Diabetes: eine schleichende Erkrankung - Interview mit Professor Dr. med. Karsten Müssig

Professor Dr. med. Karsten Müssig (Foto: Uniklinik Düsseldorf)

Viele Menschen leiden unter Diabetes – manchmal sogar, ohne es zu wissen. Am 14. November ist Welt-Diabetes-Tag. Der Rhein-Bote sprach mit Professor Dr. med. Karsten Müssig, Leiter des Klinischen Studienzentrums und der Arbeitsgruppe Ernährung am Deutschen Diabetes-Zentrum und Oberarzt in der Klinik für Stoffwechselkrankheiten am Universitätsklinikum Düsseldorf.


Was ist Diabetes?

Der Begriff Diabetes mellitus fasst verschiedene Stoffwechselerkrankungen zusammen, die eine Erhöhung des Blutzuckers gemeinsam haben. Während beim Typ 1 Diabetes infolge einer autoimmunen Zerstörung der Insulin-produzierenden Beta-Zellen ein absoluter Insulinmangel besteht, liegen dem Typ 2 Diabetes eine Insulinresistenz von Muskel, Fettgewebe und Gehirn und eine Unfähigkeit der Bauchspeicheldrüse, die Insulinresistenz durch eine vermehrte Insulinfreisetzung zu überwinden, zugrunde.

Wieviele Menschen sind betroffen?
Deutschland belegt, was die Diabeteshäufigkeit angeht, einen Spitzenplatz in Europa. Es ist davon auszugehen, dass bei etwa acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung, also rund sechs Millionen, ein Diabetes diagnostiziert wurde.
Zudem besteht eine erhebliche Dunkelziffer von Betroffenen, die nicht von ihrer Erkrankung wissen. Bei den 55- bis 74-Jährigen beispielsweise liegt ebenso häufig ein unbekannter wie ein bekannter Diabetes vor, in beiden Fällen nämlich bei acht Prozent. Die Zahl der Betroffenen wird in den kommenden Jahren weiter steigen, zum Beispiel bei den 55- bis 74-Jährigen um mehr als 1,5 Millionen Personen in den nächsten 20 Jahren.

Welche Risikofaktoren gibt es?
Die wichtigsten Risikofaktoren für den Typ 2 Diabetes sind Übergewicht, mangelnde Bewegung und falsche Ernährung auf der Basis einer genetischen Veranlagung.

Welche Symptome gibt es?

Das Heimtückische an der Erkrankung ist, dass sie sich schleichend entwickelt und deshalb oft lange Zeit unentdeckt bleiben kann. Frühe Anzeichen stellen häufiges Wasserlassen, permanentes Durstgefühl, Anfälligkeit gegenüber Hautinfektionen, Gewichtsverlust und vermehrte Müdigkeit dar.

Was kann man als Betroffener tun?
Wesentlicher Bestandteil in der Behandlung des Typ 2 Diabetes sind neben der Schulung des Patienten die regelmäßige körperliche Bewegung sowie eine ausgewogenen Ernährung. Mit diesen Maßnahmen kann es dem Betroffenen gelingen, die Erkrankung komplett zurückzudrängen und eine medikamentöse Behandlung zu vermeiden.

Was leistet das Deutsche Diabetes-Zentrum?

Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) versteht sich als ein Referenzzentrum für den Diabetes mellitus und hat das Ziel, die Belastung des Einzelnen und der Gesellschaft durch den Diabetes zu reduzieren. Diesen Anspruch verkörpert insbesondere die Deutsche Diabetes-Studie, in der Patienten unmittelbar nach der Diagnosestellung und erneut nach fünf und zehn Jahren umfassend untersucht werden, um letztlich die Entstehungsmechanismen des Diabetes und seiner Folgeerkrankungen zu verstehen.

Darüber hinaus kommt aus Sicht des DDZ der Prävention des Diabetes größte Bedeutung zu. Erst kürzlich wurde die Initiative „SMS. Sei schlau. Mach mit. Sei fit.“, die Düsseldorfer Grundschüler für eine gesunde Lebensführung sensibilisieren möchte, begonnen.

Auch führt das DDZ regelmäßig Diabetespatiententage durch. Der nächste findet am 17. November, 9 bis 13.30 Uhr in Kooperation mit der Kaiserswerther Diakonie im Theodor-Fliedner-Saal des Florence-Nightingale-Krankenhauses statt.
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