Gebratene Marshmallows nach Steinzeit-Art: Der etwas andere Workshop

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FOTO UND COPYRIGHT: HANNES KIRCHNER 17-02-2017
 
FOTO UND COPYRIGHT: HANNES KIRCHNER 17-02-2017
Wie sich die Menschen aus der Steinzeit auf die Jagd vorbereiteten und viel Spannendes mehr erlebten die fünften Klassen der Globus-Schule im Rahmen des Workshops „Steinzeitlager“ des Kultur- und Stadthistorischen Museums.

Wir schreiben etwa das Jahr 300.000 vor Christus. Stammes-Sippen haben sich um ihre Feuerstellen versammelt, um sich auf eine gemeinsame Jagd vorzubereiten: Die Angehörigen der „Wale“ und der „Rentiere“ verpassen ihren Speeren den letzten „Feinschliff“. Im „richtigen Leben“ sind die Stammesmitglieder Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen an der Globus-Schule am Dellplatz. Heute dürfen sie in die Rolle von Menschen aus der Steinzeit schlüpfen.

Dzhemal Aldinvo (12) und sein Kumpel Eraldo Bushi (11) harren fasziniert vor dem Feuer aus. Jeder hält geduldig die Spitze eines langen, dicken Stocks in die lodernde Glut. Museumspädagoge Olaf Fabian-Knöpges - heute in stilvollem Steinzeitjäger-Outfit - da Schamane und Familienoberhaupt zugleich - erklärt: „Die gemeinsame Jagd kann nur statt finden, wenn die Jungen und Mädchen Jagdwaffen in Form von Speeren haben und wenn sie Jäger geworden sind.“ Zuvor haben die Kids im Museum live gesehen, was aus der Steinzeit so alles „übrig geblieben ist“, die Feuerstelle kennen gelernt und mithilfe steinzeitlicher Werkzeuge Feuer erzeugt. Dzhemal Aldinvo erklärt, wie er seinen Speer herstellt: „Ich hab’ den Stock mit einem Feuerstein spitz gemacht und halte ihn jetzt ins Feuer.“ Grinsend schiebt er nach: „Und wenn das Feuer weggeht, tue ich Marshmallows drauf und brate sie.“ Ob gebratene Marshmallows Steinzeitmenschen auch geschmeckt hätten? Diese Frage bleibt unbeantwortet, dafür werden heute aber viele andere geklärt: unter anderem, ob der Mensch es heutzutage auch schafft, mit eigenen Händen Werkzeuge herzustellen. Eraldo Bushi findet: „Ich denke, die Leute in der Steinzeit hatten es nicht einfach. Und zu jagen ist auch schwer und nicht so einfach, wie in Filmen.“ Es braucht etwa eine Stunde, bis die künftigen Speere „soweit“ sind, dass sie mit dem Feuerstein eine Spitze verpasst bekommen können.

Den "Schöninger Speeren" nachempfunden

„Es gibt archäologische Referenzen, dass die Menschen das so gemacht haben“, erklärt Museumspädagoge Fabian-Knöpges. Denn die Speere, die die Jungen und Mädchen heute fertigen, sind den sogenannten „Schöninger Speeren“ nachempfunden. Bei diesen bedeutenden, archäologischen Artefakten handelt es sich um hölzerne Wurfspeere aus der Altsteinzeit. Aber Bevor die Speere in spe geschärft werden können, mussten die Kinder zunächst die Rinde mithilfe eines Feuersteins von den Haselnuss-Ästen schälen. „Es wäre steinzeitlich besser, Krüppelkiefer zu nehmen, weil diese härter ist“, bemerkt Olaf Fabian-Knöpges. Für die Jungen und Mädchen stellt der Haselnuss-Stecken aber auch schon eine Herausforderung dar.

Der Museumspädagoge erklärt, warum es besonders Sinn macht, diesen Workshop mit fünften Klassen zu machen: „Wir nähern uns spielerisch an die Frage an, was einen Menschen zum Menschen macht. Die meisten Theorien sind anatomisch begründet.“ Die Heranwachsenden seien an einer Schwelle, wo sie sich auch fragten: Was macht mich zu einem Mann beziehungsweise zur Frau?
Celina Franken ist fast fertig damit, die Rinde ihres künftigen Speers abzuschälen. Sie sagt fasziniert: „Im Museum erfuhr ich heute, dass die Menschen in der Steinzeit Waffen aus Rehgeweihen gebaut haben. Das wusste ich vorher nicht.“ Auch den Nachwuchsjägerinnen Aslenur Ucar, Gergana Yordanova und Viktoria Mihaylova gefällt der Workshop richtig gut. Nachdem die Mädels stolz ihre „fertigen“ Speere vorzeigen, stärken sich die Jägerinnen: eine Tüte mit Mäusespeck wird herumgereicht. Und dann heißt es: „Mädels ihr wisst schon, dass der Rest von euch auf der Jagd ist?“ Schließlich versammeln sich alle „Jäger“ um ihren „Stammesführer“, um die Jagd-Spielregeln durchzugehen („Die ‚Tiere’ müssen einverstanden sein! ‚Tiere’ vorsichtig ‚töten’“). Mit vielstimmigem „Heyo, hey hey yo“ wird das Spektakel eingeläutet.
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