Helikoptereltern - heute noch "out", aber morgen schon "in"?

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Helikoptereltern - ein recht junger Begriff in unserem Sprachgebrauch.

Eltern, die ihre Kinder allzeit umkreisen, die sie nie ohne Aufsicht lassen. Jede Gefahr wollen sie von ihnen fernhalten. Sie bringen ihre Kinder persönlich zur Schule, am liebsten, wenn sie dürften, bis ins Klassenzimmer. Sie holen sie wieder ab, halten sie viel zu Hause, haben stete Kontrolle über ihre sozialen Kontakte, lassen sie, solange sie noch nicht auf dem Sprung zum Erwachsenensein sind, möglichst nicht allein.
Solche Eltern machen ein Big-Brother-Szenario zur Wirklichkeit.

Und derzeit wird solches Helikopterverhalten in Deutschland angeprangert. Pädagogen warnen vor einer Überbehütung, die den Kindern vieler Gelegenheiten und Möglichkeiten beraubt, sich in der Gemeinschaft Gleichaltriger zu entwickeln, sich auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen, sprich selbstständig zu werden.

Helikoptereltern - ein Begriff, der eher negativ als positiv besetzt ist. Aber wie lange noch? Bekanntlich schwappen die meisten gesellschaftlichen Trends aus den USA im Laufe der Zeit nach Europa über. Deshalb sollte die Frage erlaubt sein: Wie sieht es mit den Helikoptereltern in den Staaten aus?

Ein ZDF-Bericht im "auslandsjournal" klärte nun über die Lage in den USA auf. Da hat doch tatsächlich eine Fernsehmoderatorin, die möglichst viel Freiräume für Kinder auf ihre Fahnen geschrieben hat, ihr eigenes neunjähriges Kind alleine mit der U-Bahn fahren lassen. Die Nachricht löste einen Aufschrei in Amerika aus: Wie kann man nur! Sie erhielt das Prädikat "Schlechteste Mutter".
Kinder alleine draußen? Es dauert oft nicht lang, bis Anrufe bei der Polizei eingehen mit dem geäußerten Verdacht einer Verwahrlosung. Und den Vorwurf verfolgt die Polizei ernsthaft, das Jugendamt wird eingeschaltet, und dieses bleibt am Ball und kontrolliert und kontrolliert, auch wenn die Eltern aus unserer Sicht als gute Eltern zu bezeichnen sind. In den USA sind Helikoptereltern "in". Bei uns in Deutschland sieht es noch anders aus, aber - wie gesagt - wie lange noch?

Wie war es in meiner Kindheit vor einem halben Jahrhundert? Wir Kinder gingen ohne Aufsicht zur Schule und zurück nach Hause. Wir waren viel draußen, oft stundenlang. Wir ließen Drachen steigen, wir kletterten auf Bäume, wir bauten Buden u.v.m., ohne dass jemand auf den Gedanken gekommen wäre, wir wären verwahrlost. Es wäre auch der größte Unsinn gewesen.

"Times are changing", sang damals schon Bob Dylan. Ob die Zeiten bei aller Veränderung aber auch besser geworden sind und noch besser werden? "The answer, my friend, is blowin´ in the wind."
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2 Kommentare
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 05.03.2015 | 21:37  
109
Stephan Schumann aus Dortmund-City | 24.03.2015 | 21:05  
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