Tschechows "Onkel Wanja" in der Inszenierung des Ensembles Companeras hat das Publikum in Duissern beeindruckt

Das Ensemble Companeras (mit Orchester!) beim Applaus
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Tschechow an seine Schwester Marija und an Olga Knipper: „Aber weshalb sind Sie deprimiert? Weshalb? Sie leben."

Das Publikum sieht im „Onkel Wanja“ eine Gruppe von Menschen auf einem Landgut, erlebt ihr banales Alltagsleben mit ... und ist gefesselt, ja, fasziniert von dem, was die Theatergruppe auf der Bühne der Notkirche zeigt. Über Langeweile hat am vergangenen Wochenende in der Notkirche in Duissern niemand geklagt. Im Gegenteil: auch nach dem kräftigen Applaus blieben die meisten noch eine ganze Weile sitzen, wollten sich nicht lösen von den schönen Bildern des “russischen Landlebens“.
Es sei doch seltsam, während die Tschechow-Menschen immerzu weg wollen, möchten wir, die Tschechow-Zuschauer, immerzu bleiben, könnten gar nicht genug bekommen von diesen langweiligen Leuten auf der Bühne und ihren langweiligen Geschichten, schrieb der Theaterkritiker Benjamin Henrichs mal in der "Zeit".
Wodurch gewinnen diese Figuren so schnell die Herzen der Zuschauer? Warum wirken Sonja, Wanja, Marina, Telegin, Astrow, Jelena, ja sogar der unsympathische Professor sofort vertraut?
Das Bühnengeschehen ist wie ein Spiegel, wir sehen uns in unserer Rücksichtslosigkeit und Kälte und doch fühlen wir uns als Menschen verstanden, ja geliebt. Wir sind –wie die Tschechowschen Figuren– Gefangene unseres Alltags und sehnen uns nach einem anderen, neuen Leben.
Tschechow wurde vorgeworfen, dass er keinen positiven Helden auftreten ließ. "Wo soll ich sie hernehmen?" fragte er.
Er schreibe nur über unwichtige Ereignisse war ein weiterer Vorwurf. Doch Tschechow zeigt die wahre, tragische Katastrophe unseres Lebens: Das tägliche Leben ist das, was uns zerstört.
Tschechows Stücke sind, wie Peter Stein einmal sagte, eine nahezu unlösbare Aufgabe für jeden Regisseur. Wenn Schauspieler sich einlassen auf den Text, sich Zeit nehmen können für den Prozess des Wachsens der Figuren, Vertrauen entwickeln in die Gruppe und sich selbst, das Spielen lieben, kann es gelingen.
Die freie Theatergruppe "Ensemble Companeras" mitsamt ihren beiden Musikerinnen (Akkordeon und Gitarrenmusik begleiten die Aufführung) freut sich schon wieder auf die nächste „Onkel Wanja“-Aufführung am kommenden Sonntag um 17 Uhr in Neudorf.
www.companeras.de
"Wenn ich den Frühling sehe, habe ich den heftigen Wunsch, dass es im Jenseits ein Paradies gäbe." schrieb Tschechow an seinen Verleger Suworin.

Autor:

Angelika Ortmann aus Duisburg

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