Aktion Ghost Bike: Weiße Fahrräder an Unfallorten als Mahnmal für getötete Radfahrer

Anzeige
Das Ghost Bike als Mahnmal an der Kreuzung Hindenburg-/Bismarck-/Kruppstraße: Hier bog ein Auto-Fahrer nach rechts in die Kruppstraße ein. Beim Abbiegen übersah der 64-jährige Mülheimer offensichtlich die Radfahrerin auf dem Zebrastreifen. Fotos: Peter Dettmer
 
Die einen trauern still mit Blumen oder Kerzen, andere machen ihrer Verärgerung mit Beschimpfungen Luft.
Düsseldorf: ADFC-Landesverband NRW |

Kreischende Bremsen, das Geräusch eines Aufpralls zwischen einem Pkw und einem Fahrrad. Die 53-jährige Radfahrerin wird meterweit durch die Luft geschleudert und erliegt wenige Tage darauf im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Am Ort des Geschehens, einer Kreuzung am Rande der Essener City, steht jetzt ein auffälliges, weißes Rad: Ein 'Ghost Bike', aufgestellt von engagierten Essener Fahrradfahrern, als Mahnmal für den tödlichen Unfall. In Nordrhein-Westfalen wird die Aktion vom ADFC-Landesverband unterstützt und begleitet.

von Peter Dettmer

"Scheiß Raser, wieder ein Leben auf dem Gewissen!"

Die grünen Markierungen durch die Unfallaufnahme sind auf dem Asphalt noch deutlich sichtbar. An zahlreichen Stellen rundum wurden Blumen und Kerzen aufgestellt, mit denen Passanten ihre stille Anteilnahme an der Tragödie ausdrücken. Doch es gibt auch ganz andere Reaktionen: "Scheiß Raser, wieder ein Leben auf dem Gewissen", hat jemand auf ein Pappschild gemalt und dieses an den Ampelmast mitten auf der Kreuzung montiert, obwohl die Polizei die genaue Ursache des Unglücks zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht ermittelt hat und noch nach weiteren Zeugen sucht.

64-Jähriger hatte Radfahrerin auf dem Zebrastreifen übersehen

Fest steht bisher nur: Ein 64-jähriger Mülheimer Autofahrer hatte eine Frau übersehen, die mit einem Fahrrad den Zebrastreifen überquerte. Der Corsa-Fahrer stieß mit der 53-Jährigen zusammen und verletzte sie schwer. Obwohl drei Frauen sich sofort Erste Hilfe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte leisteten und ein Notarzt und Rettungssanitäter die Verletzte rasch in ein Krankenhaus brachten, verstarb die Radfahrerin. Die Polizei forderte einen Gutachter an, der Unfallort und die -spuren akribisch analysierte. Für rund zwei Stunden war die Hauptverkehrsader einseitig gesperrt (*1).

Spontane Aktion von VeloCityRuhr, Radfahrern und der Essener Fahrrad Initiative

In Essen haben sich die Mitglieder der Essener Fahrrad Initiative (EFI), Essener Radfahrer und VeloCityRuhr zu der spontanen gemeinsamen Aktion zusammen getan. Im Jahr 2003 wurde erstmalig in St. Louis in den USA ein solches Ghost Bike am Ort eines tödlichen Verkehrsunfalls mit einem Radfahrer aufgestellt. 2009 erreichte die Aktion 'Geisterräder' Berlin und wird nun bundesweit durchgeführt (*2). Vor allem der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die weiß lackierten Räder aus Spenden an den Unfallstellen aufzustellen.

Aufstellung auf Bitte von Angehörigen

"Oft sind es verbliebene Angehörige, die darum bitten, dass ein Ghost Bike als Mahnmal aufgestellt wird", erläutert Isabelle Klarenaar. Im Gespräch mit der Lokalkompass-Redaktion betont die Pressesprecherin vom ADFC Landesverband NRW in Düsseldorf, dass die Namen der Opfer auf dem Schild natürlich nur mit dem Einverständnis der Verwandten an den weißen Rädern angebracht werden. In Essen blieb das Opfer anonym. Die Standorte der Mahnmale werden mit der jeweiligen Stadtverwaltung abgestimmt und bleiben etwa sechs Monate. So ruft der Verband zu mehr Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme gegenüber Radfahrern auf. Eine Einsicht, die zu oft in Vergessenheit gerät: 2015 verunglückte durchschnittlich alle 34 Minuten ein Radfahrer in NRW. Bei 710 Verkehrsunfällen wurden zwei Radfahrer getötet, 117 schwer und 514 leicht verletzt (*3).

Quellen:
*1: Polizeibericht Essen
*2: Wikipedia
*3: Verkehrsunfallstatistik NRW 2015
3
1 2
1 2
1
1 2
2
2
19
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
15 Kommentare
15.158
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 09.09.2016 | 13:44  
29.698
Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 09.09.2016 | 13:48  
15.158
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 09.09.2016 | 14:19  
47.473
Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 09.09.2016 | 14:46  
Lokalkompass .de aus Panorama | 09.09.2016 | 15:26  
15.158
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 09.09.2016 | 16:40  
35.113
Thomas Ruszkowski aus Essen-Ruhr | 09.09.2016 | 17:18  
3.515
Siegmund Walter aus Wesel | 09.09.2016 | 22:09  
291
Roland Nelke aus Castrop-Rauxel | 09.09.2016 | 22:47  
2.959
Sabine Schemmann aus Bochum | 11.09.2016 | 11:26  
11
Anne Pauli aus Dorsten | 11.09.2016 | 13:54  
Peter Dettmer aus Essen-Borbeck | 12.09.2016 | 10:12  
291
Roland Nelke aus Castrop-Rauxel | 12.09.2016 | 11:55  
48.466
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 14.09.2016 | 12:21  
10.396
Anja Schmitz aus Essen-Süd | 16.09.2016 | 00:14  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.