„Miteinander sprechen – voneinander lernen“

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Marianne Koch-Barreto erklärt die Ausrichtung des Düsseldorfer Psychose-Forums. Im Vordergrund steht der Trialog, Gespräche zwischen Betroffenen, Angehörigen und Medizinern, um über verschiedene psychische Erkrankungen zu sprechen. Foto: Ingo Lammert
Psychische Erkrankungen werden in der Gesellschaft noch immer stigmatisiert. Erkrankte leiden nicht nur unter ihrer Krankheit, sondern auch unter einer Ausgrenzung. Das Düsseldorfer Psychose-Forum führt seit 2002 in einem Trialog-Gesprächskreis Betroffene, Angehörige und Mediziner zusammen.

„Das schlechte Bild der Erkrankten in der Gesellschaft macht es doppelt schwer“, weiß Marianne Koch-Barreto. Die Medizinerin beteiligt sich regelmäßig am Düsseldorfer Psychose-Forum, einem Trialog-Gesprächskreis, der seit April 2002 regelmäßig in den Räumen der Diakonie Düsseldorf-Flingern zusammenkommt.
„Trialog“ steht dabei für die drei teilnehmenden Gruppen: die Menschen mit einer psychischen Erkrankung und in der Regel Psychiatrie-Erfahrung, deren Angehörige und Freunde sowie die auf diesem Gebiet professionell Tätigen. Das können Mediziener wie auch Thearpeuten sein. In den rund zweistündigen Gesprächskreisen geht es um einen gleichberechtigten Austausch jenseits der sonst üblichen Kontakte wie Familie, soziale Einrichtungen, Kliniken oder Arztpraxen. „Neben dem Ziel, ein besseres Verständnis der drei Gruppen füreinander, und den Abbau gegenseitiger Vorurteile zu schaffen, erzielt die Gruppe gleichzeitig auch eine Anti-Stigma-Arbeit“, erzählt Koch-Barreto, die hauptberuflich als Dozentin für medizinische Berufe arbeitet und stets körperliches und geistiges Wohlbefinden als Ganzheit betrachtet.

Trialoge ermöglichen ein eigenen Bild eines gemiedenen Gesellschaftsbreiches

Zu den Treffen, zu denen zu jeder Ausgabe 30 bis 40 Gäste kommen, sind auch andere Interessierte eingeladen, die sich ein eigenes Bild von einem sonst eher gemiedenen Bereich unserer Gesellschaft machen möchten. Sie können dort zum Beispiel erfahren, dass psychisch gesunde Menschen nicht immer nur gesund, und seelisch kranke Menschen beileibe nicht nur krank sind. Teilnehmen kann grundsätzlich jeder kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Zur Einstimmung beginnen die Abende des Düsseldorfer Psychose-Forums meist mit einer kurzen Themen-Einführung von etwa 15 Minuten, oft werden externe Gastreferenten eingeladen. Im Vordergrund der darauf folgenden Gespräche steht der Austausch von persönlichen Erfahrungen, Empfindungen und Sichtweisen. Diese werden als solche respektiert und wertgeschätzt, in dem Bewusstsein, dass hier jeder Experte in eigener Sache ist und so seinen ganz individuellen Lebens- und Erfahrungshintergrund beitragen kann, soll und darf. „In diesem Sinne gibt es kein Richtig und kein Falsch“, erklärt die 58-jährige Koch-Barreto.
Die behandelten Themen werden von den Teilnehmern selbst festgelegt und reichen von klassischen Fragen wie etwa Medikamenteneinnahme und Psychotherapien über Herzensangelegenheiten bis hin zu weltanschaulichen Aspekten. „Das Psychose-Forum ist aber nicht als Hilfsangebot für akute psychische Krisen konzipiert und ist auch keine Therapie“, betont Koch-Barreto, „es liefert den Teilnehmern aber immer wieder wertvolle Impulse und Anregungen, die auf anderem Weg kaum zu bekommen sind.“
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