niederrheinischen Gymnasium musste übrigens jüngst eine Lehrerin mit dem Unterrichtsfach "Hebräisch" erfolglos hausieren gehen, versuchen, es schmackhaft zu machen. Keiner der angehenden Oberstufen-Intelligentia will sich etwa mit dem Judentum (Werbe-Slogan der Lehrkraft: "Wurzel des Christentums") auseinandersetzen. Nicht mehr zeitgemäß, langweilig, gähn. Dann schon lieber virtuelle Eier kaputt kloppen.

* Anmerkung der Redaktion: Keine Ahnung
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2 Kommentare
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Jupp Becker aus Düsseldorf | 29.04.2013 | 17:45  
Marjana Križnik aus Essen-Nord | 29.04.2013 | 19:01  
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