Die Situation der Eltern und Hebammen in Deutschland und Düsseldorf

Anzeige
"Mein Bauch gehört Mir! Ich gebäre - Ich entscheide." 2.0
Seit der Nachricht, dass der Versicherungsmarkt für Hebammen zusammenbricht, ist nun etwas über ein Jahr vergangen.

Die Hebammen im Deutschen Hebammenverband DHV können sich noch bis Sommer 2016 über den DHV versichern, die Prämie für freiberuflich in der Geburtshilfe tätige Hebammen steigt von derzeit 5.091 Euro auf 6.274 Euro im Jahr. Hebammen im kleineren Berufsverband BfHD stehen schon ab Juli 2015 ohne Haftpflichtversicherung da, sie dürfen ohne diese Versicherung nicht mehr arbeiten.

Das ist akut und das ist dramatisch! Auch in Düsseldorf sind Nachsorgehebammen nur noch schwer zu finden wenn man zu "spät" dran ist. Die Hebammen sind über ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht und müssen unzähligen Frauen absagen. Damit haben viele Frauen nach der Geburt keine vor-Ort-Unterstützung bei Schmerzen, Problemen und Unsicherheiten im Wochenbett.

Die Situationen für außerklinische Geburtsbegleitung und Geburtsbegleitung durch Beleghebammen in Kliniken ist noch angespannter. Die 1:1 Betreuung durch eine Bezugshebamme, die nur auf diesen Wegen gewährleistet werden kann, verringert nachweislich die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnittes, sowie Eingriffe in den Geburtsverlauf und damit Komplikationen während der Geburt. Die Zufriedenheit der Frauen und Familien wird erhöht (McGrath, SK und Kennell, JH, A randomized controlled trial of continuous labour support for middle-class couples: effect on cesarean delivery rates. Birth, 35(2):92-97, 2008). Diese Art der Betreuung wird jedoch schrittweise abgebaut.

Seit Februar 2014 hat sich politisch leider nicht viel getan. Anfang Februar 2015 hat der Bundesrat über das geplante Versorgungsstärkungsgesetz beraten, welches einen Regressverzicht der Kranken- und Pflegeversicherungen im Schadensfall vorsieht. Der Zweifel des Bundesrats, dass der Regressverzicht zu einer nachhaltigen Lösung der Haftpflichtproblematik führt und bekundet erneut seine Bitte an die Bundesregierung, eine allgemeine Haftpflichtabsicherung gegen alle Medizinschäden zu entwickeln. Der GKV-Spitzenverband will Ausschlusskriterien für Hausgeburten festlegen, die wissenschaftlich nicht fundiert sind. Zum Beispiel sollen außerklinische Geburten ab errechnetem Entbindungstermin nicht mehr bezahlt werden – die freie Wahl des Geburtsortes würde damit zu einem Privileg finanziell gut gestellter Frauen. Das Bundesministerium für Gesundheit hat es bis heute nicht geschafft, eine tragfähige, langfristig sinnvolle Lösung zu erarbeiten. Ein Zuschlag der gesetzlichen Krankenversicherungen auf die Vergütung als Ausgleich der hohen Prämie ist ein Tropfen auf den heißen Stein und ändert nichts am Gesamtproblem. Dieser Zuschlag wird pro begleiteter Geburt gezahlt, die Haftpflichtprämie ist jedoch nicht an die Geburtenzahl geknüpft und für alle freiberuflichen Geburtshelferinnen gleich hoch. Zweithebammen erhalten gar keinen Zuschlag, obwohl sie die gleiche Haftpflichtprämie zahlen.

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März hat sich der Elternprotest Hebammenunterstützung (jetzt Mother Hood e.V. i.G.) an die Öffentlichkeit gewandt:

8. März 2015 - Offener Brief

an die Bundeskanzlerin – Dr. Angela Merkel
an die Bundesministerin für Frauen und Familie – Manuela Schwesig
an die Bundesministerin für Arbeit und Soziales – Andrea Nahles
an den Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz – Heiko Maas
an den Bundesminister für Gesundheit – Hermann Gröhe
an den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen
an die gesetzlichen Krankenkassen
an die Berufsstandvertretungen der Hebammen und Ärzte
an die Presse

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den kommenden Tagen wird ein neuer und auch gleichzeitig alter Ruf durch das Land hallen:
"Mein Bauch gehört mir!" 2.0 - Was dieser Ruf in seiner aktuellen Version 2.0 bedeutet, möchten wir Ihnen mit diesem offenen Brief erklären.

