Vier Fragen an .... heute: Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen

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Ministerin und stellv. Ministerpräsidentin des Landes NRW - Sylvia Löhrmann (Foto: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW NRW)))
Düsseldorf: NRW Landesregierung | Die Vita unserer Landesministerin Sylvia Löhrmann liest sich kurzweilig und hochinteressant. Ich schließe daraus, einer wirklichen Expertin in Sachen Politik und Bildungswesen meine vier Fragen stellen zu dürfen. Die erfahrene Pädagogin und überzeugte BündnisGrüne Sylvia Löhrmann steht u.a. für Planungssicherheit für Schulen, Lehrer, Schüler(innen) und Eltern, für eine Personalverstärkung durch qualifizierte Lehrkräfte und für eine zeitgemäße Modernisierung der Schulen in NRW.

Gerne war sie bereit, sich den vier Fragen zu stellen.

1. Eine Zukunft ohne Bildung ist nicht möglich. Wo liegen die Schwerpunkte der Bildungs- und Schulpolitik in den nächsten Jahren?

Unsere Gesellschaft und damit auch unsere Schulen befinden sich in einer Zeit des Wandels. Die Integration von Flüchtlingen, die demografische Entwicklung und die Digitalisierung sind einige der Herausforderungen, denen Nordrhein-Westfalen sich ganz aktuell stellt und auch in Zukunft stellen muss. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Bildungs- und Schulpolitik ist das Thema Inklusion. Hier kann Nordrhein-Westfalen auf eine lange Tradition des Gemeinsamen Lernens in vielen ausgezeichneten Schulen zurückblicken. Wir wissen daher auch: Inklusion ist nicht von jetzt auf gleich umzusetzen, sondern braucht den langen Atem aller Beteiligten. Das ist eine Generationenaufgabe.


2. Schnittstelle Schule/Studium/berufliche Ausbildung .... wie sieht hier zukünftig eine bestmögliche Kooperation aus?

Nordrhein-Westfalen hat ein landesweites, verbindliches Übergangssystem von der Schule in Beruf und Studium aufgebaut. Unser Projekt "Kein Abschluss ohne Anschluss" ermöglicht eine systematische Berufs- und Studienorientierung ab der 8. Jahrgangsstufe - und zwar in allen Schulformen. Schülerinnen und Schüler können sich damit gezielt über ihre Studien- und Berufsmöglichkeiten informieren und ihre Interessen und Neigungen in Praxisphasen ausprobieren. Bis zum Ende der Schulzeit wird mit den Schülerinnen und Schülern eine individuelle Anschlussperspektive erarbeitet. Nach nur drei Jahren konnten wir im September ein positives Zwischenfazit ziehen.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor dabei ist die kommunale Koordinierung: Die Schulen kooperieren mit Unternehmen, Kammern, Berufsberatung der Arbeitsagenturen, Jugendhilfe und Hochschulen.

Ich freue mich sehr, dass mit Beginn des neuen Schuljahres 2016/2017 bereits rund 420.000 Schülerinnen und Schüler an dem Landesprojekt teilnehmen werden, ab dem Schuljahr 2018/2019 werden dann flächendeckend alle rund 510.000 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 10 von "Kein Abschluss ohne Anschluss" profitieren.


3. Mit welchen Mitteln versucht Nordrhein-Westfalen, kurz- und mittelfristig in der Bildung eine Spitzenposition zu erreichen?

