„Raus aus der Komfortzone“

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Besuchte die Redaktion des Rhein-Bote und brachte seine Laufschuhe mit: Ultramarathonläufer Holger Szameit, der mit extra-gedämpften Schuhen auf die Langdistanzen jenseits klassischer Marathonläufe geht. Foto: Sven-André Dreyer
Zweimal im Jahr läuft der Düsseldorfer Holger Szameit die klassische Marathondistanz. Aktuell bereitet er sich auf seinen ersten 100-Meilen-Lauf vor - dies entspricht der Länge von insgesamt vier Marathons, die am Stück gelaufen werden. Um die Strecke zu absolvieren, steht den Läufern ein Zeitkorridor von 28 Stunden zur Verfügung.

Mit dem Laufen angefangen hat Holger Szameit aus einem eher profanen Grund: er wollte abnehmen. „2005 war das“, erinnert sich der heute 46-Jährige, „und das Ziel war, 20 Minuten am Stück laufen zu können.“
Mit Übergewicht war das, so berichtet Szameit, „richtig hartes Traning.“ Obwohl er bereits als Jugendlicher sportlich unterwegs war, viel ihm der Angang schwer. Dennoch, er blieb am Ball und die Laufzeit steigerte sich kontinuierlich. Bereits ein Jahr später lief er mühelos eine Stunde am Stück, seinen ersten Halbmarathon absolvierte er schließlich 2007 in einer Zeit unter zwei Stunden.
In dieser Trainingsphase schloss er erste Freundschaften zu weiteren Läufern und fand so Trainingspartner. Als er schließlich 2008 seinen ersten Marathon von Dortmund nach Essen lief, wurde seine Leidenschaft für große Distanzen geweckt. „Das Zielfoto“, erzählt Holger Szameit, „zeigt mich äußerst entspannt. Ich sehe aus, als sei ich gar nicht gelaufen.“ Der Entschluss, fortan Strecken oberhalb der Marathondistanz zu laufen war gefasst.
„Ich bin kein Wettkampfläufer“, resümiert Szameit, „ich mag einfach gerne lange, langsame Läufe, auf denen ich die Landschaft genießen kann.“

Vorbereitung ist alles

Dabei ist Vorbereitung alles: Ernährung, die richtigen Socken, Witterungsbedingungen – für einen derart langen Lauf müssen viele Vorbereitungen getroffen, und Eventualitäten geklärt werden, denn „ist man einmal auf der Strecke“, sagt Szameit, „dann wird einfach nur noch gelaufen.“
Für den diplomierten Informatiker ist der Laufsport ein grundehrlicher Sport: „Durch derart lange Strecken wird man regelmäßig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, man hat keine Chance sich zu verstellen.“
Immer wieder nimmt der Läufer auch Bezug auf die Emotionalität seines Sports. In der Natur zu laufen bedeutet für ihn, Stress abzubauen und Abstand zu Problemen gewinnen zu können. Zudem kommt er beim Laufen auf neue Ideen. Und dennoch: Auch er muss sich manchmal aufraffen, um mit dem Training zu beginnen. Gerade wenn es draußen ungemütlich wird, lockt die Couch mitunter verführerisch. „Doch dann heißt es: Raus aus der Komfortzone.“

Trainiert wird dreimal pro Woche

Szameit trainiert dreimal pro Woche mit einem Zeitaufwand von circa sieben bis acht Stunden. Dabei läuft er bis zu 70 Kilometer.
Sein nächstes großes Ziel ist die Teilnahme an seinem ersten 100-Meilen-Lauf, der „Tortur de Ruhr“ im Mai 2016. Die Route führt von der Quelle bei Winterberg bis zur Mündung in den Rhein bei Duisburg. Dies sind 230 Kilometer nonstop, ein Zeitkorridor von 28 Stunden steht den Läufern dabei zur Verfügung. Szameit weiß, dass ein derart langer Lauf mindestens zur Hälfte im Kopf gelaufen wird. Und dafür muss eisern trainiert werden.
Ein Satz eines Trainingsratgebers begleitet ihn stets bei seinen Läufen: „Ich laufe nicht, um die anderen Läufer zu besiegen, sondern um die anderen zu begleiten.“ Alles was sich Holger Szameit wünscht ist, heil ins Ziel zu gelangen. Und dazu gehört neben guter Vorbereitung eben immer auch ein bisschen Glück.
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