Mein Wunsch: Ich möchte im Sport-Rolli Basketball spielen

Anzeige
Oktay war Teil einer inklusionskampagne der Landeshauptstadt Düsseldorf. Dafür zog er mal eben eine Straßenbahn beim Fotoshooting.....
 
Oktay mit Basketball und einer Urkunde vom letzten Basketballturnier.
Düsseldorf: Andreas Vogt |

Oktay Altintas ist 16 Jahre alt und ist querschnittsgelähmt. Er hat nur einen Wunsch: Mit einem Sport-Rollstuhl Basketball spielen und eines Tages bei den Paraolympischen Spielen dabei sein.


Oktay wohnt in Düsseldorf-Urdenbach. Er besucht die LVR Schule für Körperbehinderte auf der Brinckmannstrasse in Düsseldorf. Dort ist er Schulsprecher und beendet nächstes Jahr die Schule.

Aktuell paukt er für die Schule, denn er möchte nächstes Jahr auf ein Berufskolleg wechseln. Eine psychologische Untersuchung erwartet ihn, welche letztendlich entscheidet, ob er ein Berufskolleg besuchen oder eine Werkstatt für Behinderte besuchen wird. Letzteres möchte er auf gar keinen Fall.

Seine Erkrankung hat ihm seit seinem ersten Lebensjahr einen Strich durch die Rechnung gemacht und bisher hatte er viel Pech.

Es wird Zeit für Veränderung.

Mit anderthalb Jahren bekam Oktay eine Hirnhautentzündung und die Ärzte diagnostizierten ihm eine Querschnittslähmung.

Guillain-Barrè genannt.

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine Erkrankung der Nervenbahnen, die vom Rückenmark zu den Muskeln oder anderen Organen bzw. von Haut und Organen zum Rückenmark ziehen. Am stärksten sind dabei in der Regel die längsten Nervenbahnen, die zum Bein ziehen, betroffen.

Doch damit konnte die Familie von Oktay im Jahr 2000 recht wenig anfangen.

Oktay erinnert sich heute nicht mehr daran. Aber er konnte fast laufen mit 18 Monaten, als die heimtückische Krankheit seinen Verlauf nahm.

Jetzt war der Junge von Vater Dede und Mutter Ahat Oktay pflegebedürftig und querschnittsgelähmt ab LWS 1 und 2. Die Ärzte sagten, „sie könnten nichts für den Jungen tun“.

Heute undenkbar: Die Frühförderung im Kindergarten wurde für den Jungen abgelehnt.

Vater Dede kam 1972 aus der Türkei nach Deutschland.

Die Familie lebt heute in Düsseldorf-Urdenbach. Mutter Ahat Altintas führt den Haushalt und kümmert sich um die Pflege Oktays, der mittlerweile in Pflegestufe 2 eingestuft wurde.

Seine ältere Schwester Özlem ist seit seiner Kindheit immer für ihn da.

2 Halbbrüder leben nicht mehr in der Wohnung der Altintas.

Im Jahr 2009 hatte Oktay wieder Schmerzen und er wurde glücklicherweise direkt in einer Klinik in Bonn behandelt, welche eine Zyste in seinem Rückenmark entfernte.

Oktays großer Traum ist ein Sport-Rollstuhl, mit dem er Basketball in einer Regional-oder Bezirksliga spielen kann und hoffentlich von einem Scout entdeckt wird.

Entdeckt wofür?

Oktay möchte trainieren und an den paralympischen Spielen teilnehmen.

Das ist aber ohne Sport-Rollstuhl nicht möglich. Zweimal hat ihm seine Betriebskrankenkasse die Beantragung eines Sport-Rollis abgelehnt.

Zweimal wurde ein Widerspruch von der Kasse abgelehnt.

Wenn er für einen Verein wie den „Hot Rolling Bears“ in Essen spielen möchte, ist ein Sport-Rollstuhl die Voraussetzung.

Dafür fehlt es aber an Geld, denn so ein auf Oktays Körper angepasster Rollstuhl kostet einige Tausend EUR.

