Dreikönigsforum des NRW-Handwerks: Die deutschen Sparer zahlen die Zeche für den schwachen Euro

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(von links nach rechts) Josef Zipfel, Hauptgeschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages (NWHT), Professor Dr. Henning Vöpel, Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der SIGNAL IDUNA, Prof. Dr. Friederike Welter, Moderator Holger Steltzner, FAZ, Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, Michael Breuer, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband, sowie Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf und des NRW-Handwerkstages. (Foto: Wilfried Meyer/Handwerkskammer Düsseldorf)
 
Beim Forum wurde Klartext geredet. (Foto: Wilfried Meyer/Handwerkskammer Düsseldorf)

Die Zeche für die Eurokrise und die Schuldenmacherei der Südländer werden die deutschen Sparer zahlen müssen. So lautete die Kernaussage des hochkarätig besetzten Forums auf dem diesjährigen Dreikönigstreffen des NRW-Handwerks.

Am 15. Januar war von der Absicht der EZB, Staatsanleihen in Höhe von gut 1,1 Billionen Euro aufzukaufen noch nichts bekannt. Dennoch hatte in Erwartung dieses Schritts zuvor die Schweizer Notenbank die Bindung des Franken an den Euro aufgegeben. Dies floss in die aktuelle Diskussion mit ein. Und so war das Forum treffend mit dem Titel "Das Verschwinden des Zinses" und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft, den Mittelstand und die Altersvorsorge überschrieben.


Griechenland bleibt ein Problem

NWHT-Präsident Andreas Ehlert erinnerte in seinem Grußwort an die im Rückblick prophetischen Worte seines im vergangenen Jahr verstorbenen Amtsvorgängers: Professor Wolfgang Schulhoff habe immer gesagt, dass Griechenland mit der derzeitigen Rettungspolitik nicht auf die Füße kommen könne, weil sie zu einem Anwachsen der Verschuldung Griechenlands führe. "Hier sind genügend Sachkundige im Raum, die wissen, wie eine Unternehmens-Sanierung funktioniert: Forderungsverzicht, Opfer der Belegschaft und der Eigner, Flankierung durch eine öffentliche Bürgschaft und das Ganze auf der Basis eines belastbaren Business-Plans. Ich vermag das alles in Griechenland nicht zu erkennen", erklärte Ehlert. Mit der Frage was passieren würde, wenn Kreditinstitute und Versicherungen des Mittelstandes zwischen wachsenden Bürokratielasten und Nullzinspolitik aufgerieben würden, leitete Ehlert zum Forum über, das auch diesmal wieder vom Herausgeber der F.A.Z. Holger Steltzner moderiert wurde.


Die Sparer bluten, die Gläubiger werden geschont

Professor Henning Vöpel, Direktor des hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts, hat auch über das Thema Versicherungswirtschaft gearbeitet. Die Sparer hätten heute unter den niedrigen Zinsen zu leiden, weil die Politik in der Eurokrise entschieden habe, die Gläubiger zu schonen, erklärte Vöpel eingangs. "Ich sehe arge Probleme durch Anleiheaufkäufe durch die EZB", prophezeite Vöpel.

Die Sparer verlieren ihr Geld, das sei Enteignung und ärgere ihn, stimmte Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands, zu. Die EZB glaube, über Liquidität die strukturellen Probleme der Südländer zu überwinden. Breuer lehnte die Politik des leichten Geldes ab. Eine Niedrigzinspolitik könne man bestenfalls ein bis drei Jahre, aber nicht dauerhaft betreiben. Dafür seien die Kollateralschäden zu groß.

Niedrigzinsen treffen den Mittelstand

Professorin Frederike Welter, Präsidentin des Instituts für Mittelstandforschung in Bonn, sah durch die niedrigen Zinsen erhebliche Auswirkungen auf die Altersvorsorge. Durch den Wertverlust des Geldes werde die Altersarmut im Mittelstand zunehmen.

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal-Iduna-Gruppe, glaubte nicht, dass die Niedrigzinsphase dauerhaft sein werde. Versicherungen planten in sehr langen Zeiträumen von bis zu 50 Jahren. Die Versicherungswirtschaft habe immer noch Papiere mit langen Laufzeiten und guten Zinsen im Portfolio. Man solle die Lebensversicherungen nicht verteufeln: 3,5 bis 4 Prozent Rendite seien immer noch drin. Alle, welche die Leute auffordern nicht zu sparen, solle man zur Verantwortung ziehen, meinte Leitermann. Die Folge sonst: In Zukunft würden die Sozialsysteme mehr belastet. Stattdessen müsse der Staat die Altersvorsorge stärker steuerlich fördern, um die private Vorsorge zu stärken.


Erhebliche Pensionsverpflichtungen müssen bedient werden

Etwa 24 Milliarden Euro an privatwirtschaftlichen Pensionsverpflichtungen liegen nach Erhebungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags für das Jahr 2014 bei klein- und mittelständischen Unternehmen. Aber um ihren Pensionsverpflichtungen nachkommen zu können, müssen die Unternehmen ausreichend Kapital aufbauen. Je niedriger die am Markt erreichbare Verzinsung ist, desto mehr Mittel aus dem laufenden Geschäft müssen die Unternehmen daher einsetzen, um ihre Pensionszusagen auszufinanzieren. Dauert die Niedrigzinsphase noch lange an, sodass von den Unternehmen z.B. nur noch eine durchschnittliche Rendite von 3 Prozent statt des bisherigen Bundesbank-Referenzzinses von 4,88 Prozent erzielt werden kann, ergibt sich für deutsche KMU bereits eine Deckungslücke von 4,1 Milliarden Euro. Manche Unternehmen rechnen noch mit einem Referenzzins von sechs Prozent. Diese Mittel, die aus dem laufenden Geschäft erbracht werden müssen, verringern die Investitionsmöglichkeiten des Mittelstands.

Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, wies darauf hin, dass 40 Prozent der Betriebe in Dresden von Solo-Selbstständigen geführt würden. Diese hätten überhaupt keine Möglichkeit Geld fürs Alter zu sparen. Das Vertrauen in den Euro sei stark erschüttert.

Professor Vöpel fand, dass es in unserer alternden Gesellschaft zunehmend schwieriger werde, mit niedrigen Renditen eine angemessene Altersvorsorge anzusparen. Die Bundesregierung habe sich die schwarze Null aufgrund fehlender Investitionen in die Infrastruktur erkauft. Ferner hätten lediglich die gestiegenen Exporte dazu geführt, dass man schon im Jahr 2014 einen ausgeglichenen Haushalt feiern konnte.

Fakt ist: Derzeit ist der Bund in der komfortablen Lage, sich Geld günstig am Kapitalmarkt zu verschaffen. Bundesfinanzminister Schäuble spart durch die derzeit niedrigen Zinsen beim Verkauf neuer Bundesanleihen. Klar, dass hohe Zinsen den Bundeshaushalt mehr belasten würden und der Bund kein Interesse an einem Zinsanstieg hat.

Diese Analysen der Podiumsrunde fanden die breite Zustimmung des Publikums wie die anschließende offene Diskussion zeigte.
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