Wildtiere erobern Düsseldorf

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Eine Begegnung mit Wildschweinen ist mit Vorsicht zu genießen, besonders, wenn sie Junge haben.
 
Verbraucherschutzdezernentin Helga Stulgies präsentiert Tipps zum Umgang mit Wildtieren.

Düsseldorf ist zunehmend auch für Wildtiere attraktiv. Die zuständigen Ämter erklären das Phänomen und geben Tipps für den richtigen Umgang mit den „neuen Nachbarn“.

Gute Unterschlupfmöglichkeiten, keine natürlichen Feinde, dafür Nahrung im Überfluss – bei solch attraktiven Rahmenbedingungen erschließen sich immer mehr Wildtiere die Stadt als Lebensraum. Nun gibt es das Phänomen „Kulturfolger“ seit es menschliche Siedlungen gibt, aber in den letzten Jahren wurde gerade in Großstädten wie Düsseldorf eine signifikante Verstärkung registriert. Gartenamt und Amt für Verbraucherschutz erhielten verstärkt Anfragen über neue „Nachbarn“ wilden Ursprungs und gaben deshalb auf einer gemeinsamen Pressekonferenz Auskünfte.

Dass es Wildtiere verstärkt in die Landeshauptstadt ziehe, habe neben den klassischen auch spezifische Gründe. „Düsseldorf, besonders auch die Innenstadt, wird durch großflächige Park- und Grünanlagen mit weitverzweigten Wasserflächen oder Friedhöfen und zahllosen Kleingärten immer grüner und bietet Wildtieren dadurch einen naturnahen Ersatzlebensraum, der dem natürlichen sehr nahe kommt“, verrät Verbraucherschutzdezernentin Helga Stulgies.

Hinzu kämen verwilderte Brachflächen, die von Wildtieren ebenfalls gerne angenommen werden. Außerdem ist es in der Stadt im Winter zwei bis drei Grad wärmer als im Umland. Wer möchte sich da nicht gemütlich einrichten, wenn dann auch noch der Tisch reich gedeckt ist? „Für einen Fuchs ist beispielsweise leichter, eine Mülltüte aufzureißen, als eine Maus zu fangen“, so der Leiter des Amtes für Verbraucherschutz, Klaus Meyer.

Innerstädtische Gefahren drohen den Wildtieren in erster Linie durch den Straßenverkehr und durch streunende Haustiere. „Aber diese Nachteile werden von den Vorteilen des Stadtlebens bei Weitem aufgewogen“, betont Meyer, zumal sich die Tiere sehr schnell ihrem neuen Lebensraum anpassten. Das führe sogar so weit, dass nachfolgenden Generationen sich in ihrem ursprünglichen Lebensraum nicht mehr zurechtfinden. „Es gib bereits Nachkommen von Stadtfüchsen, die nur in der Stadt gelebt hätten“, sagt Meyer. Schätzungen aus der Jägerschaft zufolge lebten hier derzeit rund 400 Rotfüchse.

In Düsseldorf sind Wildtieren mittlerweile in den unterschiedlichsten Milieus heimisch geworden. Zu ihnen gehören Steinmarder, Kaninchen, Igel, Wasserschildkröten Amseln und Hornissen. Seit zwei Jahren gebe es sogar eine innerstädtische Brut von Mäusebussarden.

Was aber sollen Menschen tun, die einem Wildtier in der Stadt begegnen? Wildtiere sollten dort in Ruhe gelassen werden, wo man sie antrifft", betont Helga Stulgies. „In den allermeisten Fällen liegt kein Grund vor, den Tieren helfen zu müssen oder sich vor ihnen zu fürchten.“ Es gelte der Grundsatz: Das Tier hat viel mehr Angst vor dem Menschen als umgekehrt. Allerdings sollte man Wildtiere nicht anfassen oder in die Enge treiben.

Das einzige Tier vor dem man sich im Zweifelsfall in Acht nehmen sollte, sei das Wildschwein, besonders, wenn es Nachwuchs hat. Aber dessen Vorkommen sei – außerhalb des Wildparks – in Düsseldorf noch eine Ausnahmeerscheinung.

Hintergrundinformationen zu in Düsseldorf heimischen Wildtieren:

Füchse

Der Fuchs ist das Raubtier mit der größten Verbreitung auf der Erde.
Füchse haben ihren Lebensraum bis weit in die Düsseldorfer Innenstadt
ausgedehnt. Ein Grund, die Tiere dort einzufangen und umzusiedeln
besteht laut den Tierärzten im Amt für Verbraucherschutz der Landeshauptstadt
dennoch nicht. Bei einer Begegnung mit einem Fuchs haben die Menschen Angst vor einer möglichen Tollwutinfektion oder dem Fuchsbandwurm. Die Furcht vor Tollwut ist in jedem Fall unbegründet. Denn Deutschland ist seit mehreren Jahren frei von dieser Seuche.

