Fast friedliche Demonstrationen

Anzeige
5.000 Düsseldorfer setzten in Düsseldorf ein Zeichen. Foto: Lammert
 
Sprachen bei der Gegendemo: OB Thomas Geisel und Carina Gödecke. Foto: Lammert
Sie kamen aus allen Richtungen: Die 5.000 Menschen, die am Montagabend auf der Friedrich-Ebert-Straße für Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gingen.

Der abgesperrte Teil der Straße vor dem DGB-Haus glich einem Menschenmeer. „Wir sind hier, um ein Zeichen zu setzen für Toleranz und Vielfalt“, sagte Landtagspräsidentin Carina Gödecke. „Unsere Demokratie lassen wir uns von niemandem in Zweifel ziehen“, so Gödecke weiter, die wie Oberbürgermeister Thomas Geisel und dem hiesigen IG-Metall-Boss Nihat Öztürk zu den Menschen sprach.
Während sie das taten, versammelte sich die Dügida-Bewegung, ein Ableger des islamkritischen Pegida-Bündnisses vor dem Hauptbahnhof. Eine kleinere Gruppe von etwa 30 Personen hatte es bereits im Vorfeld auf die Friedrich-Ebert-Straße geschafft, durch eine Blockade der Antifa-Bewegung versammelten sich die weiteren rund 300 Personen Deutschlandfahnen schwenkend vor dem Hauptbahnhof. Auch ein Kruzifix, gespickt mit einer schwarz-rot-goldenen Trikolore wurde von Anhängern der Dügida-Bewegung gezeigt. Der Start der mit 300 Teilnehmern angemeldeten Demonstration verzögerte sich aufgrund des Aufkommens der Gegendemonstranten immens.

Mehr als 1.000 Beamte im Einsatz

Mehr als 1.000 Polizeibeamte sorgten dafür, dass die Demos ohne größere Störungen verliefen, trennten die beiden Gruppen durch Straßensperren, Barrieregitter und Fahrzeugblockaden. Auch eine Reiterstaffel kam auf dem Konrad-Adenauer-Platz vor dem Hauptbahnhof zum Einsatz und zeigte Polizeipräsenz. Und auch für den Autoverkehr war der Großraum um den Hauptbahnhof und Teile der Innenstadt gesperrt. Somit war es mitunter zum Beispiel auf der Karlstraße oder dem Stresemannplatz gespenstisch leer, wenn der kleine Zug der Dügida-Bewegung ihre Kundgebung vom Hauptbahnhof auf die Graf-Adolf-Straße, Ecke Immermannstraße verlegte und vorbeigezogen war. Auch in den Quer- und Seitenstraßen hatten sich Gegendemonstranten versammelt. Vereinzelt beteiligten sich auch Anwohner der Graf-Adolf-Straße an der Gegendemonstration. Diese trommelten und pfiffen bei Vorbeizug der Dügida von ihren Balkonen. Die Demonstration vor dem DGB-Haus verlief ausnahmlos friedlich. „Ich bedauere aber, dass sich die Polizei wieder den Angriffen von Störern entgegenstellen musste und dabei vier meiner Beamten verletzt wurden“, so der Einsatzleiter. Durch Wurfgeschosse und bei Durchbruchversuchen aus den Reihen von Gegendemonstranten wurden vier Beamte verletzt. Mehrere Strafverfahren wurden eingeleitet. Wegen der wiederholten Aggressionen musste die Polizei auch die Abreise der Teilnehmer der Dügida-Versammlung schützen.

Viele Stimmen riefen zum Düsseldorfer Appell auf

Viele Stimmen hatten vorher dazu aufgerufen sich dem Düsseldorfer Appell anzuschließen.
In einer groß angelegten Pressekonferenz hatten 20 Institutionen und Vereine aus Kultur und Sport zu Gegendemonstrationen unter dem Motto „Humanität - Respekt - Vielfalt“ aufgerufen. „Düsseldorf braucht kein Dügida“ hieß es von Seiten der Arbeitsagentur und des Jobcenters, und die Regierungspräsidentin Anne Lütkes schaltete die Außenbeleuchtung des Dienstgebäudes der Bezirksregierung in der Cecilienallee ab. Auch andere Gebäude blieben indes dunkel: der Rheinturm, die Kuppel der Tonhalle, die Lambertuskirche oder das Riesenrad: Düsseldorf setzte ein Zeichen gegen Intoleranz.
Gegenüber dem Rhein-Boten warnt die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel aber vor „einfachen Antworten“ der Politik: „Viele Menschen in Deutschland betrachten mit Sorge die Geschehnisse in der Welt und es ist verständlich, dass daraus gewisse Ängste entstehen, die wir ernstnehmen müssen. Die Sorge um unsere bürgerliche Leitkultur aus christlicher Tradition in Deutschland darf jedoch nicht zu Ausländerfeindlichkeit und Islamhass führen. Wir müssen besonnen sein und als Gesellschaft zusammenarbeiten, um unsere offene, freiheitliche und rechtsstaatliche Gesellschaft zu schützen.“

Weiterhin im Dialog

Monika Lent-Öztürk, Vorsitzende von Mosaik e.V – Zentrum zur Förderung des interkulturellen Dialogs in Düsseldorf und Umgebung: „In Deutschland haben wir ja immer mal wieder mit rechtsradikalen, antisemitischen und islamfeindlichen Bewegungen zu tun. Nach den jüngsten Aufmärschen der Pegida/Kögida/Dügida sind bei mir die Erinnerungen an die jüngsten NSU-Morde, die Brandanschläge und Übergriffe auf Flüchtlingswohnheime, türkische Familien wie in Mölln und Solingen wieder schmerzhaft wach geworden. Ich empfinde das als latente Bedrohung, gegen die man sich als Bürger einer internationalen Stadt wie Düsseldorf engagieren muss. Die kaltblütige und gezielte Hinrichtung der Mitarbeiter des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ und die Ermordung der Geiseln in einem jüdischen Geschäft haben mich erschüttert. Für uns ist klar, dass wir weiterhin versuchen werden, im Dialog mit Menschen anderer Religionen und Kulturen Brücken zu bauen beziehungsweise „erschütterte“ Brücken zu konsolidieren.“
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.