Duisburger HeRoes mahnen: kein Krieg, keine Angst, keine Ausgrenzung

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Kevin, Engin, Yusuf, Abdul, Hüseyin und Enes (von links) haben die Gedenkstätte Auschwitz besucht, ihre Eindrücke in einem Theaterstück verarbeitet, das aufrüttelt, von Zivilcourage und der eigenen Verantwortung für Veränderungen handelt. (Foto: HEJA-Medien)
 
Muhammed und Hüseyn in einer Szene des neuen Theaterstücks "Coexist". (Foto: privat)
Duisburg: Bürgerhaus Neumühl | Das Projekt „Junge Muslime in Auschwitz“ hat in diesem Jahr zum fünften Mal stattgefunden. Bei der ersten Fahrt entstand als Aufarbeitung ein Theaterstück, das mit großem Erfolg in kleinem Rahmen bereits mehrmals aufgeführt wurde. Jetzt wird es im Bürgerhaus Neumühl gezeigt.

Nach der vorletzten Fahrt wurden die bedrückenden Erlebnisse ebenfalls zu Papier gebracht und „bühnenreif“ umgesetzt. Nachdem das Stück „Coexist“ in Schulen und kleinen Gruppen gezeigt wurde, gibt es eine öffentliche Premiere, um möglichst viele Menschen wach- und aufzurütteln. Das geschieht am Samstag, 19. November, im Bürgerhaus Neumühl, Otto-Hahn-Straße 49. Beginn ist 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Karten zum Preis von 5 Euro gibt es ab sofort im Neumühler Modehaus, Kierdorf, Holtener Straße 208-210, sowie an der Abendkasse. Nach Deckung der Kosten fließt ein möglicher Überschuss in die Finanzierung der Gedenkstättenfahrt 2017.

Die Theatergruppe der „HeRoes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre – Ein Projekt für Gleichberechtigung von Jungs e.V.“ besteht aus zehn Jugendlichen und jungen Männern mit türkischer, arabischer und jezidischer Zuwanderungsgeschichte, die zurzeit im HeRoes-Prjekt die Ausbildung zu Multiplikatoren absolvieren, um dann an Schulen und Jugendeinrichtungen Workshops für Demokratie und Menschenrechtsbildung anzubieten. Sie sind von ihrem „Auftrag“ überzeugt: „Wir glauben an eine Gesellschaft, in der jeder Mensch unabhängig von Geschlecht und kulturellem Hintergrund dieselben Chancen hat.“
In „Coexist“ geht es um Zivilcourage und die eigene Verantwortung für Veränderungen. Es ist ein zeitloses Stück, das fiktiv in Nahost spielt, aber ebenso in einem anderen Land, in einer anderen Zeit spielen könnte.

Gegen Vorurteile und Hass


Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Vorurteile und Hass von einer Generation an die andere weitergegeben werden. Dabei fließen biographische Familiengeschichten, persönliche Erfahrungen mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Die zehn Jugendlichen setzten sich seit dem Sommer 2014 über mehrere Monate mit den Themen Nationalsozialismus und Antisemitismus auseinander.

Um die Gefühle, Gedanken und Erlebnisse zu verarbeiten, die sie während ihrer Reise  und ihres Aufenthaltes im Oktober 2014 in Auschwitz – wiederum vom Verein für Offene Jugendarbeit in Neumühl (OfJu) organisiert – und danach hatten, entstand das Theaterprojekt mit einer mehr als deutlichen Botschaft: Kein Krieg, keine Angst, keine Ausgrenzung! Die Gedenkstättenfahrt wurde zudem filmisch dokumentiert. Darin wurde auch der Prozess der Entwicklung des Theaterstücks eingebunden. Diese Dokumentation wurde Ende September im Filmforum mit anschließender Podiumsdiskussion dokumentiert. OB Sören Link zeigte sich als Teilnehmer von der Arbeit der Jugendlichen begeistert.

Die Theateraufführung am 19. November findet in Kooperation mit dem Initiativkreis Neumühler Erklärung statt, in dem sich die HeRoes ebenfalls für ein gutes Miteinander im Stadtteil einsetzen. Burak Yilmaz, einer der Projektbegleiter, im Gespräch mit unserer Redaktion: „Holocaust-Erziehung steht vor einer Wende. Die Generation der Zeitzeugen ist in wenigen Jahren nicht mehr da, daher brauchen wir neue Wege in der Erinnerungskultur. Geschichte lebendig vermitteln und Jugendliche für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu gewinnen, die keinen direkten familiären Bezug zu dieser Geschichte haben, ist unser Ziel.“

Diskriminierungen gegensteuern


Dadurch, dass sie Diskriminierungserfahrungen im Alltag machen, haben sie eine gewisse Distanz zur Gesellschaft und auch zur deutschen Geschichte. „Wir geben ihnen eine Plattform, sich mit ihrer eigenen Identität und ihren inneren Konflikten auseinanderzusetzen, weil sie in der Schule kaum Raum dafür finden. Auch ihre Familiengeschichten sollen sie erzählen und verarbeiten, weil anhand der eigenen Familiengeschichte Weltgeschichte spürbar wird“, so Yilmaz.

Mit dem Theaterstück wollen sie ein Zeichen gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit setzen. In dem Theaterstück indoktriniert ein arabischer Vater seinen Sohn mit Judenhass. Im Laufe des Theaterstückes lernt dieser arabische Sohn einen Juden kennen und schließt mit ihm eine Freundschaft.
OfJu-Vorsitzende Susanne Reitemeier-Lohaus: „Theater ist ein Mittel, Emotionen zu verarbeiten, Diskriminierungen gegenzusteuern und aus persönlich erlittenem Leid für eine friedliche Zukunft zu lernen. Das ist der Anspruch von 'Coexist'.“


Text: Reiner Terhorst
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