Kleiner Code, große Wirkung

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Finger weg! Mein Rad ist codiert! - Versiegelung der Fräsung und abschreckender Hinweis zugleich: der 55-jährige Polizeihauptkommissar Claus Wahrendorf zeigt den Codierungsaufkleber. Foto: Stefanie Siegel
 
Gewissenhaft codiert Polizist Hans-Werner Both das Fahrrad. An diesem Tag werden es 17 weitere Räder und ein hochwertiger Roller sein, die Both registriert. Foto: Stefanie Siegel
Rennräder, Mountainbikes, Stadträder und Pedelecs - 4198 Mal schlugen Fahrraddiebe im Jahr 2014 allein in Düsseldorf zu. Neben einem umsichtig gewählten, sicheren Abstellplatz und einem guten Fahrradschloss gibt es ein weiteres Mittel, um Langfingern die Arbeit zu erschweren: die Codierung des Fahrrades durch die Düsseldorfer Polizei.

Mit geübter Hand führt Hans-Werner Both die kleine Fräse über den Rahmen des neuen Hollandrades von Beatrice Gimbert. Ein kleiner Code wird Zeichen für Zeichen gut sichtbar in den Lack des Rades übertragen. Mit einem bunten Aufkleber wird die Gravur versiegelt und gibt so in Zukunft Auskunft über die rechtmäßige Besitzerin des Rades. „Mein altes Rad wurde mir vor einigen Monaten gestohlen, das neue will ich mir nun unbedingt codieren lassen”, erzählt Gimbert und befragt den Polizeibeamten zu der speziellen Buchstaben- und Zahlenkombination, die fortan ihr Rad spazieren fährt. „Der Code wird individuell vergeben”, erklärt ihr Both, der bereits seit 15 Jahren Räder codiert. „Die individuelle Kombination setzt sich zusammen aus der Adresse des Fahrradbesitzers und dessen Initialen.” So entsteht eine einmalige Kombination, die nicht nur bei Diebstahl des Rades stets auf den ursprünglichen Besitzer verweist. „Auch, wenn wir ein herrenloses Rad finden, können wir so umgehend den Besitzer ermitteln.”

Jede Straße hat eine eigene Nummer

In Düsseldorf gibt zunächst das führende “D” Auskunft über die Stadt. Eine darauf folgende vierstellige Zahl fungiert als Straßenkennung. „Hier in Düsseldorf besitzt jede Straße eine eigene Nummer”, erklärt Both, die, in Kombination mit der ebenfalls eingefrästen Hausnummer, die Adresse des Besitzers verrät. Schlussendlich folgen die Initialen des Fahrradeigners.
Während die Codierung weder die Fahreigenschaften des Rades noch die Haltbarkeit des Rahmens beeinträchtigt, lässt sich der Halter des Rades durch die Polizei so jederzeit ermitteln. Auch ein Überlackieren oder ein Abschleifen des Codes - wie hin und wieder bei angebotenen Gebrauchträdern auf Trödelmärkten zu finden - verhindert nicht, dass die Polizei die Codierung erneut sichtbar machen kann. „Dies erschwert ein Weiterverkaufen des Rades enorm und schreckt viele Fahrraddiebe ab”, erklärt Claus Wahrendorf. Der 55-jährige Polizeihauptkommissar ist als Bezirkspolizist für unter anderem die Stadtteile Bilk, Hamm und Flehe zuständig und bietet gemeinsam mit seinen Kollegen einmal im Monat die kostenlose Codierung im Präsidium am Bilker Jürgensplatz an. Besonders in den Sommermonaten und nach Weihnachten ist der Andrang der Codierungswünsche besonders groß: „An jedem letzten Donnerstag im Monat kommen Fahrradbesitzer zu uns, um sich gegen Vorlage des Kaufbeleges und ihres Personalausweises ihr Rad vor Dieben schützen zu lassen.” Während der versiegelnde Aufkleber bereits mit dem Aufdruck „Finger weg! Mein Rad ist codiert!” abschrecken soll, so ist ein „gewissenhaft ausgesuchter Abstellplatz sowie ein gutes Schloss dennoch unerlässlich und kann einen Diebstahl verzögern”, erklärt Wahrendorf.

Fahrradpass beinhaltet alle Daten

„Grundsätzlich”, so erklärt sein Kollege Thomas Wirtz, „lässt sich jedes Rad codieren. Dennoch verhindern manchmal bauliche Eigenheiten wie zu große Rahmenrohre oder eine eigenwillige Rahmengeometrie ein Ansätzen der Fräse.” Individuell beurteilen die Beamten jeweils vor Ort die Möglichkeit der kostenlosen Codierung und stellen nach erfolgter Gravur auch einen Fahrradpass aus. Dieser hilft im Falle eines Diebstahls der besseren Beschreibung des Rades und erhöht so überdies die Chance, das Rad durch die Polizei wiederzufinden.
„Ist doch schön geworden, euer neues Fahrradtattoo”, sagt nach erfolgter Codierung auch der Vater von Spiros, 11 Jahre alt, und Themis, 10 Jahre. Die beiden Jungs ließen sich ihre neuen BMX-Räder codieren. „Insbesondere auf Sportgeräte wie Mountainbikes und BMX-Räder haben es die Diebe häufig abgesehen”, erkärt Wahrendorf abschließend, „eine Codierung ist hier sehr angebracht.” Und dennoch, die Mischung der Radler ist auch an diesem Tage sehr bunt, die Modelle extrem unterschiedlich.
Insgesamt 18 Räder und einen hochwertigen Roller konnten Wahrendorf und seine Kollegen codieren, um anschließend die mobile Codierstation abzubauen. Und auch im nächsten Monat wird es am letzten Donnerstag des Monats erneut zwischen 16 und 18 Uhr die Möglichkeit geben, sein Rad im Präsidium codieren zu lassen. Und so nachhaltig vor Langfingern zu schützen.

Hintergrund:
> Regelmäßige kostenlos Fahrradcodierungen im Stadtgebiet finden an der Polizeiinspektion Mitte, BDS Oberbilk, Bogenstraße 35, an der Polizeiinspektion Nord, Wilhelm-Raabe-Straße 14, an der Polizeiinspektion Süd, Polizeiwache Benrath, Börchemstaße. 23, sowie im Rondell des Polizeipräsidiums, Jürgensplatz 5-7, statt.
> Aktuelle Termine erfahren Interessierte unter Telefon 870-0 (Zentrale Vermittlung) oder im Internet unter www.polizei.nrw.de/duesseldorf
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Andrea Dörner aus Düsseldorf | 14.07.2016 | 12:03  
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