Früher gab'an jeder Ecke eine Kneipe, heute muss man etwas weiter gehen... (Foto: Peter Smola / pixelio.de)
In Deutschland gibt es immer weniger klassische Kneipen, und in NRW ist der „Schwund“ offenbar noch größer als anderswo: Hier hat laut WAZ seit 2001 jede dritte Kneipe dicht gemacht.
Im vergangenen Jahrzehnt verschwand in NRW jeder dritte Schankbetrieb, bundesweit "nur" jeder vierte. Das ergibt sich aus der Umsatzsteuer-Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Demnach zahlten 2010 bundesweit noch 35.638 Schankwirtschaften Umsatzsteuern, davon 9667 in NRW. Die "getränkegeprägten Gastronomiebetriebe" sind vor allem in ländlichen Gebieten auf dem Rückzug. Doch auch die Eckkneipen in den großen Städten sind betroffen, wie aus den Gewerbestatistiken der Kommunen hervorgeht.
Drastischere Entwicklung auf dem Land
In den Städten und Kreisen vom Niederrhein bis zum Sauerland wurden deutlich mehr Gastronomiebetriebe abgemeldet als angemeldet: Duisburg verlor allein im vergangenen Jahr unterm Strich 84 Gastronomen. Nicht viel anders sah es im übrigen Ruhrgebiet aus, ob in Essen (-52), Oberhausen (-24), Bochum (-45) oder Gelsenkirchen (-81). Ausnahmen sind das solvente Düsseldorf (+11), die reichste Revierstadt Mülheim (+12) und die Westfalen-Metropole Dortmund, die ihre Gastronomie-Betriebe immerhin halten konnte. In den ländlichen Gebieten ist die Entwicklung drastischer: Im Kreis Wesel gab es für 67 geschlossene Restaurants und Kneipen keinen Ersatz, der Märkische Kreis verlor 53, der Ennepe-Ruhrkreis 55, der Hochsauerlandkreis 21 und Siegen-Wittgenstein 20 Lokale...
Was könnten die Ursachen sein?
Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga macht für das Sterben der klassischen Dorfkneipe die zunehmende Konkurrenz durch Vereinslokale und Freiwillige Feuerwehren verantwortlich. Dort sprach man sogar von "Wettbewerbsverzerrung", wenn beispielsweise Vereinsheime ohne Konzession ihre Gäste bewirteten. In den Städten hingegen könnte die Konkurrenz eher aus der eigenen Branche kommen, weil junges Publikum eher in „Speiselokale mit Bar-Charakter“ geht. Manche Gastronomen sehen das Problem allerdings vielmehr in der Vielzahl der Abgaben und bürokratischen Vorgaben, die ihr Geschäft erschweren. Foto Nummer drei verdeutlicht das recht unterhaltsam…
Was meint Ihr: Haben wir wirklich so viele Kneipen verloren? Wenn ja: woran könnt's liegen? Was sagen die Kneipenwirte in Eurem Stadtteil???
1. Das Rauchverbot
2. Die Preise
3. die Leute haben immer weniger Geld
4. die Konkurrenz, wozu sicherlich auch die, von der DEHOGA angeführten Gründe zählen.
Ich denke, das ist auch eine Frage der Generationen. Ich kenne kaum noch jemanden, der 40 Jahre oder jünger ist, der in eine klassische Kneipe geht. Die meisten bevorzugen, wenn überhaupt, eine "stylische" Bar. Ich selber gehe auch nicht in Kneipen, viele empfinde ich als arg vernachlässigt und überhaupt nicht mehr einladend ...
ich glaube: früher wurde einfach die nächstgelegene Kneipe zur "Stammkneipe". mittlerweile lassen sich die Leute aber immer mehr durch Argumente wie schicke Einrichtung, coole Musik oder "bester Kaffee der Stadt" locken. Wer ne Kneipe am Leben erhalten will, braucht ein vernünftiges Vermarktungs-Konzept (vor allem Alleinstellungsmerkmale "was unterscheidet diesen Laden von den anderen im Umkreis")
Ich denke, die althergebrachte, also "typisch" genannte Ruhrgebietskneipe stirbt aus. Wer sich hält, hat sich weiterentwickelt - zum Beispiel mit einem simplen Sky-Anschluss. Da aber nicht ununterbrochen spannende Fußballspiele gezeigt werden können, reicht das auch nicht unbedingt für längere Zeit. Wenn es Zukunft haben soll, kann es so aussehen wie die S6-Bar in Essen-Stadtwald. Aber auch die hängt durchaus von der Erlaubnis zu rauchen ab.
