Mehr Farbe für die Stadt

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Als die Mauer auf der Helmholtzstraße noch trist und khakibraun war (v.l.): Sebastian Busch, Romina Hammermann und Sebastian Saffenreuter werden mit dem Projekt „Auf die Zwoelf“ die rund 50 Meter lange Wand als große Galerie gestalten. Foto: Stefanie Siegel
 
Kunstvoll in bis zu sechs Meter Höhe: zwölf Künstler verhelfen der Wand mit bunten Graffiti und Malereien zu neuen farblichen Akzenten. Foto: Oleksandr Voskresenskyi
Die Grundfarbe der rund 50 Meter langen und gut sechs Meter hohen Wand ist mit „khakibraun“ zu beschreiben, lieblose Graffiti lassen die Mauer auf der Helmholtzstraße noch trostloser erscheinen. Mit einem kreativen Kunstprojekt setzt sich nun eine Studentin für mehr Farbakzente in Friedrichstadt ein.

Es ist noch kühl an diesem Morgen auf der Helmholtzstraße, doch die Gerüstbauer diskutieren schon hitzig mit einer Autofahrerin, die trotz des Parkverbots ihren Wagen vor dem Einsatzort abgestellt hat und die Aufbauarbeiten blockiert. Und dennoch: bis zum Mittag muss es stehen, das Gerüst, das die gut 50 Meter lange und sechs Meter hohe Mauer in den kommenden Tagen für die Künstler auch in der Vertikalen erreichbar macht. Die Mauer, die aufgrund ihrer Bauweise insgesamt zwölf einzelne große Grundflächen aufweist, soll nun künstlerisch gestaltet werden, farbige Akzente erhalten, großformatige Bilder bekommen.
Auf die Idee einer Neugestaltung der tristen Wand kam Mitte 2014 Romina Hammermann, Studentin der Kulturpädagogik. Sie wohnte damals unweit der Mauer und war stets vom Anblick der großen Wandfläche enttäuscht. „Ich hätte mir einfach etwas mehr Farbe in der Straße gewünscht“, sagt Hammermann und deutet auf die trostlose Wand, an der überdies lieblos angebrachte Graffiti zu einem eher schmuddeligen Erscheinen beitragen.

Seminar zum Thema Streetart

Im Rahmen eines Seminars zum Thema Straßenkunst befasste sich die Studentin schließlich mit einer Aufgabe, die innerhalb des Seminars gelöst werden sollte. Sofort kam ihr die Mauer in den Sinn, sie recherchierte nach dem Grundstückseigentümer. Erst über Umwege konnte sie Kontakt aufnehmen und ihm ihre Idee einer Neugestaltung vortragen. Dieser war unter der Voraussetzung, dass ihm keine Kosten entstehen, einverstanden. Umgehend nahm die Studentin Kontakt zu befreundeten Streetart-Künstlern auf und entwarf gemeinsam mit Sebastian Busch und Sebastian Saffenreuter ein Konzept. Beide waren sofort von der Idee begeistert: „So können wir unsere Kunst auch einmal großformatig der Öffentlichkeit vorstellen“, sagt der 26-jährige Saffenreuter, Student des Kommunikationsdesigns. „Ich habe schon immer gezeichnet“, sagt er, seit einigen Jahren arbeite er überdies mit Sprühfarben. Und auch Busch, 27, gelernter Tischler und Erzieher, stammt aus der Szene und lässt sich stets durch urbane Kunst zu eigenen neuen Werken inspirieren.
Gemeinsam gingen sie auf die Suche nach Sponsoren, um das ehrgeizige, gemeinnütziges Projekt realisieren zu können und waren von der Resonanz positiv überrascht: „Die Gerüstbaufirma Hohn stellt uns das Gerüst für einen tollen Preis auf“, freut sich Hammermann, „und der Künstlerbedarf Boesner aus Heerdt stellt uns Material zur Verfügung.“ Auch der Farbenhersteller Montana sowie das Projekt „Think Big“, ein Jugendprogramm der Fundación Telefónica und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), unterstützen materiell und finanziell die umfangreiche Neugestaltung der Wand.

Kulturamt der Stadt beteiligt sich an Aktion

Studentin Romina Hammermann wandte sich überdies an das Kulturamt der Stadt. Und auch hier stieß sie auf offene Ohren: auch die Sparte „Bildende Kunst“ des Amtes ist Sponsor des Kunstprojektes. „Durch die Mithilfe vieler kreativer Künstler und Köpfe wollen wir gemeinsam Düsseldorfs Quartieren eine verbesserte Atmosphäre schenken und den dort lebenden Menschen ein kommunikativeres Miteinander und Stadterleben ermöglichen“, erklärt Hammermann, die im Dialog mit Anwohnern just dieses Bedürfnis erkannte und auch hier Rückendeckung für ihr Projekt erhält. Weil die Wand zwölf gleichgroße Flächen bereit hält – der Projektname „Auf die Zwoelf“ leitet sich überdies daher ab – können sich nun auch zwölf Künstler oder Künstlerkollektive mit ihren Arbeiten an der Wand zeigen. Sobald die Mauer geweißt, und so für die aufwändigen Arbeiten vorbereitet ist, machen sich lokale und internationale Künstler der Szene an die Arbeit der großen „Outdoor“-Galerie. „Einen guten Mix der verschiedensten Stile“, verspricht sich Romina Hammermann von der außergewöhnlichen Gemäldesammlung an der Helmholtzstraße. „Und natürlich viel mehr Farbe für mehr Stadterleben“, sagt die Studentin mit Blick auf die noch triste Wand in Friedrichstadt.

Hintergrund:
Weitere Infos zu Projekt und Künstlern erhalten Interessierte unter www.aufdiezwoelf.de
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