Wir investieren in die Qualitätssicherung und in die Qualitätsentwicklung. Ein zentrales Element dabei ist die Umsetzung der KMK-Bildungsstandards. Hier haben wir durch die flächendeckende Einführung von Kernlehrplänen in allen Fächern und Schulformen eine wichtige Etappe auf dem Weg zu kompetenzorientiertem Unterricht erreicht. Wir setzen damit ein zeitgemäßes, umfassendes Gesamtkonzepts für die Entwicklung und Sicherung der Qualität schulischer Arbeit um.
Um die Schulen auf diesem Weg zu begleiten, haben wir die Qualitätsanalyse neu justiert, ein Landesinstitut wieder aufgebaut sowie die Fortbildung qualitativ neu aufgestellt und quantitativ ausgeweitet.
Wir tragen mit der Novelle des Lehrerausbildungsgesetzes neuen bildungspolitischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung und sorgen für eine Lehrerausbildung auf der Höhe der Zeit. So werden für alle Studierenden Module zum Thema Inklusion verpflichtend, auch mit dem Thema "Lernen in der digitalen Welt" werden sich alle auseinandersetzen. Künftige Lehrkräfte werden so noch besser auf einen professionellen Umgang mit Heterogenität und Vielfalt vorbereitet.
Mit dem Referenzrahmen Schulqualität haben wir in Nordrhein-Westfalen darüber hinaus ein Instrument entwickelt, das Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern Orientierung bietet und schulische Planungs- und Gestaltungsprozesse ebenso wie Maßnahmen schulinterner Evaluation unterstützt.
Individuelle Förderung ist eines unserer zentralen Anliegen. Durch landesweite Kooperationen wie das Netzwerk "Zukunftsschulen NRW" werden entsprechende Best Practice Beispiele, Initiativen und Projekte gebündelt und die Schulen bei Austausch und Umsetzung unterstützt.

Zusätzlich tun wir auch etwas für die äußeren Rahmenbedingungen. Die Landesregierung hat sich mit dem Programm "Gute Schule 2020" zum Ziel gesetzt, unsere Schulen in den kommenden vier Jahren fit für die Zukunft zu machen. In Zusammenarbeit mit der NRW.BANK entwickeln wir zurzeit ein kommunales Investitionsprogramm, das für unsere Städte und Gemeinden bis 2020 insgesamt zwei Milliarden Euro sowohl für die Renovierung der Gebäude und Klassenzimmer als auch für den digitalen Aufbruch "Schule 4.0" zur Verfügung stellt.


4. Reicht die Anzahl qualifizierter Lehrkräfte und Pädagogen aus oder muss hier kurzfristig personell aufgestockt werden?

Integration und Inklusion sind zusätzliche Herausforderungen für unser Schulsystem, auch in personeller Hinsicht. Die Landesregierung, die Kommunen und alle Beteiligten in unseren Schulen leisten zurzeit außergewöhnliche Arbeit, besonders im Bereich der schulischen Integration von Flüchtlingskindern. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, wurden seit 2015 zusätzliche 6.431 Stellen geschaffen. In dieser Summe enthalten sind 1.200 zusätzliche sogenannte Integrationsstellen für die Sprachförderung. Die restlichen Stellen werden z.B. zur Abdeckung des erhöhten Grundbedarfs oder für multiprofessionelle Teams eingesetzt. Sie kommen damit allen Schülerinnen und Schülern zugute.
Außerdem sind 10.400 Stellen durch demografische Effekte im System geblieben - also Stellen, die auf Grund des Schülerrückgangs hätten abgebaut werden können - und für den Ausbau des längeren gemeinsamen Lernens sowie des Ganztags, für die Integration und die Inklusion investiert worden.
Die Landesregierung setzt im gesamten Bildungsbereich einen klaren Schwerpunkt und stellt entlang der ganzen Bildungskette zusätzliche Ressourcen zur Verfügung. Wir steigern die Bildungsausgaben für 2017 um 950 Millionen Euro auf 29 Milliarden Euro, damit ist der Bildungsetat der größte Posten im Landeshaushalt.


Ich bedanke mich bei Frau Löhrmann für das Mitmachen an dieser Medienserie und wünsche ihr alles Gute und viele Erfolge bei ihrer zukünftigen Arbeit.
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13 Kommentare
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 14.11.2016 | 16:57  
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 14.11.2016 | 17:20  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 14.11.2016 | 19:59  
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Willi Heuvens aus Kalkar | 14.11.2016 | 20:15  
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Josef Dransfeld aus Duisburg | 14.11.2016 | 23:46  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 15.11.2016 | 00:02  
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Martina Janßen aus Hattingen | 15.11.2016 | 00:44  
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Josef Dransfeld aus Duisburg | 15.11.2016 | 01:16  
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Josef Dransfeld aus Duisburg | 15.11.2016 | 02:38  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 15.11.2016 | 06:19  
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Willi Heuvens aus Kalkar | 15.11.2016 | 07:55  
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Elisabeth Jagusch aus Schermbeck | 15.11.2016 | 16:08  
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Martina Janßen aus Hattingen | 16.11.2016 | 00:20  
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