Ein „Finanzamt“ in Asterlagen

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Die Familie Schürmann vor dem Renteigebäude
Duisburg: Asterlagen | Von Klaus Sefzig

Das hier eingezahlte Geld wurde per Postreiter zu dem Kloster Werden gebracht.

Der Propsteihof Asterlagen nun Winkelhauser Straße Nr. 29, früher Asterlagen 7, auch Klosterstraße Nr. 9
Dieses ist sicherlich der älteste Hof in Asterlagen, nicht nur weil er die meisten Namen hat, sondern weil er schon um 900 n. Chr. erwähnt wurde.
Seine Namen waren: Haus Asterlagen, Renteihof, Abteihof, Propsteihof, Vogteihof.
Der Hof war gleichzeitig ein Herrensitz, in dem der Abt von Werden, wenn er zur Revision, zum Gericht oder zur Jagt nach Asterlagen kam, wohnte. Zu einem Gebäude in dem der Propst oder Abt beherbergt wurden, gehörte natürlich auch eine Kapelle. Im Urbar wird folgendes erwähnt: "Die von der Kirche Hochemmerich abhängige Kapelle wird von dem damaligen Propst Wichmann um 1100 wieder aufgebaut, ausgestattet und zu Ehren des heiligen Ludgerus geweiht". In ihr wurden viele Taufen und Hochzeiten an Asterlagern vollzogen. Das Taufbecken aus dieser Kapelle wurde, sicherlich unwissend, von dem damaligen Hofbesitzer als Hühnertränke benutzt. Heute kommt es in der kath. Kirche St. Ludger, die 1925 an der Bergheimer Straße diesem Heiligen geweiht wurde, wieder zur Geltung.
Zu Anfang des 15. Jahrhunderts pflegte der Abt aus den Hufeninhabern einen „Deken" auszuwählen, der die Dienste eines Fronhofboten zu erfüllen hatte. Er war bei der Einziehung der pflichtigen Gefalle (Steuern) beteiligt und galt als der Sprecher der Hofleute bei Gerichtsverhandlungen. Diese Deken unterstanden dem abteilichen Rentmeister, der auf diesem Hof in Asterlagen, wohnte (daher auch Renteihof). Hier war also das „Finanzamt", wo überwacht wurde, dass die Steuern oder Naturalien pünktlich abgegeben wurden.
So wurde zum Beispiel der Wein für das Kloster, der mit Schiffen bis Essenberg transportiert wurde, hier zwischengelagert. Anschließend wurde er zum Kloster nach Werden weitergeleitet. So bestand ein ständiger Fuhr- und Botendienst zu dem die Landwirte verpflichtet waren.
Der Hof war ein großer zweistöckiger Backsteinbau mit abgewalmtem Dach. Der Oberbau stammt, nach einer Türinschrift, aus dem Jahr 1666.
Um 1900 wurde das Wohngebäude und neue Stallungen errichtet und 1919 das Renteigebäude als Stallung und Scheune umgebaut. Hieran erinnert noch ein V-Stein im Torbogen, mit den Buchstaben AS. 1919.
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