„Wie ein Patient auf der Intensivstation“

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Ein neuer Rasen für die Arena: Arnd Pfeiffer vor einer Rolle Stadionrasen, die 14,50 Meter lang und 1,20 Meter breit, rund eine Tonne Gewicht auf die Palette bringt. 18 Lastkraftwagen brachten den Rasen nach Düsseldorf. Foto: Stefanie Siegel
 
Schrieb bereits seine Diplomarbeit zum Thema Rasen in Arenen: Ingenieur der Landespflege Arnd Pfeiffer. Foto: Stefanie Siegel
Großevents wie Rockkonzerte und Eishockeyspiele wie das kürzlich ausgetragene „Winter Game“ bedeuten für den Rasen in der Esprit Arena das sichere Ende. Erst durch einen kompletten Rasentausch ist das Stadion getreu der Richtlinien des Deutschen Fußballbundes (DFB) nach drei Tagen wieder bespielbar.

Traktoren flitzen durch den Innenraum der Esprit Arena, selbstentwickelte Spezialfahrzeuge transportieren gigantische Rasenrollen, die von Mitarbeitern des Gartenbauunternehmens nach speziellen Vorlagen auf Stoß verlegt werden. Eine über allem rotierende Laserwasserwaage zeigt an, dass der Untergrund des Innenraums absolut waagerecht eingeebnet und planiert ist, die Messpunkte der Waage blitzen rot an den Ecken der 7.845 Quadratmeter großen Spielfläche.
„Konzerte sind der Tod eines jeden Stadionrasens“, erzählt Arnd Pfeiffer und blickt sich prüfend im Innenraum der Esprit Arena um. Gemeinsam mit zwölf Mitarbeitern tauscht der Gartenarchitekt und studierte Ingenieur der Landespflege innerhalb von drei Tagen den ruinierten Stadionrasen aus und bereitet die Arena somit auf das nächste Spiel der Fortuna vor. „Natürlich geschieht der Austausch konform der Richtlinien des Deutschen Fußballbundes“, betont Pfeiffer, der sich mit seinem Unternehmen mit Hauptsitz in Willich auf das Verlegen von Arenarasen spezialisiert hat. „Denn der Ball soll ja rollen und nicht springen.“
Obwohl der Innenraum großer Stadien für Veranstaltungen wie das kürzlich ausgetragene „Winter Game“ und große Konzerte mit Platten abgedeckt wird, ist der Rasen anschließend häufig nicht mehr bespielbar, ein Austausch ist dann unvermeidbar. Eine Herausforderung, denn nicht nur die gigantische Fläche, auch die speziellen Anforderungen an den Rasen stellen die Gartenbaufirma mitunter vor bislang unbekannte Probleme.

Diplomarbeit zum Thema

Schon in seiner Diplomarbeit beschäftigte sich der 36-jährige Ingenieur mit dem Thema „Rasen in modernen Stadien“, ein mit Abgabe seiner Diplomarbeit revolutionäres Thema. 1996 eröffnet, stellte zum Beispiel der Rasen des damals völlig neuen Arenatyps der Amsterdam Arena in der niederländischen Metropole aufgrund der geschlossenen Bauform Greenkeeper wie Landschaftsbauer vor eine neue Herausforderung: Geschlossenes Hallendach, künstliche Beleuchtung, kein Wind und daher immerfeuchtes Klima – innerhalb einer derartigen Arena herrschen völlig andere klimatische Bedingungen als in klassischen Stadien, der Wuchs des Rasens geschieht unter völlig anderen Voraussetzungen. „Unter anderem deshalb muss der hier in Düsseldorf verlegte Rasen den ungewöhnlichen klimatischen Verhältnissen angepasst sein“, erklärt Pfeiffer.

Selbstentwickelte hydraulische Spezialmaschinen

Der Rasen ist, wie auch die hydraulischen Spezialmaschinen, die zum Verlegen der 14,50 Meter langen und 1,20 Meter breiten Rasenrollen benötigt werden, eine Eigenentwicklung des Unternehmens Pfeiffer.
„Je nach Angebot des Saatgutes entwickeln und züchten wir speziellen Arenasportrasen, der mit künstlichem Licht und der hohen Luftfeuchtigkeit gut auskommt“, erklärt Arnd Pfeiffer den Anbau der speziellen Grasssoden. Während in den kühlen Frühjahrs- und Herbstmonaten der Freilandrasen problemlos geschält und zu den eine Tonne schweren Rollen zusammengerollt werden kann, geschieht dies in den Sommermonaten ausschließlich nachts, um die unbedingt benötigte Feuchtigkeit beim Rasentransport gewährleisten zu können. Konnte der aktuelle Rasen für die Esprit Arena mit insgesamt 18 herkömmlichen LKW angeliefert werden, muss das Gartenbauunternehmen in den Sommermonaten sogar Lastkraftwagen mit Kühlvorrichtungen einsetzen. „Andernfalls würde der Rasen einen Transport im Sommer nicht überstehen“, erzählt Pfeiffer.

Keime von außen gefährden das Grün

Der Rasen aus Willich liegt heute in nahezu allen großen bundesweiten Arenen. Aber auch in Österreich, der Schweiz, in den Niederlanden, Großbritannien und Schottland wird der Rollrasen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf verbaut.
Übrigens: Für Besucher der Düsseldorfer Arena ist das Betreten der gigantischen Rasenfläche grundsätzlich nicht gestattet, zu anfällig ist das Grün für Beschädigung und von außen eingebrachte Keime: „Gerade in den Wintermonaten gleicht der Rasen einem Patienten auf der Intensivstation“, erklärt Pfeiffer und streicht über die Grasnarbe. Erst in den Sommermonaten und bei geöffnetem Arenadach beginnt der Stadionrasen mit der lebenswichtigen Photosynthese. Bis dahin muss er durch Greenkeeper des Gartenbauunternehmens sorgsam und äußerst umsichtig gehegt und gepflegt werden.
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