Rollifahrer: Im Kino in der ersten Reihe

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Bei Veranstaltungen wie beispielsweise in der ehemaligen Philippshalle als Rollifahrer ganz hinten und aussen. Aussen vor eben ?
Düsseldorf: Andreas Vogt | Alessio Lunetto liebt Kinofilme auf großen Leinwänden.
Vor allem Action und Fantasy.

Seine Action - und Filmhelden kennt er alle.

Er mag den Geruch von Popcorn und die Werbung vor dem Hauptfilm.

Doch leider ist ihm der Genuss eines spannenden Kinofilms nicht möglich.

Alessio sitzt im Rollstuhl und ist seit seinem 6. Lebensjahr an Muskelschwund (Muskeldystrophie) Duchenne lebenszeitverkürzt erkrankt. Heute ist er 24 Jahre alt. Seine vom Arzt prognostizierte Lebenserwartung von 19 Jahren hat er bereits mit Leichtigkeit, Mut und Entschlossenheit überschritten .

Deswegen feiert er jedes Jahr seinen Geburtstag doppelt und dreifach.

Alessio wird von einem Ambulanten Kinder - und Jugendhospizdienst begleitet, bzw. ein ehrenamtlicher Mitarbeiter kümmert sich um ihn, begleitet Alessio zum Shoppen in die Stadt, ins Kino, zu Konzerten..... Ziemlich beste Freunde eben.

Aber gerade mit den Kinos ist das in Düsseldorf ein großes Problem.

Als Kinofan hat es Alessio nicht einfach. Er ist auf fremde Hilfe angewiesen. Er muss zum Kino gefahren und hineingebracht werden. Seine Arme kann er wegen seiner Erkrankung nicht mehr bewegen. Seinen Rollstuhl wird der junge Mann nie wieder verlassen.

Aber Alessio ist ein Kämpfer und möchte am Leben teilnehmen. Sein Motto: "Niemals aufgeben", hat er sich auf den rechten Unterarm tätowieren lassen.

Deswegen hat er mich als sein "Ghostwriter" gebeten, das Thema "Barrierefreies Kino" in die Öffentlichkeit zu bringen. Alessio ist ja nicht der einzige Rollifahrer in Düsseldorf.

In Düsseldorf gibt es bis auf einen Kinosaal im UCI Kino im Hafen keine Möglichkeit für Rollifahrer, einen Film von einem akzeptablen Platz im mittleren Bereich anzusehen und zu geniessen.

Überall dürfen Rollifahrer in der ersten Reihe "Platz nehmen" und müssen sich Hals und Kopf verdrehen Die Kinobetreiber begründen das mit den "schwierigen baulichen Verhältnissen" und geben sich damit zufrieden.

Ob es wirklich nur daran liegt?

"Wir sollten uns als Kunden der Kinos nicht damit zufrieden geben", so Alessio.
"Barrierefreiheit gibt es leider nirgends".

"Dafür darf ich dann bei Konzerten oder anderen Großveranstaltungen in Düsseldorf ganz hinten im Rollstuhl meinen Platz einnehmen und sehe nichts. Aus Sicherheitsgründen laut Veranstalter".

Zuletzt erlebte er es in der Mitsubishi Halle in Düsseldorf bei einem Auftritt von OTTO. Dort wurden er und einige andere Rollifahrer ganz hinten positioniert und konnten nichts sehen. Antonio sitzt in seinem Rollstuhl tiefer, als die anderen Zuschauer auf ihren Stühlen. Für die Rollifahrer und ihre Begleiter wurden vom Veranstalter keine Tribüne gebaut. Das kostet Geld !

Aktuell hat der UFA Palast am Düsseldorfer Hauptbahhof einen neuen, luxuriösen Kinosaal eingeweiht. Das Kino bewirbt den neuen Saal mit seinem großzügigen Platzangebot und exklusivem Catering.

An die Rollstuhlfahrer hat leider niemand gedacht und die Geschäftsführung des Kinos verweist auf die zwei Rolliplätze in der ersten Reihe, ganz nah an der großen Leinwand.

"Vielleicht setzt sich dort mal jemand von der Kino Geschäftsführung in einen Rollstuhl und schaut sich den Hobbit in der ersten Reihe an?".

Diese Frage beantwortete Alessio die Geschäftsführung des UFA-Kinos nicht.

Rollifahrer können nicht entspannt den Kopf in die Nackenlehne fallen lassen.

So bleibt Alessio nur ein einziger Kinosaal in Düsseldorf für ein für alle Menschen selbstverständliches Kinoerlebnis. Alessio erreicht dort mit seinem Begleiter den Saal des UCI Kinos bequem mit einem Aufzug. Dort können einige Rollifahrer im mittleren Gang bequem in Einbuchtungen Platz nehmen und mit ihren Begleitern gemeinsam (!) den Film geniessen.

Alessios Weihnachtswunsch wäre es, das die privaten Kinobetreiber sich in die Rolle von Kindern und Erwachsenen in Rollstühlen versetzen und Umbaumaßnahmen in den Kinosäälen vornehmen.

Vielleicht wird Alessio eines Tages erhört.
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2 Kommentare
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Marlis Trapitz aus Düsseldorf | 14.12.2014 | 09:41  
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Cora Recktor aus Düsseldorf | 01.12.2016 | 17:31  
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