Senioren in Düsseldorf: Polizei gibt Tipps, wie es sicher durch die Stadt geht

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Schon bald beginnt wieder die dunkle Jahreszeit: Dann werden Joachim Tabath und Christina Palapanidis wieder diese reflektierenden Einkaufstaschen verteilen. Foto: Lammert
Düsseldorf: Düsseldorf |

Bin ich richtig angeschnallt? Wie werde ich im Dunkeln nicht übersehen? Ist mein Rollator richtig eingestellt, um sicher durch meinen Stadtteil zu kommen? Nur drei von vielen Fragen, die die Verkehrssicherheitsberater für Senioren der Polizei Düsseldorf Joachim Tabath und Christina Palapanidis oft und vor allen Dingen gerne beantworten.


Sie besuchen die Zentren Plus und Gruppen in Senioreneinrichtungen. Sie halten theoretische Vorträge und erläutern praxisnah, wie es für Bürger ab 65 aufwärts am sichersten durch die Stadt geht. Egal ob sie mit dem Auto, dem Fahrrad, mit der Bahn, zu Fuß oder dem Rollator unterwegs sind. Gut 250 Termine haben Joachim Tabath und Christina Palapanidis im Jahr, nicht selten zwei oder drei an einem Tag. „In einem Vierteljahr erreichen wir knapp 1000 Bürger“, sagt Joachim Tabath. Er hat vor acht Jahren als Seniorenberater angefangen.

"Senioren mit Rollator" sorgte weltweit für Aufsehen



Mit der steigenden Zahl an älteren Menschen in der Stadt wachsen seitdem auch die Anforderungen und Anfragen. „Wir suchen nicht nach Themen, wir werden darauf gestoßen“, sagt Tabath. Das war bei dem Punkt „Demenz und Autofahren“ so, aber auch bei „Senioren mit Rollator“. Mit letzterem hat Joachim Tabath nicht nur in Düsseldorf sondern weltweit für Aufsehen gesorgt. Sein Konzept für die Verkehrssicherheit für Rollator-Nutzer war neu, beim ersten Termin in einem Seniorenheim waren zig Medienvertreter anwesend. „Drei Mappen voll“, so verrät Kollegin Palapanidis, seit einem Jahr an Tabaths Seite, habe er an Artikeln gesammelt.
Beim Rollatortraining nehmen die beiden die Gehhilfe zuerst genau unter die Lupe. Ist die richtige Griffhöhe eingestellt? Funktioniert alles? Ist alles überprüft, findet ein Fahrtraining statt. Auch geht es durchs Viertel. Am Ende gibt es für die Teilnehmer einen Rollator-Führerschein. „Für einige der erste Führerschein in ihrem Leben“, sagt Tabath schmunzelnd und erzählt, dass sich einige darüber richtig freuen. Viel Praxis mit Slalomtraining und ähnlichem sieht auch das Modul „Senioren als Fahrradfahrer“ vor. „Bremsen ist das A und O“, nennt Tabath einen wichtigen Aspekt, den es zu vermitteln gilt.

Kein Autofahrer wird auf seine Fahrtauglichkeit geprüft



Anders sieht es bei den Autofahrern, aus. Keiner müsse dabei unter Beweis stellen, wie fit er hinter dem Steuer ist. „Wir arbeiten ausschließlich präventiv, nicht repressiv“, sagt Palapanidis. Es wird vielmehr geprüft, ob der Sitz, der Spiegel richtig eingestellt ist. „Wir sprechen dann Empfehlungen aus. Keiner muss etwas ändern“, sagt sie. Palapanidis und Tabath haben einen guten Draht zu den Senioren. Man begegne sich auf Augenhöhe. „Die haben so viel Lebenserfahrung, da kann man nicht mit dem erhobenen Zeigefinger kommen“, sagt Tabath. Will er auch gar nicht. Er möchte, dass die Senioren sicher durch die Stadt kommen. Und es wird ihm gedankt. Eine Karte steht auf seinem Regal. Nette Worte einer Dame, die den Rollatorführerschein gemacht hat. Tabath freut sich genau über so etwas.
Rollatorentraining ist viel nachgefragt. Je nach Jahreszeit stehen aber auch andere Themen hoch im Kurs. „Im September/Oktober geht es darum, wie ich mich in der dunklen Jahreszeit schütze“, so Tabath. Reflektoren sind da ein großes Thema. Und so sind die beiden Polizisten dann immer mit leuchtenden Einkaufstaschen, finanziert vom Sozialwerk der Polizei, ausgestattet, wenn es in die Senioreneinrichtungen geht.

Auch die Gegenseite sensibilisieren


25 Punkte sind in dem von ihnen verteilten Flyer, der „Verkehrssicherheitsprogramm für mobile Senioren“ überschrieben ist, aufgelistet. Unter anderem zählen noch hinzu: Schwerhörigkeit im Straßenverkehr, Medikamente im Straßenverkehr, Fahreignung bei chronisch Kranken: Parkinson und ein Wahrnehmungsparcours.
Aufklärung gibt es auch für die „andere Seite“. Etwa Busfahrer. Wer selbst mal mit einem Rollator und einem Anzug, der das Altsein simuliert. versucht habe, in einen Bus zu steigen, werde nie mehr sagen: „Beeil Dich mal.“ - Davon ist Tabath überzeugt.
„Messbar ist unsere Arbeit nicht“, sagt Palapanidis. 2014 waren an Verkehrsunfällen 1119 Personen über 65 Jahren beteiligt, 395 wurden verletzt, fünf starben. 885 waren an Unfällen mit dem Auto (als Verursacher: 674), 131 (46) mit dem Fahrrad und 85 (21) als Fußgänger beteiligt. Bleibt, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht. „Das geht nur mit Herzblut“, sagt Tabath. Palapanidis nickt, auch wenn der Tag manches Mal mehr als acht Stunden hat.
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