Rezension "Das Alphabet des Denkens"

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Das Alphabet des Denkens (Foto: rowohlt)

"Das Alphabet des Denkens" von Stefanie Schramm und Claudia Wüstenhagen behandelt ein spannendes Thema: Wie hängt unser Denken mit unserer Sprache zusammen. Haben wir zum Denken die Sprache erfunden? Können wir ohne Sprache nicht denken? Das sind die wesentlichen Fragen, die sich die beiden Autorinnen Stefanie Schramm und Claudia Wüstenhagen gestellt haben. Die beiden Redakteurinnen der ZEIT haben umfangreiches Material gesammelt und zeigen auf, wie Wissenschaftler der ganzen Welt sich der Problematik annähern.

Das Buch ist sachlich in neun Kapitel aufgeteilt, die das Thema allerdings nicht so klar gliedern, wie die Titel vorgeben.

Das erste Kapitel entführt uns in die Welt der Phoneme, kleinen akustischen Einheiten unserer Wörter, die bestimmte Assoziationen in uns hervorrufen. Spannend, zu erfahren, dass neben rein onomatopoetischen (klangnachahmenden) Wörtern wie z.B. „Wauwau“ auch kleine Klanggebilde in der Sprache vorhanden sind, die unterschwellig der Worte Sinn unterstreichen. Bezeichnend finden sich in Begriffen für große oder kleine Dinge entsprechend mehr „o“- oder „i“-Laute.
In den weiteren Kapiteln lernen wir die Macht der Bilder und Metaphern kennen oder welche emotionale Aufladung Wörter haben können. Ein ganzes Kapitel beschäftigt sich so mit den Schimpfwörtern und welche Wirkung sie auf uns haben, wenn wir sie brauchen.
Schön eine kleine Historie der Schimpfwörter von den Römern bis heute.

Nun kommt das Buch zu den Kernthemen: Haben wir Handlungskonzepte, die ohne Sprache zustande kommen, ändert die Sprache unsere Wahrnehmung oder was ist das besondere an unserer Muttersprache?
Wie in den schon vorangehenden Kapiteln werden die Fragen anhand mannigfacher wissenschaftlicher Versuche untersucht. Selten sind die Antworten eindeutig und oft bleibt der Streit der Anhänger verschiedener Theorien unentschieden. Das hinterlässt einen leicht verwaschenen Eindruck zurück.

Fördert Sprache unser Handeln oder ist Sprache Abbild unseres Handelns und Seins?

Das scheint mir wie die Frage nach dem Ei und der Henne zu sein und es legt den Verdacht nahe, dass womöglich die Fragestellungen selbst vom falschen Ansatz ausgehen.

Zu erwähnen bleiben noch zwei interessante Kapitel. Das eine beschäftigt sich mit Computerprogrammen, die nicht die Inhalte der Sprache analysieren, sondern die Häufigkeit der kleinen Füllwörter, den Gebrauch von Pronomen, Adverbien, Konjunktionen etc.. Erstaunlich, dass die Ergebnisse solcher Untersuchungen oft mehr über eine Person aussagen können als ein normaler Leser der Texte. Nicht uninteressant sind solche Programme für die Geheimdienste und solche Forschungen hinterlassen nicht nur ein positives Gefühl.

Interessanter Inhalt, langatmiger Stil

Das andere Kapitel beschäftigt sich mit der suggestiven Kraft von Wörtern und Bildern, zum Beispiel in der Politikersprache. Es ist schon dramatisch, wie verschieden die Wirkung von Texten ist, wenn nur eine andere Metapher für den gleichen Sachverhalt benutzt wird.

Insgesamt vermittelt das Buch in einfacher, verständlicher Sprache einen großen Einblick in das Thema. Ermüdend allerdings ist die Form, in der es geschrieben ist.

Ein jedes Kapitel hangelt sich von Experiment zu Experiment immer anderer Sprachforscher, um am Ende jeweils festzustellen, dass alle Theorien doch nicht ganz falsch sind. Hätte ich das Buch nicht rezensieren müssen, so hätte ich es quer gelesen. Abgesehen davon, dass man mit gesundem Halbwissen schon vorher um die eine oder andere Erkenntnis des Buches weiß, sind die Kapitel zu lang. Ich hätte mir den Inhalt, spannender aufbereitet, gut auf 150 statt auf 300 Seiten gewünscht.

PS.: Gerne gebe ich das Buch an Interessierte weiter, einfach PN schreiben.
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