Aktuell spielt Oktay Basketball für den Verein Basket Bears in Krefeld in seinem normalen Alltags- Rollstuhl. Für einen Liga Betrieb haben die Krefelder Basket Bears zu wenig Rolli- Spieler.

Jeden Montag und Donnerstag fährt Vater Dede mit Oktay in seinem alten Opel Astra Kombi nach Krefeld zum Basketball-Training. Auch wenn Vater Dede Nachtschicht hat, begleitet er seinen Sohn zu seinem Training. Er ist immer für ihn da. Ein Schlaganfall ließ ihn nicht stoppen, seinem Sohn zur Seite zu stehen.

Oktays Kindheit in Düsseldorf verlief nicht gerade harmonisch. Die Kinder kamen mit seiner Querschnittslähmung in seinem Rollstuhl nicht klar und hänselten ihn. Kinder können sehr böse untereinander sein. Oktay zog sich zurück und erst über eine Integrationshilfe des Jugendamtes und den Sport in der LVR Schule an der Brinckmannstraße wurde er selbstbewusst.

Oft nahm er an dem Angebot der Stadt, den sogenannten Düsselferien teil.

In der Schule für Menschen mit Körperbehinderung an der Brinckmannstraße infizierte ihn Sport-Lehrer Axel Görgens mit dem Basketball Virus.

Zunächst spielte Oktay seit 2010 in Neuss, dann von 2014 in Krefeld.

Sein Trainer in Krefeld spielt aktiv Rollstuhlbasketball in der 2. Bundesliga.

Im Februar 2010 belegte er bei einem Landessportfest im „Mini Rollstuhl Basketball“ den ersten Platz. Ein Talent schlummert in ihm. Beim Jurobacup in Bonn wurde Oktay am 12.09.2015 mit dem 1. Platz ausgezeichnet.

Wie erfolgreich würde er wohl in einem Sport-Rolli spielen? Aktuell spielt er in seinem Alltagsrollstuhl, der ständig defekt ist.

Favorit für Oktay ist der Verein Hot Rolling Bears in Essen. Dort möchte er am Liebsten trainieren und Pokale einheimsen. Dafür benötigt er aber einen Sport-Rollstuhl.

Oktay Traum ist es, Spieler des deutschen Nationalmannschaftteams zu sein.

Eine sportliche Verbesserung erreicht er nur über seine Wurfpäzision, Ball aufnehmen etc.- in einem auf ihn angepassten Sport-Rollstuhl.

Sein Idol ist Fatih Solak, ein Rolli-Basketballspieler in der türkischen Nationalmannschaft.

Zu gern würde er Fatih kennenlernen und sich mit ihm austauschen.

Aber auch Samuel Koch würde Oktay gerne kennenlernen.

Comedy Star Bülent Ceylan und Elyas M`Barek findet er toll.

Ein ganz normaler Junge, 16 Jahre, mit einem Wunsch, welcher für uns völlig selbstverständlich wäre, wie ein paar Sportschuhe.

Einfach nur Sport treiben, das Leben geniessen mit dem richtigen Equipment, einem Sport-Rollstuhl.

„Mein Rollstuhl ist der Ersatz für meine Beine“, so Oktay. „Die anderen Menschen ziehen zum Laufen ja auch ihre Sportschuhe an und nicht ihre Alltagsschuhe. Ich möchte als ganz normaler Mensch gesehen werden. Ich habe nur ein Handicap, welches ich mit Sport und einem Sport-Rolli kompensieren möchte“.

Am Leben teilhaben und Akzente setzen.

Nur darum geht`s.

Möchten wir das nicht alle?

Jetzt hat sich die Stiftung "Düsseldorfer Kinderträume" gemeldet, denn sie möchte Oktay einen neuen Sport-Rolli für Basketball finanzieren.

Stifter Michael Staade hatte sich heute ab Lokalkompass Autor Andreas Vogt gewandt und eine Bezuschussung von 3.500,- EUR zugesichert.

Ein großer Glücksmoment für Oktay Altintas und Andreas Vogt.

Andreas Vogt
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
1.128
Andreas Vogt aus Düsseldorf | 13.09.2016 | 17:39  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.