Wir haben Bier-Gärten, meist hinterm Haus. Kiste Bier ist schnell kalt gestellt. Die Nachbarn in Ordnung. Bei Regen gehts ins Gartenhäuschen. Passt scho.
Im allgemeinen liegt es an der zu hohen Pacht und an den Nebenkosten die ein Pächter so aufbringen muss. Mein Wirt hat auch so ein kleines Lokal wo gerade einmal so 40 Gäste rein passen. Von den 40 kommen in der Woche am Tage vieleicht 15 bis 20 Gäste. An den Samstagen wenn S04 auswärts spielt ist für drei Stunden die Bude voll und dann gehts normal weiter. Natürlich hört sich das gut an, wenn beim Fussball auch ein paar Bier getrunken werden, aber der Verdienst den der Wirt dadurch hat, geht voll für den Skyanschluss drauf. Also kein Verdienst und wenn er die 3000 Euro im Jahr nicht investieren würde, dann würden auch noch die letzten Kunden wegbleiben und sich irgendwo beim Nachbar ins Gartenhäuschen setzen und da sein Püllchen Bier trinken mit Sky.
Es gibt ja nicht nur Fußball im TV, Formel 1 usw. ist auch noch als Anreiz da. Woanders gibt es kleinere Speisen oder Kaffee und Kuchen, bei gutem Wettter auch draußen. Andere locken mit Preisaktionen an bestimmten Wochentagen. Wenn dann nicht jede Kneipe diesselbe Bier-, Alt- oder sogar Kölschsorte hat, Schnaps und Likörspezialitätem aus der Region, ist sogar eine Auswahl da.
Wozu dann noch groß nach D'dorf, Hagen, Dortmund oder so mit der Bahn (oder doch Auto?) und dort "Touri" anstatt "Immi" sein.
Die Politik setzt rigoros ihre Pläne in die Tat um. Wo früher noch von "Aufbau Ost" die Rede war, wird jetzt im Schnellverfahren "Abbau West" durchgeboxt. Aber irgendwie schade.
Ich glaube auch, dass das Problem etwas mit dem Alter zu tun hat. Viele Leute in meinem Alter haben gar keine Lust mehr, den ganzen Abend in einer verrauchten Kneipe zu sitzen und gehen daher lieber in etwas modernere Cafés oder Bars, wo zumindest die Raucher von den Nichtrauchern getrennt sind.
Lohndumping, steigende Arbeitslosigkeit auf der einen Seite und explodierende Kosten bei Energie, Mieten und Lebensmittel auf der Anderen. Dann spart man im Freizeitbereich und dazu gehört die Gastronomie.
Der gesunde Schluck aus der Preiserhöhungspulle nach Euroeinführung, Rauchverbot, Gemagebühren u.s.w. bedeuten dann das endültige AUS.
Ein gravierender Punkt ist auch, dass sich Sportvereine egal welcher art, aus den Gaststätten zurückgezogen haben. Vor ungefähr 15 Jahren hatte fast noch jeder Verein ein Vereinslokal, dass ist heute noch ganz selten der Fall. Die Klassischen Vereine wie Fussball, Handball, Tischtennisvereine usw. haben auf ihren Sportanlagen ihre Vereinsheime gebaut oder andere Räumlichkeiten eingerichtet und da ist heute der Treffpunkt, wo auch eben eine gute Bewirtung dabei ist. In meinem Stadtbezirk in Gladbeck/Zweckel waren vor ungefähr 15 Jahren noch ca. 18 Gaststätten, heute sind davon noch gerade einmal 3 Stück überig geblieben. Zu diesem Wandel haben wie schon gesagt auch die hohen Pachten, der Bierpreis und das zuletzt eingeührte Rauchverbot zu dieser Situation geführt. Ich glaube auch nicht daran, dass sich der klassische Gaststättenbereich ohne Restaurantbetrieb in der Zukunft wieder erholen wird.
das ist wahrscheinlich auf das gleiche Phänomen zurück zu führen unter der auch die klassiche Tageszeitung leidet. Die alten Kunden sterben buchstäblich aus und die Jungen rücken nicht nach, weil sich das Konsumverhalten in die "Speiselokale mit Bar-Charakter" entwickelt hat!
