Strandgut in der alten Backstube

Anzeige
Nutzen ihre Werkzeuge im Kollektiv (v.l.): Anna Hubermann, Katrin Marzok, Vivian Meller und Lisa Kuschmann, die gemeinsam in ihrem Atelier Ring & Rabe auf der Bilker Allee neue Schmuckkreationen erarbeiten. Foto: Oleksandr Voskresenskyi
 
Im kleinen Hof riecht es nach frisch gebratenem Fisch, die Geräusche der Straße sind ausgesperrt. Redakteur Sven-André Dreyer im Gespräch mit (v.l.) Anna Hubermann, Katrin Marzok und Vivian Meller. Foto: Oleksandr Voskresenskyi
Es mutet fast ein wenig mediterran an: Während auf der Bilker Allee Autos und Straßenbahnen lärmend vorüberrauschen, taucht man im Atelier „Ring und Rabe“ ein in eine andere Welt. Die alte Backstube beherbergt nun ein Designkollektiv, hier entstehen Schmuckstücke der besonderen Art. Und wenn die Sonne scheint, umweht den Besucher das Gefühl von Süden.

Die Sonne fällt schräg in den kleinen Hinterhof auf der Bilker Allee, der nur durch das Treppenhaus und über die bunten Bodenfliesen des alten Hauses erreichbar ist. Die Fenster der Küche des kleinen Restaurants im Vorderhaus sind zum Hof geöffnet, es duftet nach frisch gebratenem Fisch. Aus dem geöffneten Fenster darüber perlt Musik in den Hof, ein Kind lacht.
Hier, in der alten Backstube im Hinterhof des Hauses 178, die im Winter mit einem Holzofen beheizt werden muss, haben sich vor einem Jahr die Goldschmiedinnen und Schmuckdesignerinnen Anna Hubermann, Lisa Kuschmann, Katrin Marzok und Vivian Meller ein kleines Atelier eingerichtet, das sie nun im Kollektiv nutzen. „Wir haben einfach unsere Werkbänke zusammengestellt, erzählt Katrin Marzok, „so können wir alle gemeinsam das Werkzeug nutzen.“ Alle vier haben das Handwerk des Goldschmiedens gelernt, drei von ihnen haben anschließend zudem ein Studium des Designs an der Fachhochschule Düsseldorf abgeschlossen.

Außergewöhnliche Werkstoffe und Materialien

Die Vier teilen ihr Interesse für das leidenschaftliche Entwerfen von Schmuckunikaten und Serienentwürfen in klassischen Materialien wie Silber und Gold, aber auch ungewöhnlichen Werkstoffen wie Holz, Gießharz, Porzellan, Aluminium und Kunststoff. Auch der Gedanke des Recyclens, also des Wiederverwertens ist ihnen nicht fremd. So kann zum Beispiel auch aus einem alten Fahrradschlauch aktueller und moderner Schmuck entstehen.
Der Ateliername, der mystisch und ein wenig märchenhaft klingt, leitet sich übrigens ab von einer mehr als profanen Begebenheit: um die Tauben, die es sich vor Einrichten des Ateliers im Hinterhof gemütlich gemacht hatten, zu vertreiben, setzten die Designerinnen kurzerhand zwei Kunststoffraben auf die Fensterbank. Passend mit dem, was die Goldschmiedinnen unter anderem herstellen, war so ein Name für das kollektive Arbeitsumfeld gefunden.
Und auch, wenn „Ring und Rabe“ ein gemeinschaftliches Arbeitsumfeld darstellt, die vier Goldschmiedinnen und Designerinnen arbeiten höchst unterschiedlich und entwickeln Schmuckstücke verschiedenster Art.

Buntes Strandgut neu bewertet

Lisa Kuschmann entwickelt derzeit eine eigene Linie aus Strandgut, das sie, filigran und bunt, in Kunstharz gießt, um daraus Ohrschmuck und Anhänger zu gestalten und somit auch auf die Verschwendung durch die moderne Wegwerfgesellschaft aufmerksam zu machen. Anna Hubermann verarbeitet in ihren aktuellen Schmuckstücken ihre Liebe zum Tango Argentino: „Die Kreationen spiegeln die munteren Bewegung des Tanzes wider“, erklärt die begeisterte Tänzerin und verweist auf ihre geschwungenen Armreifen, Ringe und Ohrringe, die figurativ den Tanz thematisieren.
Konzeptionell arbeitet auch Vivian Meller. Die Diplom-Designerin nutzt derzeit Vorlagen aus ihrer Imagination der Kindheit, aus ihren Träumen. Kindheitserinnerungen an Kirmesbesuche spiegeln sich wider in Abstraktionen von buntem Eis am Stiel, mit ihren Kettenanhängern kann man Seifenblasen machen, aus filigran geknoteten Schnüren entstehen bei ihr puristische Silberringe.
Pragmatischer geht Katrin Marzok vor. Geprägt durch ihre Naturverbundenheit, entstehen Ahorn- und Ginkoblätter, aber auch Spinnen als Kettenanhänger. Bereits damit stellt sie einen Kontrast zwischen dem für gewöhnlich lieblichen Schmuck und der modernen Herangehensweise der vier Designerinnen dar. Auch Marzoks Begeisterung für Straßenkunst und die Lebensphilosophie des Punk fließt stets ein in ihre Arbeit: „Mein Schmuck ist immer auch ein Statement.“
Während die vier Schmuckdesignerinnen am vergangenen Wochenende ihr Atelier anlässlich ihres nun einjährigen Schaffens in der alten Backstube für Interessierte öffneten, werden sie auch am Samstag, 15., und Sonntag, 16. August, im Rahmen der Düsseldorfer Kunstpunkte ihre Arbeiten präsentieren.
Wer so lange nicht warten kann, kann überdies unter ringundrabe@gmail.com oder www.ringundrabe.blogspot.de Kontakt zu den Designerinnen aufnehmen.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.