Der Fuchsbandwurm kommt in Deutschland vor, in Nordrhein-Westfalen sind rund 30 Prozent der Füchse davon betroffen. Allerdings erkranken in der Bundesrepublik laut Robert-Koch-Institut (2006) jährlich weniger als 20 Menschen am Fuchsbandwurm. Der Bandwurm gehört zu den wenigen Parasiten, die beim Menschen eine ernst zu nehmende Erkrankung auslösen können. Der Fuchs scheidet die Bandwurmeier mit dem Kot aus. Der Mensch kann sich infizieren, wenn er die Eier mit kontaminierten Lebensmitteln aufnimmt.

Tipp:

Gemüse, Salate und Waldfrüchte sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden. Sicher werden Bandwurmeier nur durch Kochen abgetötet. Nach getaner Garten- und Feldarbeit sollten die Hände gründlich gewaschen werden.

Kaninchen

Das Wildkaninchen kommt in fast allen Teilen der Erde vor. In Düsseldorf
Stadt trifft man sie sehr häufig auf Friedhöfen, in Grünanlagen und
in Gärten an. Kaninchen sind reine Pflanzenfresser. Die dämmerungsaktiven
Tiere können zur Plage werden, wenn sie ihre Nahrung in Kleingärten
oder auf Friedhöfen suchen oder ihre unterirdischen Baue in
Gärten und Parkanlagen anlegen.

Im Jahr 2012 sind viele Tiere der Seuche
Myxomatose (Kaninchenpest) zum Opfer gefallen. Eine starke Vermehrung
der Population begünstigte den Ausbruch dieser Krankheit. Die Myxomatose (Myxomatosevirus) befällt ausschließlich Kaninchen und wird durch blutsaugende Insekten übertragen. Im Verlauf eines epidemischen Zyklus können nahezu alle Tiere einer Population verenden. Die Krankheit kann nicht behandelt werden.

Tipp:

Für den Menschen ist die Myxomatose ungefährlich. Für Hauskaninchen, die im Freien gehalten werden, empfiehlt sich eine Impfung.

Amseln

Die Amsel zählt in Deutschland zu den bekanntesten und mit 6 bis 8
Millionen Brutpaaren auch häufigsten Brutvögeln. Sie ist ursprünglich
ein Waldvogel und erst seit dem 19. Jahrhundert auch in der Stadt anzutreffen.
Im Jahr 2012 ist sie durch das so genannte Amselsterben in
den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Das Usutu-Virus, ein
Erreger aus tropischen Gefilden, hat sich in Teilen von Deutschland unter
den Amseln verbreitet.

Das Virus wird durch Stechmücken übertragen. Es ist bisher in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen nicht nachgewiesen worden. Da in Amselpopulationen immer ein hoher Anteil ziehender Individuen vorhanden ist, werden lokale Amselsterben in der Regel schnell ausgeglichen.

Igel

Igels sind in Eurasien und Afrika weit verbreitet. Die dämmerungs- und
nachtaktiven Tiere sind seit Jahrzehnten nicht mehr aus Gärten und
Parkanlagen wegzudenken. Bei den Düsseldorfern sind die Igel sehr beliebt.
Sie ernähren sich überwiegend von Insekten und Würmern, fressen
aber auch kleinere Wirbeltiere und Aas. Igel halten einen Winterschlaf,
der meist im November beginnt, wenn die Außentemperaturen um den
Gefrierpunkt liegen. Als Schlafplätze wählen sie Laub- und Reisighaufen,
Erdmulden oder Hecken.

Tagaktive Igel im Herbst sind keine Seltenheit und auch kein Anzeichen für Krankheit, vielmehr sind die Stacheltiere bemüht, vor dem Winterschlaf noch soviel Nahrung wie möglich aufzunehmen, um über ausreichende Fettreserven zu verfügen. Tipps im Umgang mit Igeln: Ein Füttern von Igeln ist nicht notwendig und sollte, wenn überhaupt, auf die Zeit kurz vor und kurz nach dem Winterschlaf
beschränkt werden. Nicht geeignet ist Hundefutter. Die häufig angebotene Milch führt bei den Tieren zu Durchfällen.

Die Überwinterung in menschlicher Obhut sollte die Ausnahme sein und nur sachkundigen Personen vorbehalten bleiben. Wer einen Garten hat und dem Igel einen Gefallen tun möchte, kann Laub- oder Reisighaufen über den Winter liegen lassen. Diese dienen als Überwinterungsorte. Der beste Schutz für einen Igel ist die Erhaltung seines Lebensraumes.

