Spurensuche im Aaper Wald

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Peter Schulenberg führte kenntnisreich durch die Geschichte des Waldes.
Düsseldorf: Aaper Wald |

Der Kulturkreis Gerresheim veranstaltete am Samstag, 7. November, unter der Leitung von Peter Schulenberg eine Themenwanderung zu den „Spuren des Ersten und Zweiten Weltkriegs im Aaper Wald". Im beliebten Düsseldorfer Naherholungsgebiet Grafenberger und Aaper Wald haben sich zahlreiche Spuren aus der Zeit der militärischen Vorbereitung des Ersten Weltkriegs aus preußischer Zeit und aus dem unmittelbaren Geschehen des Zweiten Weltkriegs erhalten. Vielen Geschichtsinteressierten ist dieser Teil der Düsseldorfer Geschichte eher unbekannt.

Der preußische Schießstand

Peter Schulenberg informierte anschaulich anhand von Karten, Fotos und Luftbildern über die militärische Hinterlassenschaft im Aaper Wald. Vom Wanderparkplatz Fahneburgstraße/Rennbahnstraße ging es zunächst zum preußischen Schießstand. In unmittelbarer Nähe des Parkplatzes sind die Wälle und Gräben eines ausgedehnten Infanterie-Schießstandes erhalten geblieben. Im Dezember 1874 wurde mit der Erschließung des Waldgeländes begonnen. Zwölf parallel in Nord-Süd-Richtung angelegten, mit seitlichen Schutzwällen und stirnseitigen Kugelfängen sowie aus Erde angehäuften Schießbahnen konnten am 14. Februar 1877 in Betrieb genommen werden. Die Anlage wurde von den Soldaten des seit 1866 in Düsseldorf stationierten Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 sowie von zwei Düsseldorfer Kavallerieregimentern für Schießübungen genutzt. Bereits 1910 wurde diese Anlage aufgegeben und die Schießübungen wurden in die „Golzheimer Heide“ verlegt. Die ursprünglich vorhandenen Schießbahnen sind auch heute noch durch die existierenden Wälle und Gräben gut zu erkennen. Bereits 1910 wurde die Anlage aufgeforstet, so dass der Wald die Wunden, die das Militär geschlagen hatte, wieder heilte.

Der neue Schießstand der Wehrmacht

1937 baute die Wehrmacht für die Soldaten in der ehemaligen Reitzenstein-Kaserne in Mörsenbroich einen neuen Schießplatz in unmittelbarer Nähe des alten Schießplatzes. Im Zweiten Weltkrieg wurden im Schutz des Waldes auch Munitionsbunker angelegt. Während die Bunker gesprengt wurden, blieb der Schießplatz, der den Krieg unbeschadet überstanden hatte, erhalten und wurde noch von den Engländern zur Vorbereitung auf den Koreakrieg 1952/53 genutzt. Bis etwa 1966 wurde ein Teil von der Düsseldorfer Polizei für Schießübungen genutzt. Dieser Teil des Waldes war bis Anfang der siebziger Jahre umzäunt. Der gesperrte Weg wurde dann freigeben. Dort, wo heute ein Forsthaus steht, befand sich ein Schießstand. Ich kann mich noch an ein ausgebranntes Autowrack erinnern, das wohl für Schießübungen oder auch für Feuerwehrübungen genutzt wurde. Auch dieses Gelände wurde aufgeforstet. Das gesamte Areal steht übrigens unter Denkmalschutz. Nur in Wesel gibt es noch einen Artillerie-Schießplatz, der ebenso gut erhalten und kartografiert ist.

Der Rheinmetall-Bunker

Über den Schießstandweg ging es dann zum Boskampweg. Dort befindet sich der Eingang zu einer unterirdischen Bunkeranlage, die im Jahr 1941 von der Firma Rheinmetall angelegt wurde. Das ehemalige Stahlwerk der Firma Rheinmetall-Borsig befand sich an der Selbecker Straße. Als kriegswichtiger Betrieb war das Werk wiederholt Ziel alliierter Bomber. Für die Mitarbeiter des Stahlwerks war der Bunker auch in erster Linie gedacht. Einige Schächte dieser riesigen Bunkeranlage wurden sogar als Büros eingerichtet. Gegen Ende des Krieges flüchteten sich auch Zivilpersonen in die unterirdischen Stollen, die acht Meter unterhalb des heute noch sichtbaren Eingangs liegen. 72 Stufen führen in die Unterwelt. Besonders schlimm war der Angriff vom 2. November 1944, bei dem der Hang über dem Bunker getroffen wurde. Teile der Decke stürzten dabei ein. Insgesamt gab es vier Zugänge zu der Bunkeranlage, von denen drei mit Erde zugeschüttet wurden und längst überwachsen sind. An die Zeit des Bombenkriegs erinnern im Wald auch zahlreiche Bombentrichter mit einem Durchmesser von sechs bis zehn Metern. Mittlerweile sind diese Löcher von Gestrüpp überwachsen und kaum mehr zu erkennen. Sturm Ela hat 2014 durch zahlreiche umgestürzte Bäume noch einiges mit dazu beigetragen, diese Relikte des Zweiten Weltkriegs zu verdecken.
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