Maßnahmen haben keine Priorität

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Bezirksvertretung 1 möchte Individualverkehr regulieren



Die Nordstraße, die schon vor mehr als 300 Jahren eine wichtige Verbindungsstraße gen Norden war und sich in den 1950 Jahren zu einer modernen Haupteinkaufsstraße entwickelte, steht immer wieder im Focus von Politik und Verwaltung. Vor gut 40 Jahren fand der letzte große Umbau der Nordstraße statt, der Einschränkungen für den Autoverkehr brachte und den Durchgangsverkehr verringerte. Was jedoch unterblieb, war der Ausbau zu einer Fußgängerzone. Durch einen Antrag von Moira Obendorf (SPD), Mitglied der Bezirksvertretung 1, sollen nun Maßnahmen zur Regulierung des Individualverkehrs auf der Nordstraße überprüft werden.

Die Nordstraße ist auf ihrer Länge von fast einem Kilometer dreigeteilt. Während sie vom Dreieck bis zur Maurerstraße eine Fußgängerzone ist, kann sie danach bis zur Venloer Straße beidseitig befahren werden. Im letzten Teil bis zur Fischerstraße ist die Nordstraße eine Einbahnstraße, die von Fahrzeugen als auch von den Bahnen der Rheinbahn benutzt wird. Die Idee der Kommunalpolitiker ist, zunächst dafür zu sorgen, dass der erste Teil besser überwacht wird, damit die deutlich zunehmende Missachtung der Fußgängerzone durch Autofahrer eingedämmt wird. Im mittleren und dem am meisten frequentierten Bereich strebt man die Einführung einer 30er Zone an und im dritten Abschnitt denkt man über eine weitere – wie schon im ersten Abschnitt – Fußgängerzone nach.

Am letzten Wochenende wollten die Kommunalpolitiker um Moira Obendorf nun wissen, wie sich die Bürger eine Regulierung der Nordstraße vorstellen. Auf dem Plätzchen an der Ecke Schwerin / Nordstraße wurde ein Stand aufgebaut und die Bürger befragt. Sie konnten sich mit kleinen gelben Zettelchen dazu äußern und Vorschläge unterbreiten. „Es ist an der Zeit über Veränderungen auf dieser belebten Einkaufsstraße nachzudenken, zumal der Verkehr zugenommen hat und seit den 1970er Jahren ist hier nichts mehr passiert“, meint Obendorf. Dass seitens der Politiker eine Geschwindigkeitsverringerung angestrebt wird, liegt auf der Hand, denn nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Rheinbahn fährt auf dieser sehr belebten Straße viel zu schnell. „Hier hat kaum ein alter Mensch die Chance, die Straße ohne Risiko zu überqueren“, meint Peter Christoph, der Geschäftsführer des Gasthauses Himmel & Ähd. Auf der gesamten Nordstraße gibt ist nur einen einzigen beampelten Übergang und das ist an der Ecker Duisburger/Nordstaße. „Es kommt fast täglich vor, dass wir älteren Mitmenschen bei der Überquerung der Straße behilflich sind“, ergänzt Christoph. Für ihn und vielen Anwohnern ist die Verkehrssituation ein nicht hinnehmbarer Zustand. „Das wichtigste wäre die Einführung einer 30er Zone“, erklärt er. Diese Auffassung vertreten viele Bürger auch bei der Befragung durch die Politiker der Bezirksvertretung. Jedoch ist zu erwarten, dass sich die Rheinbahn dagegen stellen wird. „Die Rheinbahn hat bereits die Einführung einer 30er Zone verhindert“, sagt Sabine Sellier, Mitglied der Werbegemeinschaft „Nördliche Innenstadt“.

Die Werbegemeinschaft für eine Einrichtung einer 30er Zone, lehnt aber grundsätzlich gegen die Schaffung einer Fußgängerzone im mittleren Teilbereich der Nordstraße ab. „Wir halten es für sinnvoll, einen Masterplan Nordstraße in Auftrag zu geben“, meint Sellier. Nur so könnte über zukunftsträchtige Maßnahmen für die beliebte Einkaufsstraße entschieden werden. Auch wenn vielen Bürgern einer Fußgängerzone positiv gegenüberstehen, so wird sich dies schon aus finanziellen Gründen kaum zu realisieren sein. Die Stadt Düsseldorf hat bereits dazu Stellung genommen und darauf hingewiesen, dass anstehende Maßnahmen für die Nordstraße aktuell keine Priorität haben. Für Giampaolo Tonon vom Eis-Café San Remo ist das auch gut so, denn nach seiner Auffassung wäre eine Fußgängerzone für die Einzelhändler eine Katastrophe. „Ich habe schon Einbußen von 20 Prozent durch die Teilsperrung der Straße im Rahmen der innerstädtischen Baumaßnahmen. Wenn das so weitergeht, schließe ich das Geschäft“, regt sich Tonon auf. In Anbetracht dessen, dass die Goethebuchhandlung wegen fehlendem Umsatz auf der Nordstraße ihre Pforten schließen wird, ferner damit zu rechnen ist, dass manch andere Firmen, die die Kundenfrequenz hoch halten, verschwinden werden, ist davon auszugehen, dass es in Zukunft so oder so maßgebliche Veränderungen auf der Nordstraße im Bereich bis zur Fischerstraße geben wird.
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