Wenn es "schildkrötig" wird...

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Auch das gehört zur Tätigkeit eines Reptilienspezialisten: Dr. Kornelis Biron behandelt derzeit eine trächtige Bartagame, die via Ultraschall untersucht wird, um die Anzahl der im Körper verbliebenen Eier zu ermitteln. Foto: Stefanie Siegel
 
Eine Injektion für die trächtige Bartagame in der Praxis des Reptilienspezialisten. Foto: Stefanie Siegel
Reptilien, Ziervögel und exotische Säugetiere faszinieren viele Menschen. Der Tierarzt Dr. Kornelis Biron aus Flingern hat sich mit seiner Praxis vor 13 Jahren auf die Behandlung und Pflege der außergewöhnlichen Tiere spezialisiert.

Düsseldorf-Flingern. Bereits seit frühester Jugendzeit ist Dr. Kornelis Biron fasziniert von Reptilien. „Ich bin schon als Kind in Urlauben in Südeuropa jeder Echse nachgerannt“, erzählt der 39-jährige Tierarzt. Im Alter von 15 folgte er einer Zeitungsannonce, in der Leopardgeckos für damals 25 Deutsche Mark angeboten wurden. Der Hinweis des Verkäufers, sich zunächst mit Fachliteratur auf die Haltung der Echsen vorzubereiten, löste bei Biron höchste Begeisterung aus. Schon in seiner Schulzeit gründete er eine Reptilien AG, wurde später von seinen Zivildienstkollegen „Doc“ genannt. Von Zuhause ausgezogen ist er bereits mit 40 eigenen Terrarien, in denen er die exotischen Tiere züchtete.

Auf 10.000 Arten spezialisiert

„Nur wenige Berufe kamen für mich infrage“, sagt Biron heute. Er wählte den des Tierarztes. Und obwohl die Zahl der Reptilienhalter in Deutschland stetig wächst, so zeigt auch seine Ausbildung, welch exotische Rolle Reptilien tatsächlich noch immer einnehmen: Während seines Studiums wurde er mit sämtlichen Tierarten konfrontiert, zu seinen Studienfächern zählte unter anderem die Zoologie, Botanik und Lebensmittelhygiene. Der Schwerpunkt tiefgehender Betrachtung und Behandlungsmethoden bei Reptilien war jedoch nicht dabei. „In meiner Abschlussprüfung musste ich ein Pferd rektalisieren“, lacht Biron.
Schon während seines Studiums musste der Veterinär daher Praktika und Fortbildungen bei Spezialisten außerhalb des universitären Betriebes belegen, eigenständig Fachliteratur bemühen und Fachmeinungen einholen.
Wie hoch der Bedarf an auf Reptilien spezialisierten Tiermedizinern tatsächlich ist, zeigte der Andrang in seiner nach dem Studium eröffneten Praxis: „Ich hatte gleich zu Beginn alle Hände voll zu tun“, erzählt Biron. Häufig kommen Kunden mit sehr speziellen Fragen, die auch ihn als Fachmann fordern. Dazu zählt unter anderem die Kastration von Schildkröten.
Während das Ultraschallgerät ein handelsübliches Gerät aus der Humanmedizin ist, werden für andere Eingriffe spezielle Instrumente benötigt. Und während selbst die kleine Nische der Reptilien – Biron ist auf rund 10.000 Arten spezialisiert – ein ungeheuer großes Feld abdeckt, ist er als Tierarzt gleichzeitig auch stets Generalist: Zahnarzt, Augenarzt, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Bakteriologe in Personalunion.

Beratung vor Kauf sollte obligatorisch sein

„Unbedingt“, so rät der Veterinärmediziner, „sollten sich Interessierte vor dem Kauf von Reptilien eingehend beraten lassen.“ Er bedauert, dass Reptilienkäufer in Tierhandlungen oftmals zu wenig informiert werden und falsches, mitunter überflüssiges Zubehör erhalten. „Reptilien sind sehr leicht artgerecht zu halten“, sagt der Tierarzt, „Tierhalter können aber auch leicht viele Fehler bei der Haltung und Aufzucht machen. Dies kann dann schnell zu Erkrankungen der Tiere führen.“
Als Beispiel nennt er die Aufzucht von europäischen Landschildkröten. Die an eine terrestrische Lebensweise angepassten Tiere sind reine Grünfresser und fühlen sich am wohlsten in einem großen, für sie eingerichteten Freigehege oder Garten. „Leider wird Käufern immer wieder auch sinnloses Zubehör wie Terrarien und viele weitere Details angeboten und verkauft“, bedauert Biron und verweist auf die Unmöglichkeit, eine Landschildkröte in einem Terrarium zu halten.
„Zudem“, so stellt Biron zunehmend fest, „ist vielen Menschen nicht klar, dass sie mit Anschaffung eines Tieres auch eine große Verpflichtung eingehen.“ Am Beispiel einer Schildkröte bedeutet dies auch, sich Gedanken über das potentielle Lebensalter eines solchen Tieres zu machen. Nicht selten werden Schildkröten älter als ein Menschenleben.
Biron fordert der artgerechten Haltung wegen daher einen Sachkundenachweis für Tierhalter. Dabei sei es auch egal, ob es sich um eine Hauskatze oder einen Königspython handele.

Keine Hunde, keine Katzen

Zu seinen Patienten zählen neben Reptilien wie Schlangen oder Warane auch Amphibien, Fische, Vögel und exotische Säugetiere. Klassische Säugetiere wie Hunde und Katzen behandelt Biron hingegen nicht. Gefühlt 10.000 Bartagamen hatte er bereits in seiner Praxis, sagt Biron, „da freue ich mich auch immer über extrem exotische Tiere.“
Weil das Wissen über Reptilien in Medizinerkreisen nur wenig verbreitet ist, trat Biron bereits sehr früh der Tierärztlichen Arbeitsgemeinschaft Amphibien und Reptilienkrankheiten, kurz „AG ARK“ bei, die wiederum eine Arbeitsgemeinschaft der DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde) ist. Rund 500 Veterinärmediziner sind der AG angeschlossen, Biron ist in der Leitung der AG tätig. Auch hält er weltweit internationale Fachvorträge zum Thema und bildet angehende Tiermediziner, die ihren Schwerpunkt auf Reptiliengesundheit legen wollen, in seiner Praxis in Praktika aus. Diese dauern drei Wochen bis zu drei Monate.

Enge Beziehung zwischen Mensch und Tier

In der Ferienzeit erhält Dr. Kornelis Biron aktuell Hilfe von einem jungen Reptilienfreund: Der 15-jährige Aimo Warnt machte bereits als Schüler des Lessing-Gymnasiums ein Praktikum in der Praxis und ist nun mit großem Interesse bei der Pflege der Tiere dabei. Auch eine erste Operation hat er bereits begleitet.
„Und auch, wenn Reptilien nicht unbedingt Tiere zum Anfassen, Streicheln und Kuscheln sind, so haben fast alle meine Patienten einen Namen“, sagt Biron mit Blick in die umfangreichen Krankenakten. Auch dieses Indiz belegt, wie eng die Beziehung zwischen Menschen und Tieren sein kann. Exotische Reptilien stellen in diesem Falle keine Ausnahme dar.
Weitere Informationen erhalten Interessierte im Internet unter www.reptilientierarzt.de und www.agark.de.
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