Das Museum Küppersmühle (MKM) zeigt seit dem 4.4.12 einen neuen Sammlungsraum mit Werken des deutschen Malers Emil Schumacher. Es wird eine Auswahl von fünf großformatigen Gemälden aus den 1980er Jahren präsentiert:
Wangrin, 1985-86, Öl und diverse Materialien auf Leinwand,
Madai, 1986, Öl auf Holz,
Borunda, 1987, Öl auf Holz,
Tangun, 1988, Mischtechnik auf Holz,
Kerim, 1989, Mischtechnik auf Holz.
Der Direktor des Museums, Prof. Dr. Walter Smerling, ließ es sich nicht nehmen, selbst voller Stolz seine neuen "Babies" vorzustellen.
Smerling, seit 1999 Direktor des MKM und studierter Betriebswirt und Kunsthistoriker, betonte anlässlich der Pressekonferenz am 4.4.12, dass die Museen gerade in Zeiten geringer Ankaufetats auf Leihgaben von Sammlern und Sponsoren angewiesen sind. Fast alle bisherigen Ausstellungen des MKM seien privat finanziert worden.
In der Museumspraxis des MKM sei zuletzt auf Kontinuität der Exponate in den jeweiligen Räumen gesetzt worden. So befinde sich z. B. der "Sternenraum" von Anselm Kiefer seit 10 Jahren an der selben Stelle. Dies habe bereits zu persönlichen, geradezu familiären Bindungen einzelner Besucher geführt, die extra kommen, um ihren Lieblingsraum zu sehen.
Smerling kündigt an, dass er künftig in enger Zusammenarbeit mit den großen Sammlern einige Räume verändern werde. Mit dem neuen Schumacher-Raum sei der Anfang gemacht worden.
Die nun präsentierten Schumacher-Arbeiten stammten alle aus der Sammlung Ströher.
Schumacher sei in der Sammlung Ströher mit zahlreichen Arbeiten aus allen Schaffensphasen vertreten. Dank seiner guten persönlichen Kontakte zu den Sammlern sei es Smerling gelungen, eben diese Werke für die Museumsausstellung zu bekommen.
Für Smerling ermöglichen gerade diese Exponate einen emotionalen, intellektuellen und historischen Zugang zum Werk von Emil Schumacher und zur Kunst der deutschen Nachkriegs-Avantgarde.
Emil Schumachers Bilder leben aus der Farbe, die sich frei auf der Leinwand entfaltet und dabei eine große physische und psychische Kraft entwickelt. Die Wirkung der Farbe als wesentliches Bildmaterial verstärkt der Künstler im Laufe der Zeit durch die zusätzliche Verwendung unterschiedlicher Werkstoffe aus dem alltäglichen Bereich: Er integriert Material aus seiner Umgebung wie Sand, Erde, Papier, Blech, Blätter, Zweige, Teer, Haare, Maschendraht und vieles mehr in seine Malerei. In einigen Bildern "verletzt" Schumacher die schrundigen, rauh-pastosen Bildoberflächen, z.B. durch Hammerschläge, und bricht sie dadurch auf.
Die jetzt gezeigten Schumacher-Gemälde zeigen besonders eindrücklich den pastosen, reliefartigen Farbauftrag, der für Schumachers Malerei der 1980er Jahre charakteristisch ist.
Ausgehend von einem segmenthaften abstrakten Farbfleck bereitet der Künstler eine stimmungsvolle Farb-Landschaft aus, konkretisiert sie zum Bild und tritt so durch das Werk mit dem Betrachter in Dialog.
Schumachers Farbauswahl differenziert je nach der Serie; hier werden seine Bilder gezeigt, in denen erdige Farben dominieren. Die in der charakteristischen Schumacher-Intensität gemalten Bilder lassen noch immer die Energie spüren, die aufs Bild übertragen wurde.
Die von ihm frei erfundenen Bilder-Titel wecken in Verbindung mit dem Gemalten undeutbare und nicht zu entschlüsselnde, urzeitliche-exotische Assoziationen.
Emil Schumacher (1912-99) war ein deutscher Maler, Mitbegründer der Abstrakten Kunst in Deutschland und Vertreter des Informel.
Schumacher studierte von 1932 bis 1935 in Dortmund. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde er wegen des Vorwurfs des „Kulturbolschewismus“ kein Mitglied in der Reichskammer der bildenden Künste. Nach 1945 begann er zunächst mit kubistischen Landschaften. In den 1950er Jahren entwickelte er Gemälde ohne jeglichen konstruktiven Aufbau, die nur aus der Farbe lebten. Hauptthema seiner Arbeiten sind die Eigenwertigkeit der Farbmaterie und deren psychische Wirkung.
Schumacher wurde durch seine Teilnahme an der Biennale von Venedig 1961 sowie an der documenta II, III und VI international bekannt. Seine Arbeiten hängen heute in allen wichtigen Museen der Welt. Seit 2009 repräsentiert das Emil-Schumacher-Museum den Künstler in seiner Heimatstadt Hagen.
Was kennzeichnet die deutsche Nachkriegs-Avantgarde?
In den 1950er Jahren wurde von den Vertretern der informellen Kunstrichtung dasjenige als bildwürdig und als neue Bildform proklamiert, in welchem sich ein direktes Handeln aus der Existenz zu erkennen gab, also aus der Spur ihrer Gestik und der Choreographie ihrer Rhythmik.
Entscheidende Wurzeln für die Malerei des abstrakten Expressionismus sowie des Informel liegen im Kubismus, der écriture automatique der Surrealisten, dem Auftreten biomorpher Gegenstände und in der Schöpfung einer Bildform, deren Charakter aus einer über dem Bildgrund anscheinend frei schwebenden Verteilung von Bildelementen besteht.
Seit dem Wegfall der Unterdrückung und Reglementierung der (west-)deutschen Kunst ab 1945 entwickelte sich der aufbegehrende und freiheitliche Gestus innerhalb der unter "Abstrakte Expressionisten" und "Informel" klassifizierten Künstler. Der freiheitliche Gestus der neuen Kunst bedurfte notwendig eines Bildgerüsts, das der verstärkten Betonung eines aus den Kunstmitteln und individuellen Gestaltungsprinzipien generierten Werkes Halt zu geben vermochte, damit das Subjektive und Momentane nicht als purer Egozentrismus erscheinen, sondern sich in einer neuen Bildform als bildwürdig erweisen konnte.
Das MKM Duisburg genießt eine einzigartige Stellung in der Museumslandschaft, die nicht zuletzt auch ein Verdienst der Sammer Ströher ist. Im MKM können derzeit ca. 15 Künstler-Positionen der deutschen Nachkriegs-Avantgarde gleichzeitig betrachtet werden. Im engen räumlichen Kontext wird so ein Vergleichen der unterschiedlichsten Positionen im Ringen um die künstlerische Entwicklung in der Zeit ab 1945 möglich.
Das MKM empfielt sich somit als spannende und empfehlenswerte Ausflugs-Adresse – nicht nur für kühle Oster-/Ferientage!








