„Café der grenzenlosen Herzen“

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Bieten weit mehr als „nur“ Frühstück und Mitagessen: (v.l.) Walter Scheffler, Margret Steinmann, Jörg Thomas, Martina Ludewig und Luisa Ludwig im Gastraum des Café Grenzenlos, Kronprinzenstraße 113, in Bilk. Foto: Sven-André Dreyer
 
Engagiert sich ebenfalls für das Café Grenzenlos: Ute Schreiber. Foto: Stefanie Siegel
Das Düsseldorfer Café Grenzenlos gilt als deutschlandweites Pionierprojekt und ist mehr als eine Initiative gegen den Verlust gesellschaftlicher Kontakte. Bei Frühstück und Mittagessen kommen finanziell schlecht gestellte Menschen zusammen, hier entstehen Kontakte und gesellschaftlicher Austausch.

„Das, was wir wollen, funktioniert“, sagt Walter Scheffler vom Vorstand des Vereins Grenzenlos und blickt sich im vollbesetzten Gastraum des Cafés auf der Kronprinzenstraße im Stadtteil Bilk um. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern führt er das Café Grenzenlos und verfolgt dort einen karitativen Zweck: Der mildtätige Verein hat sich zum Ziel gesetzt, allen Menschen, unabhängig von ihrem Einkommen, ein Angebot an bezahlbaren Speisen und Getränken zu ermöglichen. Was die Wenigsten wissen: in der Küche steht kein geringerer als Helmut Vogt. Der kochte einst im alten Breidenbacher Hof, heute bereitet er täglich etwa 30 Frühstücke und bis zu 90 Mittagessen im Grenzenlos zu. Belegt ein Besucher per Ausweis ein Einkommen unter 770 Euro im Monat, wird das Essen subventioniert. Die Gäste zahlen dann 2,50 Euro für ein Mittagessen, alle anderen 5 Euro. Weit über die reine Nahrungsaufnahme hinaus reicht jedoch der soziale Aspekt: wer im Café frühstückt oder zu Mittag isst, kommt mit seinen Mitmenschen ins Gespräch, pflegt Kontakte und nimmt am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teil. Denn Armut, so der Verein Grenzenlos, bedeutet nicht nur das Fehlen von finanziellen Möglichkeiten, oftmals hat sie den Verlust von sozialen Kontakten und gesundheitliche Schäden zur Folge. Genau hier setzt der Verein an und führt finanziell schlechter gestellte Menschen mit Normalverdienern zusammen, denn auch diese essen dort nicht selten in ihrer Mittagspause. „Wenn man Menschen wie arme Menschen behandelt, dann fühlen sie sich auch so“, erklärt Scheffler und verweist auf die besondere Mischung seiner Gäste.

Beratungsleistung als weitere Hilfestellung

Scheffler und seine Mitarbeiter bieten aber auch Beratung an, denn neben der netten Gemeinschaft, die sich nachhaltig und entlastend auf die Lebenssituation der Gäste auswirkt, stehen auch Hilfsangebote zur Verfügung. Ob in lebenspraktischen und sozialen Fragen, Fragen zum Thema Arbeitslosengeld I oder II, Mietfragen oder der Unterstützung bei Bewerbung, Behördengängen oder Antragstellung – auch diesen Service kann man im Café in Anspruch nehmen.
„Um die Dienstleistung anbieten zu können“, so erklärt Walter Scheffler, „benötigt der Verein rund 180.000 Euro im Jahr.“ Und obwohl die Stadt das Projekt mit 55.000 Euro jährlich bezuschusst, müssen die übrigen Kosten durch Spenden erwirtschaftet werden.
Eine Aufgabe, der sich unter anderem Ute Schreiber mit großer Hingabe widmet. Auf das Projekt des Café Grenzenlos wurde sie über ihre Arbeit im Seniorenbeirat der Stadt aufmerksam. In den Seniorensprechstunden erfuhr sie viel über die Sorgen und Nöte finanziell schlecht gestellter älterer Menschen. „Insbesondere Frauen sind von einer Altersarmut betroffen“, erklärt Ute Schreiber. Die 72-Jährige sammelt nun seit vielen Jahren Spenden über den Verkauf von Seniorenkarten der Komödie Steinstraße. Überdies kochte sie viele Jahre im Rahmen des sonntäglichen Kochangebotes im Café und spendet jährlich 80 Weihnachtsstollen an Bedürftige. Hin und wieder geht sie heute selbst im Café essen.
Übrigens: Die Idee des Cafés entliehen die Betreiber den sogenannten „Restos du Coeur“, einer Initiative des französischen Komikers Coluche, der als das Enfant terrible der Komiker-Szene galt. Dem 1986 verstorbenen Coluche ging es allerdings in erster Linie um die kostenlose Speisung armer Menschen. Erst die Düsseldorfer fügten der Idee einen enormen Überbau sozialer Verantwortung und Vernetzung hinzu. Und diese leben sie. Täglich.
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