@Walli: ein Zeitungs-Abo mit einer Internet-Flat zu vergleichen, finde ich ehrlich gesagt genauso schräg. Die Internet-Flat wäre im realen Leben so etwas wie der Zugang zu Straßen!
Und bedenke: ohne die Einnahmen aus Abos und Anzeigen hätte man den LK überhaupt nicht realisieren können !!!
"Die Internet-Flat wäre im realen Leben so etwas wie der Zugang zu Straßen!"
...und mein Vergleich ist schräg???
Aus dem Internet kann ich mir alle wichtigen Nachrichten heraus holen und noch einigews mehr zu einem Preis, wo ich bei einer Tageszeitung nur gefilterte und alte Nachrichten angeboten bekomme. Was ist daran schräg?
Ich verstehe zwar Deine Sicht als Nachrichten-Konsument, aber der Vergleich "Zeitung" vs "Internet-Flat" hinkt, denn das eine ist ein Medienangebot, das andere nur ein allgemeiner Kommunikations-Zugang. sinnvoll wäre zB ein Vergleich Spiegel und Spiegel Online!
verstehst Du was ich meine?
und: kommen wir nochmal zurück zu den Kneipen? Das Thema Medienwandel können wir dann ja wieder diskutieren, wenns Beiträge dazu gibt (oder per Mail), ok?
Ist doch klar, was Stanley damit sagen will, ein Zeitungsverlag ohne Konsumenten einer Tageszeitung, würde doch kurz über lang den Betrieb einstellen und somit würde auch im Internet nichts mehr von dieser Zeitschrift erscheinen. Desto größer der Umsatz der Zeitungsverleger, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir übers Internet auch über diese Artikel einer Zeitschrift komminizieren können, oder liege ich da falsch????
Vielen Dank, dass Du meine Sicht als Nachrichten-Konsument verstehst. Gerade da liegt der Hase im Pfeffer begraben, der Konsument entscheidet, egal wie es Zeitungsverlage sehen möchten!
Nur das noch zum Abschluß.
@Jürgen
Insofern nicht klassisch, da ich als Verbraucher nicht bezahlen muß und die Ztg. nicht in den Papierkorb wandert.
Wer sagt denn, dass man Nachrichtén der Zeitungsverlage konsumieren muß?
@Walli: wir haben da wohl unterschiedliche Ansichten, die wir aber nicht hier ausdiskutieren sollten, sondern eher unterhalb eines Beitrags zum Thema "Medien im Wandel" oder so. und dann überzeug ich Dich vielleicht doch noch! ;-)
Hier - unterm Beitrag zum Thema Kneipen - sage ich: Habt nen schönen Feierabend!
@Stanley Vitte - da habe ich aber jetzt einen Stein ins Rollen gebracht, der am eigentlichen Thema vorbei ging!
@Walli Peters - Tageszeitung vs. Internetflatrate, wirklich interessanter & kontroverser Vergleich!
Leider nimmt die Anzahl der Gaststätten tatsächlich ab. Tatsächlich sind in meinem Wohnumfeld in letzter Zeit (mehrere Jahre) drei bis zur Schließung gute Gaststätten geschlossen worden und sind auch bisher nicht mehr geöffnet worden. Es fehlt sicher auch an potenziellen Pächtern, die sich viele Stunden um die Ohren hauen wollen und sicher auch hohe Pachten zahlen. Dazu kommen natürlich viele weitere Faktoren, die in anderen Beiträgen teils schon genannt wurden. Die Stadtteilgastronomie, so sehe ich es jedenfalls in meinem Wohnumfeld, nimmt weiter ab, das Angebot wird unatraktiver.
Ja das ist schwer, Behörden können da eher wenig machen. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten (hohe Pachten, nicht kostendeckende Erträge, Steuer- und Sozialabgabenlast, Raucherdiskussion etc.) führen weitestgehend zu dieser Situation. Und wenn eine Gaststätte mehrere Pächterwechsel in kurzer Zeit erleidet, wird die Neuverpachtung immer schwieriger.
Von Stadtverwaltung, Bezirksvertretung und den umliegenden Gewerbebetrieben könnten Aktionen wie Staßenfeste oder andere Attraktionen vielleicht zu einer Belebung beitragen.
Allerdings müssen da die Behörden auch erheblich flexibler werden und die Vorschriften unkomplizierter auslegen sowie schneller bearbeiten.
Ich kann da zur Zeit über einige Erfahrungen bei der Planung einer Roadshow in dieser Hinsicht berichten.
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