Lumpis Märchen ohne Happy End

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Eine Kämpfernatur gegen alle Widerstände: Andreas Lambertz, hier mit Kopfverband im Mainz-Spiel, verletzte sich in München erneut. (Foto: Weege)

Fortuna Düsseldorf lieferte dem FC Bayern ein heißes Kampfspiel. Am Ende jedoch stand eine weitere Auswärtsniederlage und die Oberschenkel-Verletzung des Tor-schützen Andreas Lambertz, der nun in Wolfsburg auszufallen droht.

Ein Eckenverhältnis von 1:12, ein Chancenverhältnis von 2:15 – und trotzdem fehlte Fortuna Düsseldorf in München nicht viel zu einem Punktgewinn. Eine schier unfassbare Effektivität im Tor-Abschluss gepaart mit einer überragenden Torwartleistung – aus diesem Stoff sind Sensationen gemacht. Dafür hat’s diesmal nicht ganz gereicht.

Obwohl: Alleine die Tatsache, der alles überragenden Mannschaft dieser Saison lange Paroli geboten, zweimal geführt, und am Ende „nur“ 2:3 verloren zu haben, verdient schon das Prädikat Sensation für eine Mannschaft, die in der Hinrunde noch vom selben Gegner mit 0:5 aus dem eigenen Stadion geschossen worden war. Allein, unterm Strich sprang auswärts einmal mehr nichts Zählbares für die Fortuna heraus.

Dennoch, mit ihrem Auftritt beim einsamen Spitzenreiter hat die Elf von Norbert Meier die Fachwelt zum wiederholten Male verblüfft, um nicht zu sagen: geschockt. Gegen alle Regeln des Fußballsachverstandes und auch der Datenbank behauptet sich der Aufsteiger im Konzert der Großen. Und der personifizierte Widerstand gegen die sportliche Übermacht der Konkurrenz hat einen Namen: Andreas Lambertz.

Fortunas Käpt’n marschierte als bisher einziger Kicker von der vierten bis in die erste Liga, mit einem Laufstil, der, wie unlängst trefflich von einem Kollegen beschrieben, an einen Matrosen auf Landgang erinnert. Womöglich mag das ein Erklärungsansatz dafür sein, dass die Gegner ihn mitunter unbehelligt zu lassen scheinen, am Samstag sogar die Defensive des Champions-League-Finalisten.

In jener 71. Minute erläuft sich Lumpi im Rücken der Bayern-Abwehr einen Ball, der selbst für die TV-Regie zunächst so harmlos gewirkt hatte, dass sie erst dorthin schwenkt, als der Ur-Fortune plötzlich alleine auf dem Weg zum Tor ist. Lambertz geht auf Nationaltorwart Manuel Neuer – und bezwingt ihn.Ohne Übersteiger, ohne Schlenker, ohne Haken. Ein trockener Flachschuss. Auf ein Wort: Schnörkellos. Typisch Lumpi eben. Wie selbstverständlich hat er sich damit in allen vier höchsten deutschen Fußballligen in die Torschützenliste eingetragen.

Der Junge, der sich in seinem ersten Seniorenjahr in Düsseldorf mit Gegnern wie Adler Osterfeld und Borussia Freialdenhoven auseinandersetzen musste, schießt sein allererstes Bundesligator in der ausverkauften Münchner Arena gegen den Rekordmeister und übermächtigen Tabellenführer. Ein Märchen wird wahr.

Umso schwerer ist es jetzt für Fußball-Düsseldorf, von diesem Fußball-Moment für die Ewigkeit zurück in den aktuellen Abstiegskampf zu kommen. Doch das ist dringend geboten. Nach der neunten Niederlage aus den letzten zehn Auswärts-Pflichtspielen ist die Fortuna auf Platz 15 abgerutscht. Zwar trennt sie immer noch satte sieben Punkte vom Relegationsplatz, aber das Programm der kommenden Wochen hat es in sich.

Die nächste Aufgabe (Anstoß: Freitag, 15. März, 20.30 Uhr) beschert den Rot-Weißen nicht nur ein weiteres ungeliebtes Auswärtsspiel, sondern mit dem VfL Wolfsburg auch einen Gegner, der den Düsseldorfern mit einem 1:4 bereits auf eigenem Platz die zweithöchste Saisonklatsche beigebracht hat. Zudem ließen die „Wölfe“ am vergangenen Samstag mit einem 5:2-Sieg beim Tabellenfünften SC Freiburg aufhorchen. Allerdings muss VfL-Coach Dieter Hecking gegen Düsseldorf mit Stürmer Ivan Perisic (Innenbandanriss) und vor allem mit Spielmacher Diego (Gelbsperre) auf zwei Top-Leute verzichten.

Um seinen Einsatz am Freitag muss aber auch Andreas Lambertz bangen. Wie am Montag diagnostiziert wurde, zog er sich in München einen Einriss der Muskelhülle im Oberschenkel zu. Aber einer wie Lumpi, der ist zur Not auch mit bandagiertem Bein in der Lage, ein weiteres Märchen-Kapitel hinzuzufügen…
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