Steinmarder

Der Steinmarder ist in Deutschland weit verbreitet. Als einer der ältesten
Kulturfolger des Menschen eroberte er schon im Mittelalter die Stadt als
Lebensraum. Die Populationsdichte dieser Tiere ist in Städten inzwischen
sogar höher als in seinem natürlichen Lebensraum. Aus dem
Steinmarder, der ursprünglich in Steinbrüchen und Felslandschaften
beheimatet war, ist mittlerweile ein regelrechter Hausmarder geworden,
der es sich auf Dachböden gemütlich macht. Dort ist es trockener, wärmer
und geräumiger als in den meisten Schlupfwinkeln in der freien
Natur.

Der Steinmarder gilt als Allesfresser, dessen konkrete Nahrung
vom jeweiligen Angebot abhängt. Die Tiere sind nachtaktiv. Tagsüber
schlafen sie in Tagesverstecken wie zum Beispiel Schuppen und Dachböden.
Marder sind gute Kletterer und können mühelos jeden Dachboden
erreichen. Tipp: Die beste Möglichkeit sich vor diesem Untermieter zu
schützen ist ein mechanisches Verschließen der möglichen Zutrittsöffnungen.
Einen Marder lediglich zu fangen und auszusetzen führt selten zum Ziel. Das so freiwerdende Revier findet schnell einen neuen Liebhaber und das Problem beginnt von neuem.

Die modernen, städtischen Marder haben einen weiteren Lebensraum
für sich entdeckt, den Motorraum. Aufgrund der unübersichtlichen Anordnung
bietet er viele Versteckmöglichkeiten. Das Anknabbern von Kabeln und Schläuchen ist ihrer Neugier geschuldet und macht sie nicht gerade zu Freunden der Autofahrer. Welche Materialien ein Marder bevorzugt, ist nicht vorhersehbar und hängt vom individuellen Geschmack des Tieres ab.

Tipp:

Ein sicheres Mittel, den Marder aus dem Motorraum fernzuhalten, gibt es nicht. Ein Versuch ist in jedem Fall eine Motorwäsche, um alle Duftspuren des Marders zu beseitigen. Die zuvor beschädigten Teile können durch Ummantelungen geschützt werden. Die handelsüblichen Marderabwehrmittel sind meist wirkungslos.

Wasserschildkröten

In Mitteleuropa ist ursprünglich ausschließlich die Europäische Sumpfschildkröte
heimisch gewesen. In Nordrhein-Westfalen und so auch in Düsseldorf gibt es keinen Beleg für natürliche Vorkommen dieser Art. Gleichwohl werden diese Tiere, wie viele fremdländische Wasserschildkrötenarten in Gewässern ausgesetzt. Die amerikanischen Rot- und Gelbwangenschildkröten gibt es mittlerweile etwa im Unterbacher See und in vielen Parkanlagen, wo sie oft beim Sonnen beobachtet werden können.

Sie überstehen die teilweise doch recht kalten Winter in Deutschland offensichtlich sehr gut. Allerdings gibt es keine Nachweise, dass sie sich in Düsseldorf vermehren. Somit ist ihr Vorkommen vermutlich zeitlich begrenzt. Zu Problemen kommt es, wenn Arten wie die Geier- oder die Schnappschildkröte ausgesetzt werden, die mit ihrem schnabelartigen Maul auch Menschen ernsthaft verletzten können.

Hornissen

Die Hornisse ist sozusagen die große Schwester der Wespe. Allerdings jagt sie Insekten und ist so für den Menschen von Nutzen. An Marmelade, Eis oder Fleisch vergreift sie sich nicht und kommt daher eher selten mit dem Menschen in Konflikt. Das Gift der Hornisse ist schwächer als das der Wespe, durch die Größe der Tiere ist jedoch die Menge höher und daher auch die Auswirkungen des Stiches. In Düsseldorf kommt die Hornisse immer häufiger vor.

Tipp:

Finden sich ihre Nester in einem Haus ist zu beachten, dass Hornissen geschützt sind und das Nest nur in besonderen Ausnahmefällen und mit einer Genehmigung entfernt werden darf. Die Tiere reagieren auf Licht und Bewegung. Menschen sollten sich in der Nähe des Nestes nicht hektisch verhalten und an benachbarten Fenstern nicht abends bei geöffnetem Fenster das Licht anschalten.

Fragen rund um das Thema Wildtiere beantworten die Mitarbeiter im Amt für Verbraucherschutz, Telefon: 8993242.
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