„In gewisser Weise ein Freak“

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Noch liegt mindestens ein Jahr Arbeit vor ihm. Dazu gehören auch immer wieder Blicke in die original Werkstatthandbücher: Stefan Lindemann vor der frisch lackierten Karrosserie des Porsche 911 aus dem Jahre 1970. Foto: Stefanie Siegel
 
So sah der Porsche 911 unmittelbar nach dem Re-Import aus den USA aus. Schwarz und umgebaut zu einem Porsche 911, der den Modeljahrgang aus den 1980er Jahren imitieren sollte. Foto: privat
Auf einer Reise durch die USA entdeckte der Düsseldorfer Stefan Lindemann an der Westküste einen alten Porsche 911. Kurzerhand kaufte er den Wagen und ließ ihn nach Deutschland verschiffen. Seit zwei Jahren restauriert er nun den Sportwagen in Eigenregie.

Die „Geburtsurkunde“ des Wagens belegt, dass der Porsche älter ist als er selbst: Der Düsseldorfer Stefan Lindemann kaufte den Sportwagen vor gut drei Jahren an der Westküste in Los Angeles und brachte ihn zurück nach Deutschland. Hier wurde der Wagen gebaut und hier soll er zurückfinden in ein neues Autoleben. „Wenn der Wagen fertig ist“, erzählt Lindemann, „ist es ein Neuwagen.“
Gebaut und im Oktober 1970 in Frankfurt am Main ausgeliefert, wechselte der Wagen bis zu seinem Verkauf in die USA mehrfach den Besitzer. Und die Farbe. „Jeder Besitzer ließ seinerseits an dem Wagen herumschrauben“, erklärt Lindemann das unterschiedliche Aussehen des Oldtimers aus Stuttgart-Zuffenhausen.
Mit seiner Freundin unternahm Stefan Lindemann von Vancouver aus eine Reise entlang der Westküste der Vereinigten Staaten. Auf der Suche nach einem gut erhaltenen Oldtimer besuchten sie unzählige Hinterhöfe, Scheunen und Garagen und entwickelten mit der Zeit ein Gespür dafür, welcher Wagentyp seit Jahren unter Planen verborgen schlummert.

Pure Begeisterung statt erlerntes Fachwissen

Stefan Lindemann ist weder Mechaniker noch hat er sonst etwas mit Autos zu tun. „Es ist einfach ein schönes Hobby, das mir abends den Kopf frei macht“, erklärt der 39-jährige Unternehmensberater, der vor diesem Großprojekt bereits einen Mercedes SLK restauriert hatte.
Wieviel Arbeit bei der Aufbereitung des Wagens tatsächlich auf ihn zukommen würde, konnte der in Montreal Geborene jedoch zunächst nur ahnen.
Sorgsam dokumentierte er jeden einzelnen Schritt der Demontage, „sonst weiß ich später nicht mehr, wie alles zusammenzusetzen ist“, erklärt Lindemann. Erst ein Bad in einem 60 bis 70 Grad Celsius heißen Laugebecken, das neben der Lackbeschichtung auch alle Gummi- und Fettreste entfernte, legte den wahren Zustand der Karrosserie frei. „Letzlich musste ich das gesamte Chassis des Wagens TÜV-konform mit einer bis zu 3.500 Grad Celsius heißen Flamme neu schweißen.“
Eigens dafür belegte er einen Schweißerkurs der Handwerkskammer Franken in Schweinfurt. Dort lernte er den Umgang mit allen Schweißgeräten und tastete sich durch die Methode „Try and Error“ langsam an ein effektives Schweißen heran. Überdies musste er sich eine komplette Werkstatt zur Restaurierung einrichten.

Original Werkstattbücher aus den 1970ern

Bei seinen Arbeiten – Lindemann nimmt bis auf die Lackierung und die Sattlerarbeiten der Sitze und des Armaturenbretts tatsächlich alle Arbeiten alleine und eigenständig vor – helfen ihm sowohl die original Porsche Werkstattbücher wie auch diverse Internetforen weiter. Diese nutzt der Hobbyschrauber immer dann, wenn er nicht weiter weiß. Bislang erhielt er auf alle seine, noch so komplizierten Fragen Antworten der Forenbetreiber und -Mitglieder und konnte so ungehindert an der Fertigstellung seines Sportwagens weiterarbeiten.
Viele Ersatzteile muss Lindemann im Internet neu bestellen, auch dabei sind ihm die Werkstattbücher behilflich. „Dort ist jede noch so kleine Schraube mit genauen Maßangaben in Explosionszeichnungen aufgeführt.“

Der Motor ist als neu zu bezeichnen

Das Herzstück des Wagens, der Motor, ist nach einer Motorrevidierung als neu zu bezeichnen. „Der Motor weist faktisch null Kilometer auf“, erzählt Lindemann stolz. Da der Wagen keine Originalpapiere mehr besitzt, muss er nach Fertigstellung vom TÜV auf dem Vogelsanger Weg komplett abgenommen werden, um final sein historisches Kennzeichen tragen zu dürfen.
Derzeit flickt Lindemann den gesamten Kabelbaum und fettet die Innenräume der bereits lackierten Karosserie. Die Fertigstellung des Wagens wird, so der Hobbymechaniker, noch mindestens ein Jahr dauern. „Obwohl es schon schön wäre, ihn zu meinem 40. Geburtstag im Sommer des nächsten Jahres zu haben“, sagt der seit 2005 in Düsseldorf lebende Lindemann. Nach der Fertigstellung des Wagens will er das Fahren genießen. „Ein weiteres Auto werde ich so schnell nicht mehr in Angriff nehmen“, verrät er.
Und auch wenn es anders aussieht: „Eigentlich bin ich kein Autornarr“, gesteht Stefan Lindemann, „aber in gewisser Weise bin ich ein Freak.“
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