Die Rheno-Germanen

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  Die Studentische Verbindung Rheno-Germania zu Düsseldorf - Duisburg ist eine farbentragende, nicht-schlagende sowie politisch und konfessionell nicht gebundene Studentenverbindung, die in Neudorf ansässig ist. „Wir leiden eher unter dem schlechten Image von Studentenverbindungen allgemein,“ berichtet Dirk Görtz, der seit über 20 Jahren in der Verbindung aktiv ist. „Wenn ich mir anschaue, daß wir drei Mitglieder aus China haben und unser Fuxenmajor aus Brasilien stammt, lasse ich mir nicht einreden, wir wären rechtslastig.“

Die Wurzeln der Verbindung reichen bis in das Jahr 1923 zurück. An 23. 11. 1923 wurde die Technische Vereinigung Rheno-Germania zu Düsseldorf gegründet. Die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Düsseldorf erfolgrte dann im Juni 1924, der Beitritt zum Ring Technischer Verbindungen Deutschlands knapp zwei Monate später. Das nationalsozialistische Regime löste die Verbindung dann am 19. September 1936 zwangsweise auf.

Die „Freie Verbindung Ferronia zu Duisburg“ wurde 1950 gegründet. Nachdem die Wiedersehenskneipe der Rheno-Germanen 1951 geschlagen worden war, vereinigten sich die beiden Verbindungen am 26. 8. 1952 zur „Technischen Verbindung Rheno-Germania zu Düsseldorf-Duisburg“. Der Beitritt zum „Bund Deutscher Ingenieurs-Corporationen“ folgte 1953. Verliefen die 1960er Jahre wohl ziemlich ereignislos, ist die Umbenennung in „Studentische Verbindung Rheno-Germania“ im Jahre 1973 dann wieder erwähnensert.

Nachdem sich die Verbindung im Jahre 1981 erst einmal vertagen mußte, erfolgte 1989 die Reaktivierung. Die „Studentische Verbindung Rheno-Germania zu Düsseldorf-Duisburg“ ist seit dem 1. März 1994 auch in das Vereinsregister beim Amtsgericht Duisburg eingetragen. Eine Unvereinbarkeitsklausel in der Satzung soll verhindern, daß extremistisches Gedankengut jeglicher Richtung Einzug in die Verbindung hält.

Seit 2001 hat die Verbindung ihre Räumlichkeiten in Neudorf.Dort finden nicht nur die Regelmäßigen Treffen statt; dort soll nach Angaben der Verbindung auch ein ungestörtes Lernen möglich sein. „Nicht immer Freibier - aber immer preiswert“ lautet dabei das Motto der Verbindung. „Wichtig wird zunehmend auch die Bereitschaft, nicht nur passiv zu konsumieren, sondern auch aktiv mitzumachen. Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft sind von daher wichtig, Gesprächsbereitschaft und der Wille zu Freundschaft,“ berichtet Görtz.

Eine zwanglose Möglichkeit, die Verbindung kennenzulernen, bietet sich an jedem 4. Donnerstag im Monat ab 19 Uhr. Dann gibt es die rheno-lounge 23. Aber auch regelmäßig freitagabends ab 19 Uhr ist die Tür für Mitglieder und Interessierte im Rheno-Germanen-Haus auf der Mülheimer Straße 82 offen.

Wer sich dann entschließt, der Verbindung beizutreten, wird zunächst einmal in den Fuchsenstall aufgenommen. „Dies ist eine Art Vorbereitungszeit, um sich mit dem Vereinsleben und seinen Gepflogenheiten vertraut zu machen, und um zu sehen, ob man zueinander paßt,“ berichtet Rafael Domingos Pinto. Als sogenannter Fuchsenmajor leiter er den Fuxenstall.

Pinto ist der Brasilianer, der zu Beginn des Textes erwähnt wurde. Er kam im Rahmen eines Stipendiums nach Deutschland, um hier Maschinenbau zu studieren. „Duisburg ist sicher nicht eine der bekanntesten Universitäten. Man kann sich hier zwar gut ausbilden lassen; Aachen oder München sind aber besser. Duisburg bot mir die Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen,“ berichtet er.

Pinto gehört der Verbindung seit rund 3 Jahren an. „Anfangs hat mir die Verbindung wenig gebracht,“ erzählt er im Rückblick. „Inzwischen schätze ich aber die ruhige Atmosphäre in den Räumlichkeiten, die mir beim Lernen sehr hilft. Und inzwischen konnte mir ein Mitglied der Verbindung helfen, einen Praktikumsplatz zu finden, den ich für mein Studium gebrauchen kann.“

Ist die Vorbereitungszeit überstanden, wird der Fuchs „geburscht“, also in sogenannte Aktivitats übernommen. Dies geschieht in einer feierlichen Zeremonie, in der das Verbindungsmitglied auch seinen Bierspitz erhält. Görtz heißt beispielsweise „Promillus“, Pinto „Ascendus“. „Als Busche ist man dann Vollmitglied der Verbindung,“ berichtet Görtz. Diese Bierspitze hören sich im ersten Augenblick sicherlich lustig an, haben aber einen geschichtlichen Hintergrund. Gerade in Zeiten staatlicher Verfolgung waren die Bierspitze, die auch Kneipennamen heißen, Tarnnamen.

Hat der Bursche dann sein Studium beendet, wechselt er zu den Alten Herren. „Es ist nicht erforderlich, an einer Universität eingeschrieben ist,“ berichtet Skriptor, ein weiteres Mitglied der Verbindung. „Ich selbst habe nur eine Beamtenausbildung an einer Fachhochschule absolviert und konnte trotzdem Mitglied werden. Kennengelernt habe ich die Verbindung Mitte der 1990er Jahre. Ich hatte damals einen Beitrag über das Tandem-Fahrrad für die WAZ geschrieben und so Promillus kennengelernt. Kurze Zeit später konnte ich dann auch über die Verbindung in der WAZ schreiben. Mir persönlich gefallen die Freundschaft und das gesellige Beisammensein.“

Für Studentenverbindungen ist Duisburg ein schwieriger Ort, wie Ascendus berichtet. „Die Studenten kommen aus Duisburg und dem Umland. Sie wohnen also in der Nähe und können pendeln. Ein klassisches Studentenleben hat es also nie gegeben.“ Er machte auch ein allgemeines Desinteresse am gesellschaftlichen Leben aus. „Als Student kümmert man sich heute um sein Studium und die berufliche Karriere. Da ist nicht mehr viel Zeit für andere Aktivitäten.“

Weitere Informationen sind unter www.rheno-germania.de erhältlich.
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