Erneut müssen in diesem Jahr schwangere Frauen um die Sicherheit ihrer Versorgung während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit bangen. In einem der reichsten Länder der Welt!
Wir sind fassungslos, dass die gesetzlichen Krankenkassen offenbar ernsthaft erwägen, unter bestimmten Umständen keine Kosten mehr für außerklinische Geburten zu übernehmen. Offensichtlich gilt in diesem Land der Solidaritätsgrundsatz der gesetzlichen Krankenversicherung sehr wohl für den Missbrauch von Alkohol und Nikotin, nicht aber für die Geburt von Kindern.

Doch damit nicht genug! Die Krankenkassen, wie auch die Politik, sprechen den Frauen und somit auch den werdenden Vätern in diesem Land ab, reflektierte Entscheidungen zum Wohle ihrer Kinder und ihrer eigenen Gesundheit zu treffen. Wo bleibt da das Prinzip der selbstbestimmten, freien Entscheidung (vgl. Artikel 2 GG)? Wir fordern daher die Politik – über das Bundesgesundheitsministerium hinaus – auf,
das Selbstbestimmungsrecht der Frauen endlich als solches anzuerkennen und zu definieren! Anstelle von Begriffen wie „Patientin“ und/oder „Versicherte“ sollte unserer Meinung nach von der „werdenden Mutter“ oder der „Gebärenden“ die Rede sein.
Die freie Wahl des Geburtsortes und der Geburtsbegleitung ist ein allgemeines Menschenrecht (vgl. Artikel 8 MRK). Und welcher Staat, wenn nicht dieser, ist in der Lage, seinen Frauen dieses Recht auch vollumfänglich einzuräumen? Der Zeitpunkt der Entstehung des Lebens sollte in alle Überlegungen zu den gesellschaftlichen Herausforderungen des demografischen Wandels mit einbezogen werden.

Wir benötigen ein gesellschaftliches und politisches Umdenken!
Es ist die Aufgabe der Krankenkassen, alle notwendige Vorsorge dafür zu tragen, dass Frauen und Männer in Erwartung der Geburt ihres Kindes in die Lage versetzt werden, sowohl angstfreie als auch gut informierte Entscheidungen zu treffen. Letzte Instanz für aufgeklärte Entscheidungen ist die gebärende Frau.

Wir Eltern wollen in diese politischen Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden!
Wir fordern die Krankenkassen sowie die Standesvertretungen der Hebammen und Ärzte infolgedessen dazu auf, sich mit aller Kraft für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen einzusetzen.

Dazu gehört aus unserer Sicht auch die Neuverhandlung der Vergütung in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Die Aufklärung muss angstfrei ablaufen können und ausreichend vergütet werden.

Nicht Wirtschaftlichkeit, sondern Nutzen muss über den Einsatz von moderner Technik und medizinischen Methoden entscheiden. Die natürliche, interventionsarme Geburt ist im Interesse aller Beteiligten das Maß allen Handelns und sollte prämiert werden. Es bedarf demzufolge eines Vergütungssystems, das sowohl geringere medizinische Interventionen prämiert als auch die Neuausrichtung der Schwangerenvorsorge und – im Sinne der Sicherheit für Mutter und Kind – eine kontinuierliche 1:1 Betreuung durch eine Bezugshebamme unter der Geburt eines jeden Kindes.

Dies fordern wir für die jährlich rund 670.000 geborenen Kinder und deren Eltern.

Mother Hood (e.V. i.G.)
Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft,
Geburt und 1. Lebensjahr
-Vereinsgründung aus dem Elternprotest Hebammenunterstützung-
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.